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Gelting sucht Gasteltern : Verein hilft 320 Tschernobyl-Kindern

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Seit 25 Jahren holt die Geltinger Arbeitsgruppe Jungen und Mädchen aus Weißrussland zur Erholung nach Ostangeln.

„Auf ein Neues!“ – so lautet die Devise der humanitär agierenden Geltinger Arbeitsgruppe der Initiative „Kinder von Tschernobyl“. Seit 1990 hat der Ostangler Verein in jedem Sommer jungen Weißrussen Erholung und Kurzweil möglich gemacht. In diesem Jahr begehen die Initiatoren ein stolzes Jubiläum der guten Taten. „Vier Jahre nach dem Supergau im ukrainischen Atomkraftwerk haben wir mit unserer Hilfsaktion zum Wohle der strahlengeschädigten Jungen und Mädchen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren begonnen“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Klaus Bösselmann an die Anfänge. Den Startschuss als Sponsor gab der in Wackerballig ansässige Geltinger Yachtclub, dem Bösselmann damals vorstand.

Rund 320 Kinder und Jugendliche wurden seither von den Geltingern unter die Fittiche genommen. Längst hat sich zu den Behördenvertretern und den Eltern der „Deutschlandfahrer“ in der weißrussischen Stadt Kalinkowitschi und aus deren Umland ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Sie wissen, dass ihre gesundheitlich beeinträchtigten Kinder, die meist aus sozial bedürftigen Familien stammen, jeweils vier Wochen in gute Hände gegeben werden. Als ein Geltinger Markenzeichen gilt nach wie vor die Maßnahme, jeweils die Tschernobyl-Kinder und ihre Angehörigen vor Ort zu besuchen und die Gruppe abzuholen.

Die Arbeitsgruppe kann sich seit einem Vierteljahrhundert auf die finanzielle Unterstützung von Sponsoren verlassen. Die letztjährigen Kosten pro Kind lagen bei 650 Euro. Hinzu kamen viele Sachleistungen von Organisationen, die den jungen Weißrussen ein buntes Freizeitprogramm bieten. Zu den jährlichen Höhepunkten zählt ein großes Konzert in der Geltinger Kirche, bei dem auch die Gastkinder auftreten. Der Erlös der Veranstaltung wird dringend benötigt, zum Beispiel auch dann, wenn es zum beliebten „Schuh-Shopping“ in Kappeln geht.

„Unsere ganze Arbeit ist abhängig von der Anzahl der Gasteltern“, erklärt der Geltinger Artur Lenhart, Kassenwart, Russisch-Dolmetscher und Leiter des Abholerteams. Zum Jubiläum wünscht er sich, dass der im Jahr 2003 aufgestellte Rekord von 18 betreuten Kindern zumindest egalisiert wird. Bislang haben zwei Familien aus Stangheck und Kappeln ihr Interesse an der Aufnahme von je zwei Kindern bekundet. Der Winnemarker Frank Hylsky, Bösselmanns Stellvertreter, zählte vor Jahren selbst zu den Gastgebern. „Ich schloss mich dem Verein an, weil ich weiß, dass hier das eingesetzte Hilfsgeld direkt bei den Bedürftigen ankommt.“

Auch die Vorstandsmitglieder Anja Borowski aus Gelting und Anja Alms aus Kappeln-Stutebüll hoffen, dass sich jetzt viele Gasteltern, vor allem aus Angeln und Nord-Schwansen, melden. Spätestens Ende Februar will der Vorstand Klarheit darüber haben, wie viele Quartiere für die jungen Weißrussen vom 6. Juni bis 5. Juli 2015 zur Verfügung gestellt werden können. Denn schon Ende März verlangt die Verwaltung in Kalinkowitschi die Zahl der verfügbaren Plätze. Bösselmann weist darauf hin: „Nach Einschätzung weißrussischer Ärzte werden die gesundheitlichen Nachwirkungen des Unglücks auf die Menschen noch 300 Jahre fortdauern.“


>Kontakt: Tel. 0  46  42  /  92  23  93

 

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