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Kappeln : TSV will Sportlerheim modernisieren

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Sanitäranlagen im Vereinsheim des TSV Kappeln stammen aus den 60er-Jahren. Jetzt sollen neue entstehen – für 200.000 Euro.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Sie versprühen den Charme der 60er-Jahre. Viel braun und beige, ziemlich beengt, Stoffvorhänge an den Fenstern. Irgendwie ist in den Umkleiden und Duschen des TSV-Sportlerheims die Zeit stehen geblieben. Ein Umstand, der so gar nicht zum größten Kappelner Sportverein passt, der mit seinen Angeboten und Sparten, seinem Engagement und seiner Vielfalt seiner Zeit doch viel eher einen Schritt voraus zu sein scheint. Und deshalb soll nun wenn schon nicht die Zukunft so doch zumindest die Gegenwart Einzug halten: Der TSV möchte neue Sanitäranlagen bauen und das alte Musikerheim sanieren. Ein Epochensprung, der geschätzte 200.000 Euro kostet. Der Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Schulen, der passenderweise im Musikerheim zusammengekommen war, empfahl einstimmig einen Zuschuss.

Vorweggegangen war eine in Teilen durchaus flammende Ansprache der TSV-Vorsitzenden Dagmar Ungethüm-Ancker. Sie stellte zunächst die Idee des Vereins vor, aus dem Musikerheim einen Bewegungsraum zu machen, von dem in erster Linie Senioren und die Teilnehmer des jüngsten Vereins-Babys „Schleikids in Aktion“ (ein Projekt für übergewichtige Kinder) profitieren sollen. „Eine große Sporthalle kann auf manche eher angsteinflößend wirken“, sagte Ungethüm-Ancker. Mit einem frisch sanierten Bewegungsraum aber könne man nicht nur solche Projekte guten Gewissens anbieten, sondern etwa auch die Jugendarbeit langfristig sichern.

Unmittelbar an den Bewegungsraum soll schließlich ein Neubau mit Sanitäranlagen angedockt werden. Dass diese dringend erforderlich sind, kann jeder, der einen Blick in die aktuellen Duschen geworfen hat, kaum ernsthaft bezweifeln. Vier Duschköpfe ragen derzeit recht dicht nebeneinander aus der Wand. Ohne sich viel Mühe geben zu müssen, droht zudem bei jedem Duschen der Heizkörper triefend nass zu werden. Gleiches gilt für die Sportler, die unmittelbar gegenüber an zwei Waschbecken stehen. Für die Damen existiert derzeit nur eine Toilette hinter einer hölzernen Tür, die Herren verfügen immerhin über eine Toilette und zwei Urinale. Auch die beiden Umkleiden haben ihre besten Tage lange hinter sich, ohnehin ist derzeit nur eine von ihnen zu nutzen. Auf all diese Dinge angewiesen sind in erster Linie die Fußballer, Hockeyspieler und Leichtathleten – allein die Fußballer stellen 200 TSV-Mitglieder. Hinzukommen die jeweiligen Gäste-Teams. Eine große Zahl, die in den zurückliegenden drei Jahren entgegen dem Kreis- und Landestrend sogar gestiegen ist. Dagmar Ungethüm-Ancker führte diesen Umstand auf eine simple Formel zurück: „Wir haben diesen Zulauf, weil wir eine zu hundert Prozent ehrenamtliche Betreuung auf hohem Level anbieten und weil wir einfach gut sind.“ Widerspruch blieb aus. „Wir sind ein Aushängeschild für Kappeln, haben einen Namen beim Landessportverband, weil wir Dinge tun, die andere Vereine eben nicht tun“, führte die Vorsitzende weiter selbstbewusst ohne vermessen zu wirken aus. Und das eindringliche Resümee: „Aber derzeit geben wir mit den Sanitäranlagen einfach ein schlechtes Bild auf Außenstehende ab.“

Erneut setzte niemand zur Gegenrede an, stattdessen folgte einhellige Zustimmung. Stadtvertreter Michael Arendt (LWG) etwa nannte die Anlagen „nicht mehr vorzeigbar“. Das Anliegen des Vereins sei durchaus gerechtfertigt, und es sei an der Stadt, seine bisherigen Leistungen auf diese Weise zu würdigen. Auch Bürgermeister Heiko Traulsen machte sich dafür stark, den TSV „anerkennend zu unterstützen“.

30.000 Euro hat der TSV als städtischen Zuschuss beantragt, weitere 40.000 Euro will er selber als Eigenmittel aufbringen, zudem werden Zuschüsse vom Landessportverband und von der Aktiv-Region erwartet. Parallel dazu hatte der Verein bereits im Oktober einen Antrag auf Erteilung einer Bürgschaft für ein 100.000-Euro-Darlehen gestellt. Dieser Umstand rührt daher, dass nicht der Verein, sondern die Stadt Eigentümerin des Grundstücks an der Hindenburgstraße ist.

Auf die beantragten 30.000 Euro wollte sich der Ausschuss indes nicht festlegen, empfahl stattdessen, eine Zuschusshöhe in Abhängigkeit der Förderung des Landessportverbandes und der Aktiv-Region zu gewähren. Als nächstes wird der Hauptausschuss darüber beraten. Und wenn Dagmar Ungethüm-Ancker erneut so leidenschaftlich auftritt, könnte sich die Widerrede auch dort in eng abgesteckten Grenzen bewegen.

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