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Volkstrauertag : Unter dem Eindruck von Paris

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Gestrige Gedenkfeiern zum Volkstrauertag standen im Zeichen der Terroranschläge und der Flüchtlingsthematik.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2015 | 07:30 Uhr

Es waren andere Gedenkfeiern zum Volkstrauertag gestern als sonst. Im Angesicht der Terroranschläge in Paris und auch der Flüchtlingsdramatik bekamen sie eine geradezu spürbar größere Dimension als in den Jahren zuvor. Ein Empfinden, das wohl die meisten der Anwesenden begleitete, ob sie nun zur zentralen Gedenkstunde des Kreises Schleswig-Flensburg in Fahrdorf auf dem Karberg oder zu den Kranzniederlegungen am Ehrenmal in Brodersby (Schwansen) und am Ehrenmal in Olpenitz gekommen waren.

Auf dem Karberg stellte Landrat Wolfgang Buschmann vor 200 Besuchern die Terroranschläge von Paris in den Vordergrund. „Unsere Gedanken sind beim französischen Volk, und unser Mitgefühl gilt den Opfern und deren Angehörigen“, sagte er.

In Brodersby mahnte Bürgermeister Christian Schlömer nach der feierlichen Kranzniederlegung seine Mitbürger zu Nachdenklichkeit. „Frieden ist nicht selbstverständlich, sondern täglich neu ein Grund für Dankbarkeit und Freude“, so Schlömer. Gezielt appellierte der Brodersbyer Bürgermeister an Toleranz und Verständnis, im eigenen Ort und überall auf der Welt. „Toleranz ist der Schlüssel zum Frieden. Lasst uns das nie vergessen“, rief er den Gästen zu, die danach Zeit erhielten, sich an die zu erinnern, die im Zweiten Weltkrieg aus Brodersby an Kriegsstätten in ganz Europa gerufen wurden und ihre Heimat nie wieder sahen.

Insgesamt 62 Namen von Männern, Vätern, Brüdern und Söhnen verlasen die Gemeindevertreter Dieter Olma und Michael Mikulsky im Andenken an die Gefallenen. Aber die Erinnerung und Mahnung des Volkstrauertags schließt alle mit ein, die unter Krieg und Kriegsfolgen zu leiden hatten. „Wir erinnern uns an die Gefallenen, die Getöteten, die Zivilisten die Erfrorenen und Verhungerten“, so Pastor Martin Krumbeck, der mit seinem Posauenchor den musikalischen Rahmen setzte. Seine Mahnung. „Wir denken daran, dass wir uns dafür einsetzen, dass so etwas nie wieder geschieht“.

„Das ist heute ein furchtbarer Tag für uns alle“, sagte ein besorgter Christian Schlömer am Rande der würdigen Veranstaltung. Paris könne überall stattfinden, auch hier bei uns.

Auch die Teilnehmer am Volkstrauertag im Kappelner Ortsteil Olpenitz gedachten nicht allein der Toten zweier Weltkriege. Die Redner erinnerten ebenfalls an die Menschen, die bis in die heutige Zeit Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft werden. Am Olpenitzer Ehrenmal versammelten sich die freiwillige Feuerwehr Olpenitz unter Leitung von Wehrführer Dirk Langenstein, der Olpenitzer Feuerwehrmusikzug sowie zahlreiche Bürger und eine Abordnung der Marine aus Eckernförde unter Leitung von Kapitänleutnant Frank Peitz in Vertretung des Standortältesten.

Mit dem Choral „Sanctus“ eröffnete der Feuerwehrmusikzug die Feierstunde und gab damit das Signal für die Kranzniederlegung. Für die Stadt Kappeln legten Bürgermeister Heiko Traulsen und der stellvertretende Bürgervorsteher Helmut Schulz den Kranz vor dem Ehrenmal nieder. Einen weiteren Kranz legten der Hauptgefreite Pascal Krüger aus Eckernförde und der Kopperbyer Feuerwehrmann Rolf Buchhold zusammen mit Kapitänleutnant Frank Peitz nieder.

Pastor Gotthard Köppen forderte in seiner Andacht ein Umdenken im menschlichen Umgang miteinander. Zwar hätte es seit 70 Jahren in Deutschland keinen Krieg mehr gegeben. „Doch es gibt auch keinen richtigen Frieden“, so Köppen. Und deshalb finde alljährlich die Gedenkfeier statt, um der Toten zu gedenken. Fast zehn Millionen Menschen starben im 1. Weltkrieg, 55 Millionen im 2. Weltkrieg. „Und die Menschen sind dadurch nicht klüger geworden. Immer noch finden überall auf der Welt Kriege statt“, sagte Köppen. Weltweit können viele Menschen noch heute nicht frei und friedlich leben. Und deshalb seien alle gefordert, Flüchtlingen und Schutzsuchenden Freiheit und Hilfe zu gewähren. „Jedes Opfer durch Krieg, Terror und Gewalt ist ein Opfer zu viel“, betonte der Pastor.

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