Viele Bedenken gegen Windpark

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Reges Interesse am Infostand von Arbeitsgemeinschaft / Forderung nach größeren Abständen zu Wohngebäuden

shz.de von
24. Juni 2014, 16:09 Uhr

In Rieseby soll ein Windpark entstehen. Das hätte erhebliche Auswirkungen auf das Leben und die Landschaft. Auch wenn der Windpark auf Riesebyer Gemeindegebiet entstehen würde, die negative Auswirkungen dadurch würden sich auf Bürger Holzdorfs konzentrieren, so die Befürchtungen einer Arbeitsgemeinschaft Windpark Schwansen. Sie fordern mehr Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten und klärten kürzlich mit einem Infostand in Rieseby über Nebenwirkungen der geplanten Windkraftanlagen auf.

„Es kann nicht sein, dass die Gemeinde Rieseby hier einen Park hinstellt, und die Holzdorfer leiden darunter“, beklagte sich Ina Rambke von der AG. „Wir sind schockiert über die Vorgehensweise, als unmittelbar betroffenen Nachbargemeinde wurden wir nur auf Nachfrage häppchenweise informiert“, kritisierte Dr. Elke Saggau aus Moorbrücke. Ihre Familie sei von den geplanten 200 Meter hohen Windkraftanlagen unmittelbar betroffen. „Hier wird gegen die Menschen geplant, das Geld scheint viel wichtiger als unberührte Natur und die Gesundheit der Menschen zu sein. Ich bin für Windkraft, aber bitte am richtigen Ort. Warum gehe man in ein sensibles Gebiet und beteilige die unmittelbaren Anlieger nicht, fragte Saggau. Was sei mit dem Repowering im vereinfachten Verfahren, wenn der Windpark erweitert werde? Wie sehe ein Gesamtkonzept aus? Hier müssten die Karten auf den Tisch. Und vor allem: Wo sei das öffentliche Interesse, fragte sie.

Fragen über Fragen, die an diesem Vormittag vehement diskutiert wurden. Viele Riesebyer hätten bislang kaum Notiz von dem Vorhaben genommen und seien über die Dimension der Anlagen erstaunt, hieß es am Infostand. Die Belastungen würden mit dem Baustart beginnen. Und das täglich. Olaf Sass wohnt in Hohenlieth nahe einer Windkraftanlage. „Zu nahe“ wie er beklagte. „Dort stehen sechs Anlagen, drei in der Nähe von unserem Haus.“ Nicht einmal 600 Meter beträgt der Abstand zur nächsten Windmühle. „Unser Eindruck: Die Dinger sind laut und zu nahe dran. Die zweite Reihe in 800 Meter Entfernung wirkt bei uns im Haus viel leiser. Das macht einen gewaltigen Unterschied.“ Hohenlieth mit vereinzelt stehenden Häusern gelte als Splittersiedlung, dort seien höhere Grenzwerte als in zentraler Ortslage erlaubt, hieß es. „Warum müssen Menschen dort aber mehr abkönnen, als die in der geschlossenen Ortschaft“, fragte Ina Rambke. Susanne Kirchhoff wäre für den zehnfachen Abstand zum nächsten bewohnten Objekt, gemessen an der Turmhöhe. „Besser wären noch 1,5 Kilometer.“ Ingo Sass: „Auch in 1,5 Kilometern Entfernung hört man die Windräder noch.“ Bei den großen Anlagen stünden besonders die extrem tiefen Frequenzen deutlich unter 20 Hertz für Nebenwirkungen. Diese Frequenzen würden nicht mehr mit den Ohren, sondern als Vibrationen mit dem ganzen Körper wahrgenommen, ähnlich dem Zittern eines Massagekissens, nur viel langsamer, so Sass.

Auch Riesebys Bürgermeister Jens Kolls kam vorbei. Er stellte fest: „Ich versuche mich neutral zu verhalten. Ich muss für beide Seiten offen sein. Und Gegner hat man überall.“ Aus Sicht von Susanne Kirchhoff spalte so ein Projekt Dorf- und Gemeindegemeinschaften. „Wir sind keine Atomkraft-Befürworter, sondern für eine Umsetzung mit Augenmaß. Wir wünschen uns kompetente Ansprechpartner. Bisher fühlt sich niemand zuständig.“. Unterstützung bekam Kirchhoff vom Riesebyer Gemeindevertreter Hartmut Schmidt. „Es gibt zu viel Strom am Markt, und wir haben immer noch kein dezentrales Stromnetz. Vorhandene Leitungen reichen nicht aus“. Es müsse feststehen, wann und wo die 3 Millionen Euro teure Einspeisestation gebaut werde. „Ich stelle mich der Sache“, sagte Grundeigentümer Bernd Hoff-Hoffmeyer-Zlotnik am Stand. „Ich spüre aber bisher wenig Gegenwind“. Wenn Windpark, dann richtig sei seine Ansicht, zumal die Flächen ja dafür ausgewiesen wurden, dann müsse man sie auch richtig nutzen.

Bei aller Kritik am Vorhaben betonte Sylvia Green-Meschke als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, dass man keinen Unfrieden wolle. Sie seien keine militanten Windkraft-Gegner. Menschen und Natur sollten im Einklang leben. Doch das gehe nur nur ohne Infraschall und Schlagschatten, so ihre Überzeugung.

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