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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Vielen stinkt die Biotonne

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Verbraucher im Kreis Rendsburg-Eckernförde wehren sich gegen den Zwang zum braunen Behälter.

Die Einführung der Biotonne ab 2015 schlägt hohe Wellen. Obwohl inzwischen fast alle Grundstücke im Kreis von der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) mit den braunen Behältern ausgestattet wurden, sind viele Bürger offenbar nicht mit der neuen Pflicht einverstanden, eine weitere Tonne zu halten. Hintergrund ist eine Gebührenanpassung ab dem kommenden Jahr, obwohl davon vorher keine Rede war.

Die AWR schlägt dem Umwelt- und Bauausschuss in seiner heutigen Sitzung vor, die Grundpauschale für den Restabfall um 2,50 Euro auf 5,90 Euro monatlich zu erhöhen. Gleichzeitig soll die Gebühr für die 120-Liter-Biotonne von ebenfalls 2,50 Euro wegfallen (wir berichteten). Viele Bürger reagierten mit Unverständnis darauf und wandten sich an unsere Zeitung. Dabei kam heraus, dass viele grundsätzlich nicht mit dem Zwang zur Biotonne einverstanden sind.

„Soll ich mir jetzt noch eine Tonne hinstellen, die ich nicht brauche?“, fragte etwa Hermann Rönnfeldt aus Büdelsdorf. Er sieht in der Gebührenanpassung eine Erhöhung, denn er will keine Biotonne haben und hat deshalb auch schon einen Antrag auf Befreiung von der Pflicht gestellt. Er fühlt sich von der Verlagerung der Bio-Gebühr in die Grundpauschale unter Druck gesetzt, doch noch eine braune Tonne zu nehmen. Mehr Müllgebühren muss er dann dennoch zahlen – ob mit oder ohne Biotonne beträgt die Grundgebühr ab 2015 insgesamt 70,80 Euro im Jahr – bisher sind es 40,80 Euro.

Darüber ärgert sich auch ein Landwirt aus der Nähe Rendsburgs, der nicht namentlich genannt werden möchte. Für ihn bedeute das Vorhaben eine Erhöhung seiner Müllgebühren um 50 Prozent. Für seinen Ein-Personen-Haushalt mit vierwöchiger Leerung der 40-Liter-Restmülltonne komme er auf 60 Euro jährlich. Ab 2015 sind es jedoch 30 Euro mehr für die Grundpauschale, dann muss er 90 Euro bezahlen. „Dabei spielt es keine Rolle, ob ich eine Biotonne habe oder nicht. Das halte ich nicht für gerechtfertigt“, sagte er. Er sei Landwirt, habe einen Misthaufen auf dem Hof und brauche deshalb keine Biotonne. „Es geht mir nicht um die zusätzlichen 30 Euro, sondern darum, etwas zu bezahlen, was ich nicht brauche.“

Eine AWR-Kundin aus Lütjenwestedt möchte ebenfalls nicht erkannt werden. Sie sagte: „Die Biotonne ist das Thema Nummer eins im Dorf.“ Auch sie sei nicht zufrieden, obwohl die AWR sie von der Pflicht befreit habe, müsse sie nun dennoch mehr bezahlen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der AWR, Hans-Jörg Lüth (SPD), will die Gebührenanpassung nach wie vor nicht als Strafe verstanden wissen. Sie sei eher ein Anreiz, mehr verwertbare Abfälle in die Biotonne zu geben. Denn wer weniger Müll in die Restabfalltonne werfe, könne einen kleineren Behälter oder einen längeren Abholzyklus wählen. Den Zwang zum braunen Behälter erklärt er so: „Genau wie bei dem Anschluss an die Kanalisation müssen alle Anlieger für die Leistung, das Vorhalten einer öffentlichen Einrichtung, zahlen.“ Jeder trage einen Teil der Gesamtleistung. Wer zum Beispiel nie Sperrmüll oder eben keine Biotonne habe, zahle für andere mit. Städter wiederum zahlten durch identische Pauschalen die höheren Fahrtkosten auf die Dörfer mit. „Eine absolute Gerechtigkeit gibt es leider nicht.“

Laut AWR-Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt sind derzeit etwa 93 Prozent der 86.500 Grundstücke mit einer Biotonne ausgestattet. Vor der Ankündigung, dass die Tonne zur Pflicht wird, waren es rund 50 Prozent.


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erstellt am 23.Okt.2014 | 12:30 Uhr

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