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Café International : Treffpunkt für Flüchtlinge und Kappelner

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das „Café International“ bietet neben Speis und Trank auch Klönschnack und Unterhaltung.

Sie nennen es „Café International“, und diese Bezeichnung trifft es ziemlich genau. Ein loser Treffpunkt soll es sein, ungezwungen, mit Gelegenheit zu essen und zu trinken, es kann geschnackt, gesungen, geschwiegen werden, gemeinsam und mit internationalem Flair. Im März hatte das Team um Pastor Jörg Jackisch zum ersten Mal zum „Café International“ ins Birger-Forell-Haus geladen – mit für alle überraschendem Erfolg. Heute steht der nächste Termin an.

Geschätzte 70 Menschen hatten Anfang des vergangenen Monats den Weg ins Ellenberger Gemeindehaus gefunden. Im Rückblick sagt Dagmar Struß: „Ich hatte gar nicht erwartet, dass so viele kommen.“ Seit einigen Monaten koordiniert sie die Betreuung der Flüchtlingspaten über das Projekt „Hand in Hand“, gemeinsam mit der Kirchengemeinde Ellenberg entstand die Idee des „Café International“. Struß erklärt: „Wir wissen, dass sich die Flüchtlinge gerne untereinander treffen. Viele leben aber in kleinen Wohnungen und haben so keine wirkliche Möglichkeit dazu.“ Was fehlt, ist ein Ort, der auch großen – im Idealfall wachsenden – Gruppen die Chance bietet, sich zu versammeln. „Gleichzeitig“, sagt Struß, „sollte es aber nicht nur unseren Flüchtlingen eine Möglichkeit sich zu treffen bieten, sondern auch ihren Paten“. Eben diese Paten nämlich füllten oftmals die Rolle eines Organisators aus, eines Menschen, der arrangiert und plant, dabei aber Gefahr läuft, in seinem eigenen Bedürfnis nach Feedback und Austausch zu kurz zu kommen. Struß betont: „Das Café International richtet sich ausdrücklich an beide Gruppen – Flüchtlinge und Paten.“

Beim ersten Treffen hatten die Verantwortlichen, neben Dagmar Struß und Jörg Jackisch gehören Elisabeth Magnussen-Andresen, Marta Kraft und Rin Yassin dazu, einiges vorbereitet. Es gab Kaffee und Kuchen, Gesellschaftsspiele standen bereit. „Mensch, ärgere dich nicht“, „Jenga“, „Elfer raus“ – Spiele, die nicht vieler Erklärungen bedurften, sondern eben einfach gespielt werden konnten. „Das ist nämlich auch ein Phänomen“, sagt Dagmar Struß. „Viele Flüchtlinge besuchen Deutsch-Kurse, aber haben wenig Gelegenheit, das Gelernte auch anzuwenden.“ Das „Café International“ könnte auch da anknüpfen, und die Asylbewerber dazu bewegen, tatsächlich Deutsch zu sprechen.

Für den zweiten Termin am heutigen Mittwoch haben die Organisatoren einen besonderen Wunsch, den Marta Kraft so formuliert: „Es wäre schön, wenn noch Menschen dazu kommen, die bislang vielleicht noch keinerlei Berührungspunkte mit Flüchtlingen hatten, die aber ein echtes Interesse an anderen Kulturen haben.“ Kappelner also, die sich nicht unbedingt einer Patenschaft verschreiben möchten, sondern einfach Freude daran haben, Menschen aus anderen Ländern, ihre Heimat näher zu bringen und gleichzeitig deren Heimat kennen lernen möchten. Jörg Jackisch nennt das „niederschwellige Integration“ oder: „Im Café International besteht die Chance, sich in einem entspannten Miteinander zu begegnen.“ Bei der Premiere im März habe man, daran erinnert sich Elisabeth Magnussen-Andresen besonders gut, „ganz viel gelacht“. Eine fröhliche, gelöste Stimmung habe geherrscht, gute zwei Stunden lang. Irgendwann habe Jörg Jackisch zur Gitarre gegriffen, spontan gesungen, und eine Handvoll junger Flüchtlinge habe begonnen zu tanzen. Jackisch sagt: „Es gibt glücklicherweise schon viele Angebote für Flüchtlinge, aber so etwas eben nicht. Wir verbringen einfach Zeit zusammen.“ Bei der Premiere hatte man Gruppentische im großen Saal des Birger-Forell-Hauses vorbereitet, die irgendwann nicht mehr ausreichten.

Dabei ist der Ansatz des „Café International“ im Grunde ein simpler. Elisabeth Magnussen-Andresen erklärt: „Ich denke daran, was mir in solch einer Situation wichtig sein könnte, was mir gut tun würde.“ Und Marta Kraft sagt: „Wir gehen da einfach ganz normal ran, es hat nichts Pathetisches.“ Vermutlich sind genau das die Gründe, weshalb es denjenigen, die da sind, so leicht fällt, sich auf das Miteinander einzulassen. Manche haben sich nach dem ersten Treffen in kleineren Gruppen auf ein Wiedersehen verabredet. Und vereinzelt konnten auf kurzem, unkompliziertem Weg Dinge geklärt werden, für die die Flüchtlinge sonst institutionelle Ansprechpartner benötigt hätten – etwa Fragen zur Stromrechnung oder zur Möbelsuche. Dann steht auch Rin Yassim bereit, die vor knapp neun Monaten aus Syrien kam und inzwischen gut übersetzen kann.

Ab 18.30 Uhr öffnet das „Café International“ heute im Birger-Forell-Haus seine Türen. Kaffee wird gekocht, die, die kommen, sind aufgerufen, etwas zum Fingerfood-Büfett beizutragen. „Und dann“, sagt Jackisch, „freuen wir uns auf ein fröhlich-ausgelassenes, kreatives Miteinander“.

> Das „Café International“ findet an jedem ersten Mittwoch eines Monats im Birger-Forell-Haus statt. Kontakt: Pastor Jörg Jackisch, Tel. 0  46  42  /  9  64  74  15, Elisabeth Magnussen-Andresen, Tel.  28  70.


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erstellt am 06.Apr.2016 | 07:30 Uhr

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