Kappeln : Touristiker gegen Mühlen-Anbau

Weithin sichtbar: Die 127 Jahre alte Mühle „Amanda“ gilt als Anziehungspunkt in der Stadt. Jedoch ist der denkmalgeschützte Bau nicht barrierefrei.
Weithin sichtbar: Die 127 Jahre alte Mühle „Amanda“ gilt als Anziehungspunkt in der Stadt. Jedoch ist der denkmalgeschützte Bau nicht barrierefrei.

Vereinsvorsitzender Ingwer Hansen sieht den gläsernen Aufzug als Bedrohung für das historische Ensemble.

shz.de von
06. Mai 2015, 07:30 Uhr

Die Diskussion um die Mühle „Amanda“ als Standort der Touristinformation ist wiederaufgelebt. Das liegt an der Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS). Die hat als Betreiberin klar gemacht, dass die langfristige Existenz der Touristinfo in der Mühle an deren Barrierefreiheit gekoppelt ist. Derzeit prüft der Kreis Schleswig-Flensburg daher im Auftrag der Stadt die Chancen, diese Forderung zu ermöglichen. Konkret geht es dabei um einen gläsernen Anbau mit Fahrstuhl neben dem Haupteingang der Mühle (wir berichteten). Jetzt meldet sich der Touristikverein zu Wort – und der spricht davon, die laufende Debatte teils mit Bestürzung, vor allem aber mit Verwunderung zu verfolgen.

Vereinsvorsitzender Ingwer Hansen fasst sein Erstaunen über die aktuelle Entwicklung so zusammen: „Es war doch von Anfang an bekannt, dass die Mühle nur mit Einschränkungen zu nutzen ist.“ Von Anfang an bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie seit Beginn der 80er-Jahre, seitdem nämlich nutzt die Stadt die Mühle als Touristinfo und als Trauzimmer. Schon immer habe es Besucher gegeben, die aufgrund einer körperlichen Einschränkung nicht in der Lage waren, in den oberen Stockwerken bei Trauungen dabei zu sein oder eben die Tourist-Info aufzusuchen. Dass das bedauerlich sei, räumt Hansen sofort ein, schiebt allerdings hinterher: „Aber die historische Bedeutung der Mühle war immer wichtiger als die Barrierefreiheit. Und jetzt soll das auf einmal nicht mehr gelten?“

Das gesamte Äußere der Holländermühle „Amanda“, Baujahr 1888, und die noch vorhanden alte Technik im Innern stehen unter Denkmalschutz. Und Hansen blickt mit leichtem Sarkasmus auf den möglichen gläsernen Aufzug, als er sagt: „Mir scheint, als habe die Idee eines Glasanbaus im Denkmalschutz eine gewisse Tradition.“ Seine Prognose: „Das gesamte Mühlenensemble würde dadurch zerstört werden.“ Was es ihm zudem erschwert, den Anspruch der OFS auf Barrierefreiheit nachzuvollziehen, ist der Umstand, dass er den Plessenhof – OFS-Standort in Schleswig – als ebenfalls nicht barrierefrei erlebt. „Auch dort muss man klingeln, um bedient zu werden“, sagt Hansen. „Da verwundert es mich schon, dass das in Kappeln anders sein muss.“ Sein Vorstandskollege Peter Walter wünscht sich zudem konkrete Besucherzahlen, die die Forderung nach uneingeschränkter Mobilität untermauern – „einfach, um die Sachlage besser zu beurteilen“.

Neben der Barrierefreiheit hat die OFS auch fehlende Fluchtwege in der Mühle bemängelt – ein Umstand, den Ingwer Hansen gerne mit ein bisschen mehr Kreativität gelöst sehen würde. Als Beispiel nennt der Touristikvereinsvorsitzende feuerfeste Rutschsäcke, die leicht zu befestigen seien und es ermöglichten, aus zehn Metern Höhe sicher und schnell nach unten zu gelangen.

In den Gründen, die das dauerhafte Dasein der Tourist-Info in der Mühle in den Augen der OFS gefährden, erkennt Peter Walter ein grundsätzliches Problem. „Dadurch wird die Politik in Zugzwang gebracht, etwas tun zu müssen“, sagt Walter. Die OFS sei schon eine ganze Weile in der Mühle und habe die Umstände bisher mitgetragen – „von daher finde ich das Vorgehen jetzt unangebracht“. Ingwer Hansen betrachtet die Angelegenheit genauso und erinnert daran, dass die OFS über einen Dienstleistervertrag für die Stadt tätig sei. „Und sich als Dienstleister über die Rahmenbedingungen zu beschweren, halte ich für etwas skurril“, sagt der Vereinsvorsitzende und geht noch einen Schritt weiter: „Wenn man sich aufgrund der Umstände nicht in der Lage sieht, seine Aufgaben zu erfüllen, muss man vielleicht den Vertrag kündigen.“

Und ganz nebenbei bringt Hansen einen weiteren Aspekt ins Spiel: Sollte die Politik die Bedenken der OFS teilen, fehlende Barrierefreiheit und Fluchtwege also langfristig als K.O.-Kriterien betrachten, müsse man sich fragen, was für eine Nutzung der Mühle dann noch möglich sei. Hansen: „Ich kann doch nicht eine Tourist-Info ausschließen, aber zum Beispiel ein Museum zulassen. In meinen Augen ist dann gar keine öffentliche Nutzung mehr realistisch.“

Weniger kritisch betrachtet derweil der Verschönerungsverein die Entwicklung. Zwar stellt der Vorsitzende Dieter Clausen den Standort Mühle als Tourist-Info nicht in Frage – „die Mühle ist ein Magnet für Urlauber“. Dass die Barrierefreiheit mittels eines Glasanbaus umgesetzt werden könnte, stellt für Clausen jedoch kein Problem dar. „Ich kann mir das im Moment bildlich schwer vorstellen“, räumt er ein. „Aber ich glaube nicht, dass das negative Auswirkungen hätte.“

Die Forderung des Touristikvereins ist allerdings klar, und der Verein fühlt sich dabei nach etlichen Gesprächen mit Kappelner Bürgern getragen: Die traditionsreiche Mühle soll so belassen werden, wie sie ist.

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