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Schwansener See : Vogelparadies mit Sorgenkindern

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Nabu hat gezählt: Weniger Kiebitze, kein Nachwuchs bei den Zwergseeschwalben, Bestand der Rotschenkel erholt sich.

Noch ist der Tisch reichlich gedeckt für all die Zugvögel, die am Schwansener See rasten. Weißwangengänse, Kiebitze, Singschwäne und Graugänse bereiten sich auf die große Reise gen Süden vor. Mit seinen 215 Hektar ist das Naturschutzgebiet ein Paradies für Vögel und ein Kleinod für alle, die Natur pur lieben. Nur durch einen Strandwall vom Meer getrennt hat das Gebiet bis heute seinen salzwassergeprägten Charakter erhalten.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Ortsverband Kappeln-Nordschwansen, hat sich der Betreuung des Gebiets, in dem im Laufe des Jahres 128 Brutvogelarten und 30 Gastvogelarten zu beobachten sind, verschrieben. Angela Gries, Diplom-Biologin und Schutzreferentin, und Karl-Christoph Jensen, Vorsitzender der Ortsgruppe, zählen in jedem Jahr die Brutgelege und ziehen Bilanz. „Der Besuch der Kiebitze hat deutlich abgenommen“, sagt Jensen. Wurden vor Jahren noch rund 30 Brutpaare gezählt, waren es in dieser Saison nur sieben Brutpaare. Gravierendster Faktor, der für die Negativentwicklung verantwortlich sei, sind demnach die schweren Winter 2011/2012 und 2012/13, deren Folgen sich immer noch in der Population bemerkbar machten, da der Kiebitz zu den frühen Brütern gehöre, der bereits Ende März/Anfang April mit dem Brutgeschäft beginne. Daher seien viele Gelege einfach erfroren.

Auf niedrigstem Niveau hat sich die Zwergseeschwalbe stabilisiert. „Sie ein bisschen unser Sorgenkind“, so Jensen. 2014 wurden sieben Brutpaare gezählt. Da die kleine Schwalbe direkt auf dem 1,6 Kilometer langen Schutzgebiet am Strand brütet, waren ihre Gelege dem Wind und den Wellen bei den starken und häufigen Ostwinden in diesem Jahr ausgesetzt. Die Folge: Kein Gelege wurde ausgebrütet.

Eine positive Entwicklung ist bei ihren Verwandten, den Küstensee- und Flussseeschwalben zu verzeichnen. Sie nehmen die Brutflöße im südlichen Teil des Sees gut an. So haben in diesem Jahr 35 Paare der Küstenseeschwalbe und 30 Paare der Flussseeschwalbe dort ihren Nachwuchs groß gezogen. Auch der Rotschenkel, ein Vertreter der Schnepfenvögel, kommt gern an den Schwansener See. 15 Paare haben Jensen und Gries während der Brutsaison gezählt. Die vor einigen Jahren gefällte Entscheidung, die Wiesen extensiv durch Galloways beweiden zu lassen, zahle sich jetzt aus, erklärt Jensen. Denn der Wasserläufer bevorzuge niedrigen Bewuchs.

Die Mitglieder des Nabu leisten auch Aufklärung in der Öffentlichkeit, beispielsweise durch naturkundliche Wanderungen in Zusammenarbeit mit der Touristinformation Schönhagen. 14 Wanderungen wurden zwischen Januar und Oktober angeboten. „Die Teilnehmerzahlen haben zugenommen, zwischen sechs und 16 Teilnehmer“, zieht Jensen Bilanz. Trotz des schlechten Wetters hätten auch an der Jahresabschlusswanderung am Sonntag acht Interessenten teilgenommen. Neun öffentliche Vorträge über Fauna und Flora am Schwansener See hielten Angela Gries und Karl Plaumann in der Helios-Klinik Schloss Schönhagen.

Der diesjährige Höhepunkt war die Aufstellung einer neuen Schutzhütte. Allerdings ist deren Ausstattung noch nicht ganz vollständig, so der Vorsitzende. Auch eine Aussichtsplattform fehlt noch. „Sehr schmerzhaft, aber aus finanzieller Sicht bitter notwendig waren der Verkauf der Immobilie in Dörphof und die Schließung des Vogelmuseums“, erläutert Jensen. Die finanzielle Lage sei prekär, denn auch die Ausstattung der neuen Schutzhütte müsse die Nabu-Ortsgruppe selbst finanzieren.

 

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erstellt am 21.Okt.2014 | 12:30 Uhr

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