Ludwig Hinrichsen : Vom Gelegenheitspoeten zum Literaten

Ludwig Hinrichsen
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Kappelns vierter Ehrenbürger ist der Schriftsteller Ludwig Hinrichsen (1872 - 1957) / Werke drehten sich um seine Heimatstadt und die Schlei

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17. August 2011, 07:13 Uhr

Kappeln | Seit 1991 vergibt die Stadt Kappeln gemeinsam mit dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund jährlich den Niederdeutschen Literaturpreis. Doch schon vier Jahrzehnte zuvor hatte Kappeln einen niederdeutschen Schriftsteller geehrt: Ludwig Hinrichsen, ein Sohn der Stadt, wurde am 21. März 1952 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Zwar war die offizielle und allgemeine Begründung - es sollten "seine Verdienste um seine engere Heimat" gewürdigt werden - doch hatten die Stadtväter eindeutig Hinrichsens literarische Werke im Blick.

Das Schreibtalent war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Ludwig Hinrichsen wurde am 21. März 1872 in Kappeln geboren. Sein Vater war Zollkontrolleur, seine Mutter Schneiderstochter. Und auch sein Lebensweg wies zunächst nicht in die Richtung eines Schriftstellers. "Nach dem Besuch der Realschule mit durchaus normalem Erfolg, nach dem unumgänglichen Verzicht auf das ersehnte Studium und dem bündigen Befehl, sich jedes künstlerische Streben als abwegige Irrleitung aus dem Sinn zu schlagen, erhielt unter der Auswahl vieler Berufsarten die der Drogerie den Vorzug", heißt es in seinen Erinnerungen. Nachdem er die Drogistenlehre in Kiel absolviert hatte, übernahm er 1896 die Drogerie seines Schwiegervaters in Hamburg.

Das Drogistendasein sicherte ihm und seiner Frau zwar ein Auskommen, doch füllte es ihn nicht aus. Nach Feierabend versuchte er sich als Gelegenheitspoet. Bedeutende Förderer fand er in Richard Dehmel und Detlev von Liliencron, zwei erfolgreiche und anerkannte Literaten.

Der Beginn seiner eigentlichen Schaffensperiode als Schriftsteller ist auf das Jahr 1918 datiert. Am liebsten schrieb er niederdeutsch. Das Gesamtwerk von Ludwig Hinrichsen umfasst fünf Romane, 15 hoch- und plattdeutsche Schauspiele, einige Erzählbände und fünf Hörspiele. In den Texten spiegeln sich stets Landschafts- und Milieuschilderungen aus der von ihm so geliebten Schleiregion wider. Die Resonanz auf seine Veröffentlichungen hielt sich in Grenzen, auch die Auflagenhöhe, so dass er an sich und seinem Können zu zweifeln begann.

1941 geriet Hinrichsen - politisch ein Sozialliberaler - in das Räderwerk der nationalsozialistischen Kulturpolitik: Er wurde aus der Reichsschrifttumskammer, Gruppe Schriftsteller, ausgeschlossen. Doch konnte er weiter publizieren. Als britische Bomber in der Nacht zum 28. Juli 1943 in Hamburg einen Feuersturm entfachten, konnte der nun 71-jährige Hinrichsen nur sein nacktes Leben retten. Seine Wohnung brannte aus, seine ganze Habe wurde vernichtet, "und was schlimmer ist, all meine Niederschriften und alle Stützpunkte fernerer Arbeit an Büchern und Schriften weg !"

1947 kehrte er, inzwischen Witwer, nach Kappeln zurück. Hinrichsen: "Jeder Stein und jeder Baum grüßt mich und weckt so lebhafte Erinnerungen, daß ich nicht nur ,zu Hause bin, sondern fast eine zweite Jugend im Alter erlebe. Und das Wichtigste: Ich kann arbeiten." In den Medien der Region veröffentlichte er namentlich Gedichte und erzählerische Skizzen. Hinrichsens letzte eigenständige Veröffentlichung erschien 1955: "Jugend an der Schlei." Finanzielle Unterstützung erhielt er aus Hamburg; der Senat gewährte ihm einen "Ehrensold". Sein in die USA ausgewanderter Bruder hinterließ ihm einen Erbteil.

Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde Hinsichsen im festlich geschmückten Saal des Rathauses der Ehrenbürgerbrief überreicht. Seine Heimatstadt sei besonders stolz auf ihren großen Sohn, hieß es. Der Bildhauer Walter Rössler (Kiel/Schleswig) schuf im Auftrag der Landesregierung eine Porträtbüste von ihm, die im Ratssaal aufgestellt wurde. Diese Skulptur erinnert noch heute im Rathaus an den Schriftsteller und Ehrenbürger, der am 25. Februar 1957 in seiner Heimatstadt starb. Das Stadtarchiv verwahrt zahlreiche Arbeiten Hinrichsens, darunter auch handschriftliche Roman-Manuskripte.

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