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Kappeln/Dörphof : Visite auf dem Bauernhof

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Zwölf Auszubildende der „Cremilk“ erhalten in Dörphof Einblicke in Viehhaltung und Milcherzeugung.

Ihre Ausbildungsgänge lassen zum Teil wenig Nähe zu Milchkühen erkennen. Lebensmitteltechniker, Lagerlogistiker, Industriemechaniker, Schlosser, Kaufleute und EDV-Kaufleute sind unter anderem die Berufszweige, für die sich die zwölf Azubis der „Cremilk“ entschieden haben. Jetzt besuchen sie einen Bauernhof. Mit dabei auf dem Milchhof Joost im Dörphofer Ortsteil Schuby sind ihr Personalchef Kevin Hessmann und Milcherzeugungsberater Boy Kuhrt. „Mit Kühen haben die Auszubildenden ansonsten wenig zu tun“, erklärt Boy Kuhrt. Ziel des Besuchs ist es, dass die Lehrlinge des Milchpulverherstellers das Ineinandergreifen von Milchviehhaltung und Milchtechnik erleben. Daher haben sie vor dem Besuch die Themen Milchviehhaltung, Inhaltsstoffe der Milch und Milchpreisberechnung besprochen. Zunächst theoretisch, die praktische Erfahrung soll der Besuch vor Ort vermitteln.

Landwirt Jens Joost stellt seinen Besuchern einen fast lupenreinen Familienbetrieb vor, der von ihm und seiner Ehefrau Silke geleitet wird. Da auch der Vater und alle Söhne aktiv mitarbeiten und viele Arbeiten vollautomatisiert ablaufen, kommt der Betrieb mit einem zusätzlichen Mitarbeiter aus. Dazu ist der Hof Joost ist auch Ausbildungsbetrieb. Bei einem Rundgang erhalten die jungen Leute einen Einblick in die Milchviehhaltung und die Milcherzeugung, von der Kuh bis zur Milch im Tank für die „Cremilk“. Die Milchleistung der Joost-Kühe liegt bei 9500 Litern pro Kuh und Jahr. Somit kann Joost mit seinen 300 Tieren im Jahr rund 1,5 Millionen Liter Milch an die „Cremilk“ liefern. Damit zählt der Hof zu deren größten Lieferanten.

Auf die Frage nach dem Milchpreis antwortet Jens Joost, dass dieser zurzeit bei 27,9 Cent pro Liter liegt. Notwendig wären mindestens 35 Cent. Dennoch kommt der Hof auch mit dem niedrigen Preis über die Runden. Wie das mit Hilfe modernster Technik geschafft werden kann, erläutert er bei seinem Rundgang, der beim automatischen Melkstand beginnt. Die dort erzeugte Milch wird in zwei getrennten Tanks gelagert. Nach jeweils drei Stunden Befüllung wird auf den zweiten Tank umgeschaltet. Anschließend wird die Milch auf Antibiotika und Schadstoffe untersucht. Ist alles in Ordnung, kann sie abgeholt werden. Der automatische Melkstand schafft 60 Kühe am Tag, wobei zwölf Kühe zugleich gemolken werden können. An der Stelle ist aber noch menschliche Arbeitskraft nötig, um die Euter zu reinigen und die Sauger anzulegen. Das ist bei dem zusätzlich auf dem Hof arbeitenden vollautomatischen Melkroboter nicht mehr nötig. Der Melkroboter schafft so täglich 120 Kühe.

Die Fütterung wird über Computer gesteuert. Die Milchkühe erhalten ausschließlich Kraftfutter aus Mais und Raps, alle anderen ein Futtergemisch ohne Kraftfutter. Damit der Computer den jeweiligen Futterbedarf feststellen kann, ist jede Kuh mit einem Chip versehen. Der speichert, wann und wie viel eine Kuh gefressen hat und stellt somit die richtige Futtermenge für jedes Tier bereit.

Wichtig ist auch die richtige Haltung der Tiere. Damit die Kühe sich wohlfühlen, können sie sich im Stall frei bewegen. Sie laufen auf Stroh oder weichen strohbedeckten Schaumstoffmatten. Es gibt einen Kreißsaal für trächtige Tiere und einen „Wellnessbereich“ für Kühe, die bereits gekalbt haben. Die Kühe produzieren aber nicht nur Milch, sondern auch Gülle. Die wird unter dem Laufgitter gesammelt, zusammen mit dem von den Kühen durchgetretenen Stroh und von dort vollautomatisch in die Bio-Gasanlage gepumpt. Mit der dort gewonnenen Energie können 180 Haushalte versorgt werden. Joost: „Nur so ist der Hof wirtschaftlich zu führen.“  

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