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Vierter Kinopreis für zwei Individualisten

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Land zeichnet "Capitol-Lichtspiele" erneut aus / Preisgeld soll für Innenausstattung des Kinosaals verwendet werden

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erstellt am 30.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kappeln | Langsam wird es eng im Schaukasten der "Capitol-Lichtspiele". Urkunden aus den Jahren 2008, 2011 und 2012 hängen dort bereits. Beweise für ein anspruchsvolles Kinoprogramm, attestiert vom Land Schleswig-Holstein. Außerdem ein Ehrenteller der Stadt Kappeln, Anerkennung für einen "wichtigen Beitrag zur kulturellen Grundversorgung", wie es im April bei der Verleihung geheißen hatte. Daneben zwei weitere Urkunden, die die Ehrenteller-Würdigung ergänzen. Jetzt müssen Carmen Schrief und Michael Wittkowski einen weiteren Rahmen kaufen: Vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein gab es in dieser Woche den nunmehr vierten Kinopreis.

Carmen Schrief und Michael Wittkowski hatten ihren Kunden rechtzeitig Bescheid gegeben, dass in dieser Woche an einem Tag schon nach der Nachmittagsvorstellung Schluss sein würde. Die beiden Kappelner Kinobetreiber mussten nach Rendsburg, zur Verleihung des schleswig-holsteinischen Kinopreises. Von ihren Kunden wünschten sie sich gedrückte Daumen. Die allerdings taten mehr als das. Carmen Schrief berichtet von zahlreichen Glückwünschen, davon, dass eine Kundin sogar eine Glückskarte vorbeigebracht habe und davon, dass sich hinterher jede Menge Menschen erkundigt hätten, wie der Abend denn nun gelaufen sei. "Man merkt einfach, dass sich unsere Kunden mit uns freuen", sagt Schrief.

Dabei sind die beiden Kinobetreiber mit vollkommen unterschiedlichen Erwartungen in die Preisverleihung gegangen. Michael Wittkowski war sich sicher: "Dieses Mal gewinnen wir nichts. Einfach weil wir schon so oft gewonnen haben." Carmen Schrief war dagegen durchweg optimistisch. "Ich habe gesagt, wir werden erster", sagt sie und lacht. Am Ende gehörten die "Capitol-Lichtspiele" zu den fünf Kinos, die auf Platz zwei landeten (hinter dem Deutschen Haus in Meldorf und dem Savoy-Kino in Bordesholm). Schrief lacht wieder: "Wir sind also erster in der zweiten Kategorie."

Und darüber freuen sich die Kappelner ebenso sehr. Mehr noch: Sie gönnen den beiden Erstplatzierten den Sieg. Michael Wittkowski sagt dazu: "Das Meldorfer Kino ist noch eine Stufe kleiner als unseres. Und hinter dem Bordesholmer Kino steht ein Verein als Betreiber. Es ist richtig, diese ehrenamtliche Arbeit zu honorieren." Die Urkunde und den 2500-Euro-Scheck, der damit verbunden war, erhielten die Kappelner übrigens von Kulturministerin Anke Spoorendonk, die ihnen damit zu ihrem "hervorragenden Jahresprogramm 2012" gratulierte.

Carmen Schrief und Michael Wittkowski erinnern sich derweil an ihre ganz persönlichen herausragenden Kinomomente des vergangenen Jahres. Wittkowski zählt dazu etwa die Teilnahme am Naturfilmfestival "Green Screen" ("Da hatten wir eine wirklich gute Resonanz."), den Dokumentarfilm "Bingo - Toletzt entscheed jümmers dat Glück" ("Wann erlebt man schon mal Plattdeutsch auf der großen Leinwand?") oder den elfstündigen "Twilight"-Marathon, als alle fünf Teile der US-Film-Reihe hintereinander liefen. Anlässlich dieses Ereignisses hatten sich Schrief und Wittkowski noch etwas Besonderes für ihre Gäste ausgedacht, um ihnen durch den langen "Twilight"-Tag hindurch zu helfen. Schrief: "Wir dachten, dass unsere Kunden bestimmt irgendwann Hunger bekommen. Also haben wir in unserer Privatwohnung Würstchen aufgewärmt und Nudelsalat selber gemacht." Ein unkonventioneller Kino-Imbiss, der ankam. Genauso individuell und bemerkenswert wie die beiden Macher dahinter. Schrief: "Es hat allen Spaß gemacht, gerade weil es etwas vollkommen anderes war."

Während Förder- und Preisgelder im vergangenen Jahr in die technische Ausstattung des "Capitols" geflossen sind, wollen die Kappelner die 2500 Euro aus diesem Jahr sparen. Sie sollen der Grundstock einer Summe sein, mit der sie vielleicht im übernächsten Jahr das Innere ihres Kinosaals auffrischen wollen: neue Sessel, neue Auslegeware. Und eventuell bleibt ja noch ein kleiner Betrag übrig. Den könnten Carmen Schrief und Michael Wittkowski in einen zweiten Schaukasten investieren. Denn bis zum übernächsten Jahr gibt es noch zwei weitere Kinopreise zu gewinnen.

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