Gefährliches PFlaster: Landesstraße in Oersberg : Trauer um Terrier „Max“

Gefährliche Kurve: Marcel Kossack und Justin Wirschke haben ein Kreuz am Unfallort aufgestellt.
1 von 2
Gefährliche Kurve: Marcel Kossack und Justin Wirschke haben ein Kreuz am Unfallort aufgestellt.

Ein Hund wurde auf der Landesstraße in Oersberg überfahren. Anwohner haben Angst um ihre Kinder und wünschen sich Geschwindigkeitskontrollen.

shz.de von
02. Februar 2018, 06:17 Uhr

Oersberg | Es war letzten Freitag kurz vor 17 Uhr. Erst knallte es einmal, dann noch einmal. Und dann lag Jack Russel Terrier „Max“ tot am Straßenrand – und das Huhn, dem er hinterhergerannt war, auf der anderen Seite der Landesstraße, die hier mitten durch Oersberg führt.

„Wir sahen, dass plötzlich viele Autos anhielten, und dann kamen die Nachbarn und trugen Max auf den Armen“, erzählt Marcel Kossack. Alle haben angehalten, bis auf den Fahrer des Unfallwagens. Der hatte nicht nur den Hund und das Huhn auf dem Gewissen, sondern wohl auch die Katze, die etwas weiter oben tot auf der Straße lag. „Hier ist Ortsbereich und eigentlich Tempo 50 vorgeschrieben. Aber daran hält sich kaum jemand“, sagt Kossack, der mit seiner Frau Justin Wirschke genau im Kurvenbereich der Landesstraße wohnt und ihren „Max“ trauert.

Nach Auskunft von Kossack und Wirschke ist es nicht der erste Unfall, der sich hier ereignet. Die Landesstraße verläuft in zwei scharfen Kurven. „Diesmal war es der Hund“, sagt Kossack. „Ich habe Angst um meinen zweijährigen Sohn. Man kann ja nicht verhindern, dass ein Kind mal plötzlich auf die Straße läuft. Ich werde jetzt alles verrammeln und absperren.“

Auf die Frage, ob sich hier schon früher Unfälle ereignet haben, hören die beiden Oersberger und Nachbarin Ulla Glindmeier gar nicht mehr auf zu erzählen: Autos landen in der Steinmauer auf der einen Seite der Straße oder rasen auf der anderen knapp am Haus von Marcel Kossack vorbei, schneiden die Kurve, fahren über den Radweg, Motorradfahrer legen sich hin, landen im Knick, Pkws stoßen mitten in der Kurve zusammen oder knallen in den Zaun, ein Auto landete auf dem Dach. Oft gibt es nur Blech- oder Sachschäden, und so kommt es gar nicht zur Anzeige. Bisher hat es glücklicherweise kaum Verletzte gegeben. Die meisten sind mit dem Schrecken davon gekommen. „Aber muss erst ein Kind überfahren werden, ehe sich etwas ändert?“ fragt sich Glindmeier. Hier müssen viele Oersberger die Straße überqueren, sagt sie. Morgens und nachmittags gehen die Kinder zur Bushaltestelle, Mütter queren die Fahrbahn mit dem Kinderwagen, die Pferde werden von der Koppel herüber geführt.

Reiner Detlefsen von der Kappelner Polizei räumt ein, dass es hier wegen der kurvenreichen Strecke eine ganze Reihe von Unfällen gegeben hat. Das gelte aber für die gesamte Landesstraße. Dass Oersberg ein Unfallschwerpunkt sei, will er nicht bestätigen. „Es ist eine Kurve, in der man besonders vorsichtig fahren muss. Wenn man sich an die vorgeschrieben 50 Stundenkilometer hält, dann kann eigentlich nichts passieren.“ Er weiß aber, dass es bei vielen Unfällen gar nicht zur Anzeige kommt, da sich bei Sachschäden die Betroffenen oft untereinander einigten.

Hier hakt Bürgermeister Hauke Lassen ein. Sein dringender Appell ist, bei Unfällen die Sache auf jeden Fall zu dokumentieren, vielleicht ein Foto zu machen, und das weiterzugeben – entweder an ihn, die Polizei oder den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. „Wenn die nichts mitbekommen, dann ändert sich auch nichts“, sagt er. Das gelte nicht nur für Oersberg, sondern ebenso für Wittkiel und Kragelund. „So 25 bis 30 Unfälle haben wir in diesem Bereich im Jahr“, weiß der Bürgermeister und richtet einen Appell an die Anwohner, aber auch an alle, die diese Straße nutzen: „Bitte haltet euch an die Geschwindigkeitsbegrenzungen!“

Ein weiterer wichtiger Aspekt, so Lassen, sei der Fahrbahnbelag, der bei Nässe besonders rutschig sei. Zumindest in den Kurvenbereichen müsste ein griffigerer Belag her. Das wünscht er sich für seine Gemeinde vom Landesbetrieb. Marcel Kossack plädiert zudem für Verkehrskontrollen. „Wenn hier mehr kontrolliert wird, fahren die Leute langsamer“, ist er sich sicher.

Die Kappelner Polizei hat das, laut Detlefsen, bereits auf dem Zettel. „Oersberg werden wir in die Kontrollen einbeziehen. Und wenn wir Hinweise über Probleme bekommen, dann kontrollieren wir auch mehr.“


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen