zur Navigation springen

Kappeln : Vandalismus: Stadt schließt Toiletten

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Liste der Beschädigungen ist lang: Herausgerissene Waschbecken, eingetretene Türen sowie Schmierereien an Spiegeln und Fliesen.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2015 | 08:00 Uhr

Jörg Exner findet deutliche Worte für seine Kollegin: „Frau Schwarz hat hier mit Abstand den beschissensten Job. Und ich kann das auch ganz doll mitfühlen.“ Was der Büroleitende Beamte im Rathaus so drastisch formuliert, untermauern mehr als eine Handvoll Bilder, die Birgit Schwarz, zuständig für städtische Liegenschaften, unter anderem selber gemacht hat. Sie zeigen die öffentlichen Toilettenanlagen am Hafen, am Zob, am Rathaus – und zwar in einem absolut beklagenswerten Zustand. Unbekannte haben die Anlagen zerstört und verschmiert und das immer wieder. In der jüngsten Zeit haben die Vorfälle so zugenommen, dass sich die Verwaltung gezwungen sieht, einen ebenso drastischen Schritt zu tun: Ab sofort sind die öffentlichen Toiletten am Zob auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Dabei ist das Thema Vandalismus kein neues, Schäden traten auch in der Vergangenheit immer mal wieder auf. „Aber jetzt haben wir praktisch einen Wochentakt erreicht“, sagt Jörg Exner. „Die Grenze des Erträglichen ist längst überschritten.“ Und Birgit Schwarz ist diejenige, auf deren Schreibtisch die Schadensfälle regelmäßig landen – und die zeugen von großer gewalttätiger Energie: Schmierereien an Spiegeln und Fliesen, herausgerissene Waschbecken, eingetretene Türen, zerstörte Papierrollenhalter aus Edelstahl, verstopfte Abflüsse, Brandstiftung – Schwarz’ Liste ist lang. Besonders kritisch ist die Lage am Zob, und die Verwaltungsmitarbeiterin hat auch eine Vermutung, weshalb. „Die Toiletten befinden sich außerhalb jeder Sichtbarkeit“, sagt sie.

Erst Mitte März haben Unbekannte dort mit schwarzer Farbe Wände und Spiegel beschmiert, vor wenigen Tagen die Rollenhalter zertreten und im Waschbecken gezündelt. Ende Januar wurde das WC am Rathaus mit Feuerwerkskörpern gesprengt, Fäkalien verteilten sich bis an die Decke. In diesem Fall musste eine Spezialfirma anrücken, um die Reinigung vorzunehmen. Und auch für die stadteigene Reinigungskraft ist die Situation unzumutbar, nach Schwarz’ Worten traue sich die Mitarbeiterin inzwischen nicht mehr alleine in die Toilettenanlagen.

In der Vergangenheit hat man bereits versucht, der Sache mittels einer Zeitschaltuhr Herr zu werden, die die Toiletten nachts automatisch verschließt – erfolglos, wie sich Jörg Exner erinnert. „Dann wurde einfach ein Kieselstein in den Türrahmen gelegt, und die Tür fiel nicht ins Schloss“, sagt er. Der Gedanke einer Überwachungskamera für den Außenbereich musste aus Datenschutzgründen wieder verworfen werden, der einer Wach- und Schließgesellschaft aus Kostengründen ebenfalls. Die Konsequenz ist vielmehr eine andere: Künftig sind die Toiletten am Zob für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich und das zunächst auf unbestimmte Zeit. Für die Stadt ist das die notwendige, aber zugleich schlechteste Variante, da der Beginn der Urlaubssaison unmittelbar bevorsteht. Birgit Schwarz sagt: „Es gibt Menschen, die darauf angewiesen sind.“ Denn tatsächlich ist wohl auch eine gut funktionierende und saubere öffentliche Toilette für Tagestouristen ein wichtiges Element.

Zumindest am Zob werden die Urlauber und alle anderen keine Möglichkeit mehr haben, sich zu erleichtern. Und Jörg Exner prophezeit den nächsten Schritt: „Es muss auch politisch diskutiert werden, ob diese Toilettenanlage auf Dauer zu halten ist.“

 

> Wer an den öffentlichen Toilettenanlagen Verdächtiges beobachtet hat oder Hinweise auf mögliche Täter geben kann, wird gebeten, das Polizeirevier Kappeln, Tel. 0  46  42  /  9  65  59  01, zu kontaktieren.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen