Kaputte Strassen : Unterwegs zwischen Löchern und Spurrinnen

Mitten in der Theodor-Storm-Straße klafft ein großes Loch.
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Mitten in der Theodor-Storm-Straße klafft ein großes Loch.

Ortstermin auf Kappelns Straßen: Das Bauamt führte sanierungsbedürftige Stellen vor.

Rebecca_Nordmann-7304.jpg von
30. Juli 2014, 12:30 Uhr

Im Winter mussten noch Fotos ausreichen, am Montagnachmittag konnten sich die Politiker nun selber ein Bild machen: Im Fokus stand der Zustand der städtischen Straßen und die in einigen Fällen zwingend erforderliche Sanierung. Norbert Leukert, in der Stadtverwaltung für den Tiefbau zuständig, und Bauamtsleiter Erich Reuter sammelten die ein, die interessiert waren – dazu zählten Lars Braack (SPD), Friedrich-Wilhelm Federlin (Grüne), Axel Langkowski, Matthias Mau, Volker Ramge (alle CDU) und Harald Stührwoldt (SSW) –, fuhren mit ihnen an ausgewählte Stationen und präsentierten das teils mehr als marode Ausmaß mancher Straßenzüge. Und ganz nebenbei schien der Aspekt, dass die Verwaltung so auf mehr Verständnis bauen könnte, sollte das Thema wieder auf der Tagesordnung eines Ausschusses landen, nicht ganz ungewollt.

Erster Stopp in Mehlby: Norbert Leukert macht auf einen kombinierten Fuß-Radweg aufmerksam, der schon mehrfach aufgerissen und geschlossen wurde, dadurch spürbare Senken aufweist. Günstiger Kaltasphalt, der in einem Dünnschichtverfahren aufgetragen wird, könnte die Senken ausgleichen. Das Problem: Die Oberfläche bleibt rau, wenn sie nicht häufig genug belastet wird. Außerdem, so Leukert, sei Asphalt schlechter zu sanieren als eine neue Pflasterung. „Eine Pflasterung ist zwar teurer, aber immer wieder gut herstellbar“, erklärt der Fachmann.

Die Teufelsbrücke im Hüholz ist die nächste Station. „Eigentlich“, sagt Leukert, „müssten wir hier jährlich eine statische Prüfung ansetzen“. Leukert spricht von einem Brückenbuch, das alle Brücken der Stadt umfasst und jährlich 2500 Euro kosten würde. Die Träger der Teufelsbrücke sind bereits mit Natursteinen verstärkt worden, der Anstieg hat zusätzlichen Halt durch Geo-Gitter erhalten.

Der Fahrbahnteiler in der Holtenauer Straße offenbart sich derweil als akutes Problem. „Wenn sich hier nichts ändert, müssen wir die Straße nächstes Jahr sperren“, prognostiziert Leukert. Dort, wo sich jetzt die Verkehrsinsel befindet, verlief früher die Straße. Jetzt verläuft sie rechts und links der Insel – früher parkten dort Autos, entsprechend wenig hält der Belag aus. Die Spurrinnen sind inzwischen dermaßen tief, dass auf dem erhöhten Streifen in der Mitte immer wieder Autos aufsetzen.

In der Theodor-Storm-Straße klafft indes auf einer Fahrbahnseite ein großes Loch. „Untergrund und Kanal sind in Ordnung“, sagt Norbert Leukert. Schuld ist nur die Zeit.

Schließlich der Bereich am Hafen: Der Schwerlastverkehr hat einer üppigen Fläche stark zugesetzt. Leukert sagt: „Das fällt uns bald alles auseinander.“ Lässt man den Bereich für teures Geld neu ausbauen, verspricht sich die Verwaltung eine höhere Lebensdauer – allerdings wären für diesen Ausbau die Anlieger finanziell mit zu belasten. „Wenn wir den Bereich aber nur flicken, sieht es nächstes Jahr wieder genauso aus“, glaubt Leukert.

Am Weidefelder Strand nimmt die kleine Reisegruppe noch den Parkplatz in Augenschein. Zum Jahresanfang hatte man 20 000 Euro bewilligt, um dort Risse zu sanieren und Markierungen zu erneuern.

Am Ende des knapp zweistündigen Ausflugs bleibt die Erkenntnis, dass der Satz, den Bauamtsleiter Erich Reuter im Winter angesichts der Fotos geäußert hatte, nach dem Ortstermin vermutlich mehr Gültigkeit hat denn je: „Die vorhandenen Mittel und der tatsächliche Bedarf klaffen weit auseinander.“ Mindestens so sehr wie das Loch in der Theodor-Storm-Straße.

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