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Gottesdienst in Kappeln : Volles Haus am Heiligen Abend

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelns Pastoren über die gut besuchten Gottesdienste an Heiligabend und warum das ein Grund zur Freunde ist.

Kappeln | Der Gang in die Kirche ist für viele Menschen ein festes Ritual an Heiligabend. Wenn sie das Kirchenschiff betreten – feierlich beleuchtet im Kerzenschein, den geschmückten Tannenbaum im Blick – beginnen für sie die Weihnachtsfeierlichkeiten. An Heiligabend einen Platz in der Kirche zu ergattern, ist dann mitunter schwierig. Dass die Kirchen vor allem heute gut besucht sind, während die Bankreihen an normalen Sonntagen oftmals halbleer sind, ist für die drei Pastoren Jörg Jackisch (Ellenberg) und Gönna Hartmann-Petersen und Kartsten Petersen (Kappeln) jedoch kein Ärgernis. „Ich freue mich, dass ich dann viele Menschen in der Kirche sehe, mit denen ich über das Jahr zu tun hatte“, sagt Jörg Jackisch. An Zahlen möchte er dies aber nicht festmachen.

Für Karsten Petersen ist die Frage, ob die vollen Kirchen zu Weihnachten mehr Freude oder Frust sind, von der verkehrten Seite gestellt. „Sie schaut nach einem Defizitmodell. Das tue ich nicht. Ich bin froh, dass Weihnachten ist, finde die Gottesdienste toll und kann jeden verstehen, der dann in die Kirche geht.“ Das habe mit den anderen Gottesdiensten im Jahr gar nichts zu tun. „Für mich ist Heiligabend auch losgelöst. Was wir im normalen Sonntagsgeschäft machen und an Heiligabend darf man nicht zusammen in die Waagschale werfen. Das wäre schade für das übrige Jahr, wo wir auch schöne Gottesdienste haben – ganz gleich, wie viele Menschen kommen“, meint Gönna Hartmann-Petersen. „Die Menschen kommen zu Gottesdiensten, die ihnen wichtig sind. Sie gehen zu Taufen, Trauungen, Beerdigungen und hin und wieder zu Sonntagsgottesdiensten. An Weihnachten gehen sie dann alle zusammen in die Kirche. Das macht unsere Kirche aus. Dass sich jeder übers Jahr in den Gottesdiensten blicken lassen kann, die in seine Biografie eingebettet sind.“ Das sei das Prinzip der Volkskirche. Und: „Niemand muss sich schuldig fühlen für Gottesdienste, die er nicht besucht. Jeder ist eingeladen, zu kommen, wann immer er möchte.“

Den Ausdruck „Feiertagschristen“ lehnen die Kappelner Pastoren in diesem Zusammenhang ab. „Auch hier wird nach dem Defizitmodell geschaut“, meint Karsten Petersen. „Wir haben eine Eventisierung der Gottesdienste. Keine Frage. Wir haben Event-Gottesdienste, die meist sehr gut besucht werden. Aber das spielt für mich an Heiligabend keine Rolle. Heiligabend ist so wenig Event, weil es einfach genauso ist wie immer.“ Auch für Jörg Jackisch kann an Heiligabend keine Rede von Eventisierung sein. „Da geht es eher um die Pflege der Tradition.“ Petersen: „Wir könnten ja den Weg gehen und nur noch Event-Gottesdienste anbieten. Ich glaube aber, wenn wir das täten und den Sonntagsgottesdienst abschafften, dann bricht uns alles zusammen. Er ist die Mitte des Gemeindelebens.“

An den Weihnachtsfeiertagen geht es um Gemeinschaft, Traditionen, Ruhe und Besinnlichkeit – viele suchen und finden dies unter dem Dach der Kirche. „Das religiöse Bedürfnis konzentriert sich vielleicht stärker auf diese Zeit“, weiß Karsten Petersen. „In dem Moment, in dem sich der Alltag der Menschen nicht so verdichtet, haben sie die Zeit für die Kirche“, ergänzt Jackisch. „Die Sehnsucht nach Geborgenheit und Sinngebung stelle ich auch übers Jahr fest.“ In der Advents- und Weihnachtszeit könne diese Empfindung aber sehr komprimiert sein.

Dieser Zulauf ist in vielen Kirchengemeinden nach der Advents- und Weihnachtszeit jedoch vorbei. Für Pastorin Gönna Hartmann-Petersen ist ein Grund dafür die Komplexität des Alltags. „Da ist nicht immer Platz für den sonntäglichen Kirchenbesuch.“ Der Kirche gehe es da nicht anders als Vereinen etwa. „Die Menschen scheinen überfordert mit dieser Komplexität und den Möglichkeiten, die sie mitbringt.“ Dem beizukommen, sei extrem schwierig. „Wenn es leicht wäre, würden wir es machen.“ Es sei nicht damit getan, nur noch Event-Gottesdienste anzubieten. „Damit würden wir kurzfristig unsere Kirchen füllen, sie sprechen aber nicht die tiefen Bedürfnisse der Menschen an.“

Jörg Jackisch sieht die Ursachen dafür auch in der Fragmentierung der Welt. „Das Smartphone ist ein gutes Beispiel: Man holt sich über Apps, was man braucht wann man es braucht. Ein bisschen ist es so auch mit Spiritualität. Menschen gehen in die Kirche, wenn ihnen danach ist. Das ist nicht mehr die klassische Zeit Sonntagmorgen um 10 Uhr.“ Trotzdem sei da viel mehr, als man auf den ersten Blick sehe. „Deshalb wehre ich mich so gegen das Argument, dass man dies nur an Besucherzahlen in Gottesdiensten festmachen kann. Die gelebte Frömmigkeit und Spiritualität ist größer, als das, was man sieht.“ Und Karsten Petersen: „Ich glaube, dass die Botschaft an Weihnachten so eindeutig und in vielerlei Hinsicht ansprechend ist, dass sie sich selbst erklärt und die Bedürfnisse der Menschen komplett abdeckt. Das ist nicht mit jedem christlichen Fest so. Wir müssen nicht so tun, als wäre der Karfreitag ein besonders fröhlicher Tag. Es gibt Feiertage, die erschließen sich nicht von selbst.“ Die christliche Botschaft sei übers Jahr nicht immer gleich eingänglich.“ Umfrage auf Seite 10

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erstellt am 24.Dez.2016 | 08:00 Uhr

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