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Eckernförde/Arnis : Ungewisse Zukunft der „Andreas Gayk“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Wie geht es weiter mit dem Ex-Butterschiff? Momentan stehen alle Zeichen auf eine gerichtliche Auseinandersetzung.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 07:30 Uhr

Kann die „Andreas Gayk“ in Eckernförde bleiben oder muss sie das Ostseebad verlassen? Die Zukunft des ehemaligen Butterdampfers, der von 1970 bis 1985 die Linie Eckernförde – Sonderburg befuhr, ist ungewiss – mal wieder. Nach dem Aus der Butterschifffahrt fuhr das Schiff im Oderhaff und in Langballig, bevor es seit 2007 rund vier Jahre lang in Arnis lag. Die Skipper Rieke Boomgaarden und Wolfgang Beyer nahmen sich dann des Schiffes an und wollten es zu einem fahrenden Museumsschiff für Eckernförde umbauen. Doch gab es immer wieder Schwierigkeiten mit den Eckernförder Stadtwerken als Hafenbetreiber. Nun liegt die „Andreas Gayk“ seit Wochen leblos im Hafen. Eine Lösung zwischen den Eignern und der Stadt ist vorerst nicht in Sicht.

Seit Dezember 2011 liegt das 39 Meter lange Fahrgastschiff im Stadthafen. Die Liegeplatzgenehmigung reichte für zwei Jahre – dann sollte das Schiff fahrtüchtig sein und neben seiner Gastronomie und Saalwirtschaft mit kulturellen Veranstaltungen auch regelmäßige Fahrten anbieten. Doch die Zeit verstrich, und das Ziel wurde nicht erreicht – wofür die Skipper den Stadtwerken die Schuld geben. Noch zweimal verlängerten diese die Frist, zum Schluss bis zum 31. August 2014 – und noch immer war die „Gayk“ nicht fahrtüchtig.

Mit dem Verlust ihrer Liegeplatzgenehmigung war auch die Schank- und Gaststättenkonzession futsch, und die frisch eingerichtete Gastronomie musste wieder schließen. Die Begründung aus dem Ordnungsamt: Ohne Liegeplatzgenehmigung keine Konzession. Damit fehlt den Eignern nicht nur diese Einnahmequelle. Auch der Investor, der kurz zuvor ein Drittel des Schiffes gekauft hatte und mit dessen Geld die „Andreas Gayk“ endgültig fit gemacht werden sollte, zog sich wieder zurück. Zwei Wochen später gab es ein Gespräch zwischen den Eignern, Stadtwerke-Chef Dietmar Steffens und Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel wegen einer Fristverlängerung, mit der auch die Konzession und damit der Investor zurückkommen sollten. Boomgaarden sagt: „Wir haben unter anderem vorgeschlagen, dass die Stadt ein Drittel des Schiffes kaufen und sich beteiligen kann.“ Ein Gutachten ergab, dass noch 22.000 Euro Materialkosten und 1200 Arbeitsstunden – vornehmlich im Maschinenraum – auf die Skipper zukämen.

Am 1. Oktober dann kam das Angebot der Stadtwerke: eine Verlängerung der Liegegenehmigung bis Ende März bei Vorauszahlung der Gebühren und sofortiger Zahlung noch ausstehender Forderungen plus den Verzicht auf Rechtsmittel. Boomgaarden: „Diese Bedingungen konnten wir nicht unterschreiben.“

1500 Euro müssen sie monatlich als Liegegebühr bezahlen – inklusive Ausschankkonzession, 500 Euro sind es ohne Konzession. Mittlerweile haben sie einen Anwalt zurate gezogen und zweifeln die rechtliche Grundlage schon des ersten Vertrages mit den Stadtwerken an. Er widerspreche in Teilen der schleswig-holsteinischen Hafenordnung und der Eckernförder Hafenentgeltsatzung. „Nach dem regulären Hafenentgelttarif müssten wir 2340 Euro im Jahr bezahlen, aber nicht 18.000 Euro“, so Boomgaarden. Zudem gebe es die Möglichkeit, Liegegebühren für Traditionsschiffe auf Antrag auf ein Viertel zu reduzieren. Auch dass die Vergabe einer Gaststättenkonzession an eine Liegeplatzgenehmigung gekoppelt werden kann, bezweifelt er.

Eine rechtliche Auseinandersetzung scheint unausweichlich, denn Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens streitet ab, ungerechtfertigte Liegegebühren für die „Andreas Gayk“ zu erheben. Die Hafenentgeltsatzung lege die Gebühren für die normale seemännische Nutzung des Hafens fest, wozu eine Gastronomie nicht gehöre. Sie werde über eine Sondernutzung gemäß schleswig-holsteinischer Hafenordnung genehmigt. Steffens kritisiert, dass sich die Skipper nicht mehr an die einst getroffene Vereinbarung halten wollen. „Ich kann nicht nach einer gewissen Zeit alles in Zweifel ziehen, nachdem ich die Liegeplatznutzung schon abgegriffen habe“, sagt der Stadtwerke-Chef.

Rieke Boomgaarden und Wolfgang Beyer wollen die bisherigen Verträge auf jeden Fall weiter juristisch prüfen lassen und eine neue Konzession beantragen. Boomgarden: „Wir brauchen einfach mehr Zeit, um das Schiff fertigzumachen.“

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