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Schlei-Bote

14. Dezember 2017 | 09:44 Uhr

Kappeln : TSV macht Bewegung schmackhaft

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelner Verein startet neues Angebot aus Sport und Ernährung für übergewichtige Grundschulkinder / Infoabend am Donnerstag

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Wer beim TSV Kappeln aktiv Sport treibt, hat meist schon von Beginn an nicht die schlechtesten körperlichen Voraussetzungen. Oder zumindest eine ausgeprägte Freude daran, sich zu bewegen. Jetzt allerdings widmet sich der Verein jungen Menschen, denen es schwerer fällt, zu laufen, die schneller außer Atem sind und vielleicht vom Idealgewicht das ein oder andere Kilo entfernt sind. „Schleikids in Aktion“ heißt das neue Programm, das Kinder im Grundschulalter dabei unterstützen will, Spaß an Bewegung zu entwickeln, ihnen spielerisch und ohne moralischen Zeigefinger zeigen möchte, dass sie auch mit Übergewicht ihren eigenen Sport entdecken können. Dahinter steckt das Ziel, die Gesundheit der Kinder zu fördern und ihnen gleichzeitig andere Essgewohnheiten zu vermitteln.

Erfüllen wollen diese Ansprüche Hanna Lenz und Maren Seemann. Hanna Lenz ist ausgebildete Motopädagogin, als solche setzt sie auf eine Förderung mit psychologischen und medizinischen Methoden und auf die Wechselwirkung zwischen Bewegung und Psyche. Sie ist für den sportlichen Part zuständig. Und sie erinnert zunächst daran, weshalb Übergewicht schon im Kindesalter verheerende Folgen haben kann. Bluthochdruck, Diabetes, Arthrose – die Schlagworte klingen alarmierend. Auch deshalb ist es für die junge Frau wichtig, ihre „Schleikids“ erst einmal genau kennen zu lernen. „Ich muss mich rantasten, erkennen, was jeder von ihnen überhaupt leisten kann“, sagt Hanna Lenz. Mit einfachen Mitteln sollen die Kinder dann ihren Körper und ihre Fähigkeiten entdecken. Luftballons, Rollbretter, Schwungtücher – es geht nicht darum, dass sich die Kinder verausgaben, sondern dass sie in Bewegung kommen, ohne dass sie es allzu bewusst merken. Und Motopädagogin Lenz setzt auf den Gruppeneffekt. „Die Kinder sehen, dass sie nicht alleine sind mit ihren körperlichen Einschränkungen“, sagt sie. „Sie werden sich gegenseitig motivieren und stärken.“ Und trotzdem weiß Lenz, dass es die Kinder alleine kaum schaffen werden, ihren Bewegungsmangel zu kompensieren. „Es ist ganz entscheidend, dass die Eltern mitziehen“, sagt sie. „Es ist ihre Aufgabe, sich mit ihren Kindern zu verändern.“

Maren Seemann sieht das ganz genauso. Die ausgebildete Diätassistentin und Ernährungsberaterin kümmert sich um die Essgewohnheiten der „Schleikids“, und auch dabei ist sie maßgeblich auf die Eltern angewiesen. Eine Diät wird sie mit den Kindern allerdings nicht erarbeiten, das sei unangebracht, da sie sich ja noch im Wachstum befinden. Vielmehr geht es darum, ihnen andere Lebensmittel schmackhaft zu machen, sie an Obst und Gemüse statt Pizza und Pommes zu gewöhnen. „Gesunde Ernährung steht klar im Mittelpunkt“, sagt Maren Seemann. Deshalb möchte sie mit Kindern und Eltern gemeinsam auch einen Koch-Tag veranstalten, ihnen zeigen, dass nicht immer Fleisch auf den Teller muss, dass Essen auch mit weniger Salz und Zucker gut schmeckt. „Und weil es wichtig ist, dass die Kinder genau das auch in ihre Familien weitertragen, damit es eben auch dort funktioniert, möchte ich die Eltern mit ins Boot holen“, sagt die Ernährungsexpertin. Sowohl Seemann als auch Hanna Lenz setzen langfristig auf eine Verhaltensänderung.

Frauke Detlefsen, TSV-Geschäftsstellenleiterin, ist sich bewusst, dass die „Schleikids“ kein klassisches Vereinsangebot sind. „Es steckt eine Problematik dahinter“, sagt Detlefsen. Deswegen hat der Verein viel Vorarbeit investiert, Hanna Lenz und Maren Seemann haben eigene Konzepte erarbeitet. Und Detlefsen sagt: „Uns war auch schnell klar, dass wir das nicht alleine leisten können.“ So kam der Kappelner Lions-Club mit ins Spiel. Präsidentin Marty Clausen fiel die Entscheidung, das Programm zu unterstützen, nicht schwer. „Der Fokus meiner Präsidentschaft liegt auf den Kindern“, sagt Clausen. „Und wir sind absolut überzeugt, dass die Schleikids eine sinnvolle Idee sind. Da sind wir gerne mit aufgesprungen.“ Mit 3000 Euro stellen die Lions eine mehr als solide, finanzielle Säule dieses Programms. Das Geld stammt aus dem Tombola-Erlös des Lions-Balls Ende vergangenen Jahres. Für Lions-Schatzmeister Armin Villbrandt gut investiertes Geld. „Ich halte das für eine gute Anschubfinanzierung“, sagt Villbrandt.

Auch den Kindern soll das Programm ein Anschub sein, sich mit Freuden zu bewegen, statt bewegungslos am Computer zu sitzen. Auf lange Sicht, so wünscht es sich Hanna Lenz, sollen die Kinder fit werden und sich im besten Falle zutrauen, vielleicht regelmäßig Fußball im Team zu spielen oder sich aufs Einrad zu setzen oder Leichtathletik für sich zu entdecken. „Unser Wunsch ist es, in ihnen so viel sportliches Interesse zu wecken und ihnen die Angst vor einem Bloßstellen zu nehmen“, sagt Hanna Lenz.

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