zur Navigation springen

Hochwasserschutz in Gelting : Verband bootet Bürgermeister aus

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Erstmals wird ein Geltinger Dorfoberhaupt nicht in den Ausschuss des Wasser- und Bodenverbandes gewählt. Uwe Linde unterliegt Gegnern der Polderlösung.

Eine bittere Schlappe musste der Geltinger Bürgermeister Uwe Linde anlässlich der Mitgliederversammlung des Wasser- und Bodenverbandes (WBV) Geltinger-Stenderuper Au hinnehmen: Bei der Wahl für elf Sitze in den Verbandsausschuss verfehlte er in vier Durchgängen jeweils die Stimmenmehrheit. Damit ist erstmals der Geltinger Bürgermeister nicht in dem die Aktivitäten des Verbandes mitbestimmenden Gremium vertreten.

Zunächst zog Linde in einem „Stechen“ den Kürzeren gegen den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft (IG) Überschwemmungsgebiet Gelting und Umgebung, Peter Buchholz, mit 66 gegen 87 Stimmen, beim Ringen um Platz zwei verlor er mit 68 gegen 78 Stimmen gegen den IG-Vertreter Cord Petersen. Auf die Kandidatur eines dritten Ausschussmitglieds verzichtete Uwe Linde.

Der als Wahlleiter fungierende Ralf Petersen von der Unteren Wasserbehörde des Kreises merkte an: „Ich habe so etwas noch nicht erlebt, es hat heftig geknirscht.“ In der Tat: Allein der erste Wahlgang hatte fast 40 Minuten gedauert. Die Stimmzettel mussten erst maßgerecht zurechtgestutzt werden, und dann zählte der Wahlausschuss bei ausgeteilten 160 Wahlzetteln 165 Stimmabgaben. Dazu Petersen: Einige Wähler hatten ihre Zettel mit der Hand halbiert und ihr Votum zweimal abgegeben.

Gemeindevertreter Peter Suder, der dem Verbandsvorstand angehört, bemängelte scharf das Verhalten derjenigen, die seiner Ansicht nach dazu beigetragen hatten, dass nun die Kommune als wichtiger Mitfinanzierer des Hochwasserschutzes ohne ihr Oberhaupt im Ausschuss vertreten ist. Das sei ein Unding, so Suder.

„Für Gelting war das ein schlechter Tag“, sagte Bürgermeister Linde. Er ärgert sich darüber, dass die Gegner der Polderlösung offenbar im großen Stil ihre Anhänger aktivierten. Es hätten viele abgestimmt, die nicht Mitglied im WBV seien, so Linde, und auch nicht genau wüssten, was sie tun. In der Versammlung seien mehr als 60 Stimmen per Vollmacht abgegeben worden – ein bisher nicht gekannter Wert. Laut Satzung sei dies aber zulässig und daher habe man dies zu akzeptieren, sagte Linde. „Wir leben schließlich in einer Demokratie.“

Linde fürchtet jedoch, dass der unlängst gefasste Beschluss für die Polderlösung nun wieder gekippt werden könnte. „Ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die das verzögert haben, wenn etwas passiert.“

Als weitere Mitglieder in den Verbandsausschuss gewählt wurden Dr. Nis Lorenzen und Peter Jürgen Martens für den Bezirk Rabenholz, Bürgermeister Hans-Heinrich Franke und Ernst Wilhelm Greggersen (für Hasselberg), Harald Kluge und Frank-Peter Petersen-Kröger (für Stenderup), Lorenz Larsen für Freienwill-Bosiek sowie Bernd Reimann (für Nadelhöft).

Zu Beginn der Versammlung im überfüllten Saal des Gasthofs Gelting hatte Verbandsvorsteher Hans Asmus Martensen aus Rabenholz unter anderem über neue bauliche Verbesserungen auf Schöpfwerk Grahlenstein berichtet. Die Pegelstände der Ostsee und des Entwässerungskanals werden dort ständig kontrolliert und bei Bedarf per Fernsteuerung mit Handy die „Schotten dichtgemacht“.

Obwohl sich die Befürworter der Kanallösung (Bypass um Gelting herum) immer noch Hoffnung machen, scheint der Zug des Wasser- und Bodenverbandes in Richtung „Polderlösung“ abgefahren zu sein. Projektplaner Burkhart Grube vom Elmshorner Ingenieurbüro Reese-Wulff erläuterte, dass die Vermessungen der Eindeichfläche und die Bodenuntersuchungen abgeschlossen seien. Der Polder mit einem Fassungsvermögen von 200  000 Kubikmeter Regenwasser werde mit 3,10 Meter über Normalnull liegenden Wällen ausgestattet. Mergel und Lehm für den Deichbau sei in bester Qualität vor Ort vorhanden. Die Polderfäche soll im Normalfall als Weideland genutzt werden. Wenn der weitere Genehmigungsweg schnell vonstatten gehe, sei mit dem Baubeginn „vielleicht noch in diesem Jahr“ zu rechnen.

Allerdings müssen noch Grundstückskäufe erfolgen. „Bei etwaigen Enteignungsverfahren könnte das Ganze schlimmstenfalls noch Jahre dauern“ , räumte Grube ein.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 11:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen