Sandkoppel-Kaserne : Verwaiste Kaserne soll wohnlich werden

Einige Bunkeranlagen der ehemaligen Kaserne Sandkoppel will Eigentümer Norbert Essing den Fledermäusen überlassen.
Einige Bunkeranlagen der ehemaligen Kaserne Sandkoppel will Eigentümer Norbert Essing den Fledermäusen überlassen.

Norbert Essing, Neueigentümer der früheren Sandkoppel-Kaserne, ist über den Zustand seines Besitzes entsetzt.

shz.de von
22. Juli 2014, 07:30 Uhr

Die rostigen Reste einer Tanksäule muten längst wie ein Kunstwerk an. Auf großen Asphaltflächen liegen Äste und Kiefernzapfen. Überall wuchert an den Rändern undefinierbares Gestrüpp. Im Mauerwerk der Häuser zeigen sich Risse, weil in kalten Wintertagen der Frost dem eingedrungenen Wasser Sprengkraft verliehen hat. Am auffälligsten jedoch sind die an fast allen Häuserfronten zerborstenen Fensterscheiben: Glassplitter an Glassplitter. Die Türen zu den ehemaligen Mannschaftsgebäuden, zum Küchentrakt und den Garagen sind aufgebrochen. „Hier haben die Vandalen gehaust“, sagt Norbert Essing, der neue Eigentümer des sechs Hektar großen Geländes der Niebyer Sandkoppel. Da hat es wenig genützt, dass ein hoher Zaun samt verschlossenem Eingangstor der verwaisten Ex-Kaserne ungebetene Gäste fernhalten sollte. In den Gebäuden sind etliche Spuren von Brandstellen zu sehen. Auf Fluren liegen noch Disketten herum. Ein alter Kühlschrank ist von den Soldaten zurückgelassen worden, und in einem Raum stapelt sich der Müll, als ob dort gerade erst ein Mietnomade ausgezogen wäre.

„Über diesen Zustand kann man nur den Kopf schütteln“, sagt Essing. Der Begriff „Schandfleck“ passt seiner Ansicht nach am besten. In einem Teil des Außenbereichs hat sich ein kleiner Wald entwickelt, der einzige Lichtblick auf dieser Bundeswehr-Brache. Hier, am Rande der Geltinger Birk, war von 1969 bis 1995 die Marinefernmeldegruppe 31 stationiert. Sie hatte die Aufgabe, den Funkverkehr auf der westlichen Ostsee zu überwachen und rechtzeitig zu warnen, falls potenziell feindliche Verbände aus dem kommunistischen Osteuropa im Anmarsch gewesen wären. Sechs Bunker dienten den Soldaten als Zuflucht im Falle eines Angriffs. Die künstlichen Höhlen gehören bis heute zur überwiegend traurigen Hinterlassenschaft der Bundeswehr. „Ich werde nicht alle zuschütten lassen, denn dort können sich Fledermäuse ansiedeln“, sagt der Investor des geplanten Ostsee-Feriendorfs Geltinger Birk.

Bei einem Rundgang durch das Gelände laufen uns drei Rehe und zwei Kaninchen über den Weg. An einer Stelle zeigt Essing frische Buddel-Spuren von Wildschweinen. Auch sie haben dort bislang ein ideales Rückzugsgebiet gefunden.

Mit einem hohen Kostenaufwand soll die Sandkoppel nach rund 20 Jahren in ein kleines Paradies verwandelt werden: ein Domizil mit 200 Betten für Feriengäste. Zuvor ist eine weitreichende Entsiegelung erforderlich. Die über 10 000 Quadratmeter große Asphaltfläche wird beseitigt. Alle sechs Gebäude verschwinden. Die Ziegelsteine sollen vor Ort geschreddert werden, so dass dieses Material der Befestigung von Wegen dienen kann. Zur Erneuerung der Infrastruktur zählt die Abwasserentsorgung. Unter Umständen wird außerdem ein Regenrückhaltebecken angelegt. Wichtig bei alledem: Die Wege im künftigen Feriendorf sollen mit den vorhandenen Wanderwegen auf der Birk vernetzt werden. Einen direkten Zugang zum Meer kann es nicht geben, weil an der Ostseite hinter einem Wall gleich das neue Vernässungsgebiet der Birk beginnt.

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