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Türkengilde : Versprechen gebrochen – Gilde ist sauer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Eigentlich sollte der „Garibaldi“-Dieb vom Vorjahr den Bollerwagen des Maskottchens reparieren – bislang ist allerdings nichts passiert.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2013 | 07:30 Uhr

Die Mitglieder der 1667 gegründeten Kappelner Türkengilde werden wieder aktiv. Deutliches Indiz dafür war der am Tag nach Weihnachten an der Fassade des Restaurants „Cameo“ im Kappelner Nordhafen hochgezogene hölzerne Türke „Garibaldi“, das Maskottchen der Junge-Leute Gilde zu Kappeln. Wie immer seit 346 Jahren begann der Tag nach Weihnachten für die Gildebrüder mit dem vormittäglichen Antreten zum „Türken-Trecken“. Das fand diesmal nicht am derzeit wegen Renovierung geschlossenen ASC-Restaurant statt, sondern am „Cameo“. Dort fehlte allerdings die Fahnenstange für „Garibaldi“. Die 14 anwesenden Gildebrüder behalfen sich damit, ihr Maskottchen unter Absingen des Gildeliedes aus dem ersten Stock abzuseilen.

Nach einer kurzen Aufwärmphase und dem Marsch mit Gesang durch Kappeln, ging es per Taxi nach Maasholm. Dort wurde der bisherige Gildewirt Arne Raub in seinem neuen Restaurant besucht. Anschließend durften die Gildebrüder sich der Ruhe hingeben, um sich auf die am gleichen Abend stattfindende Gildeversammlung vorzubereiten.

Dazu konnte der erste Ältermann Lars Burger (31) 16 aktive und zehn passive Gildebrüder begrüßen. Pünktlich um 20 Uhr öffnete er die Gildelade und legte sich die darin befindliche Gildekette angelegt um. Damit war die Versammlung traditionell eröffnet, und die drei Älterleute Lars Burger, Claudius Callsen und Jan Becker übernahmen die Regie. Sie durften sogar Strafen verhängen, und das wurde reichlich genutzt. Dazwischenreden, falsches Singen, sich unerlaubt aus dem Raum entfernen oder den Fez nicht beim Singen oder Reden aufsetzen – alles wurde in der teilweise turbulenten Sitzung bestraft. Und der für diesen Abend ausgewählte Strafgeldeintreiber Christian Raub bekam viel zu tun.

Allerdings war die Gildekasse bereits zuvor gut gefüllt. Wie Kassenprüfer Florian Funke ausführte, liegt der derzeitige Kassenstand bei rund 1560 Euro. Dennoch löste der Bericht, wegen nicht gezahlter Mitgliedsbeiträge von 750 Euro eine längere Diskussion darüber aus, wie mit den säumigen Gildebrüdern zu verfahren sei. Ein Exempel wurde auch sofort statuiert. Ein Gildebruder wurde wegen ausstehender Mitgliedsbeiträge von 250 Euro einstimmig aus der Gilde ausgeschlossen.

In seinem ersten Jahresbericht erinnerte der erste Ältermann Lars Burger an den Diebstahl von „Garibaldi“ beim Türkentrecken 2012 während des Umzugs. Die „Täter“ stellten sich noch am gleichen Abend der Versammlung. Der Vorstand akzeptierte auch das geforderte „Lösegeld“ und erhielt im Gegenzug von einem „Täter“ das Versprechen, den defekten Bollerwagen der Gilde, das Transportfahrzeug für „Garibaldi“, zu reparieren. „Das ist nicht geschehen“, sagte Burger. Deshalb fühlten sich die Anwesenden düpiert und verlangten, dass der Wagen in Eigenleistung repariert wird. Lars Burger will das mit dem Betreffenden einvernehmlich regeln. Im kommenden Jahr wird die Gilde ihre „Türkenmaskerade am Sonnabend, 1. Februar, in der „Alten Eule“ feiern. Mit Blick auf die Fußball-WM in Brasilien wurde das Motto „Kappeln goes Brazil“ gewählt. Lars Burger forderte die Anwesenden auf, sich an den Vorbereitungsarbeiten zu beteiligen. Die sollen am 19. Januar beginnen. Neu aufgenommen in die Gilde wurden Eric Wald (22) aus Stutebüll und Jan Martensen (22) aus Kappeln. Kurz vor Mitternacht wurde noch über das neue Gildelokal abgestimmt. Dabei setzte sich das ASC-Restaurant mehrheitlich durch.

Bevor Lars Burger seine erste verantwortlich geleitete Mitgliederversammlung beenden konnte, kam es doch noch zum Eklat. Denn Gildebruder Florian Föh erschien mit dem Maskottchen „Garibaldi“ und erklärte, dass er ihn von einem gewissen Hugo erhalten und dafür 50 Euro Lösegeld gezahlt habe. Niemand der Anwesenden konnte allerdings so recht verstehen, wann und wie „Garibaldi“ gestohlen worden war, und auch „Hugo“ kam niemandem bekannt vor, obwohl Florian Föh ein Foto vorlegte. In der folgenden Diskussion kam heraus, dass „Garibaldi“ in der „Palette“ gefunden worden war. Dort hatten die Gildebrüder bei ihrem Umzug durch die Stadt Pause gemacht. Unerklärlich blieb, wie das Maskottchen entführt werden konnte, denn das Restaurant war abgeschlossen. Auch der eilends herbeigerufene „Palette“-Wirt Hans-Peter Scholz konnte nicht zur Auflösung beitragen. Angesichts der ungeklärten Situation entschieden die Anwesenden, dem Lösegeldzahler die Kosten aus der Gildekasse zu erstatten.

Die Gildebrüder Niklas Itzke und Ralf Bengelstorf boten in diesem Zusammenhang an, das Gildemaskottchen künftig bei Umzügen zu bewachen. Allerdings warnten sie vor „übermannsgroßen Löwen“ die gelegentlich aufgetaucht sein sollen und nur unter Verlust des „Garibaldi“ abgewehrt werden konnten. Danach war der Weg frei für das bis zum Morgen dauernde gemütliche Beisammensein.

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