KAppeln/Nieby : Tourismus-Minister auf Tour

Traumwetter im Reetdorf: Investor Norbert Essing (2.v.r.) erläutert Minister Bernd Buchholz sein Projekt. Links: Landrat Wolfgang Buschmann.
1 von 2
Traumwetter im Reetdorf: Investor Norbert Essing (2.v.r.) erläutert Minister Bernd Buchholz sein Projekt. Links: Landrat Wolfgang Buschmann.

Bernd Buchholz besuchte den Kappelner Hafen und das Reetdorf Geltinger Birk.

shz.de von
20. Januar 2018, 12:00 Uhr

„Touristische Destinationen“ – das war der Arbeitstitel des Kurztrips, der Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Tourismus-Minister, Bernd Buchholz, gestern einen halben Tag lang in die Region lockte. Kappeln und Nieby standen auf dem Papier, konkret bedeutete das jede Menge Informationen, Eindrücke und Gespräche für Buchholz – der dafür allerdings nicht nur mit Gummistiefeln bestens vorbereitet war, sondern sich ganz nebenbei als bodenständiger und interessierter Besucher erwies.

Erster Stopp: Kappeln. Bürgermeister Heiko Traulsen erwartete den Minister gemeinsam mit Max Triphaus (Ostseefjord-Schlei GmbH), Stefan Wesemann (IHK) und Johannes Callsen (CDU-Landtagsabgeordneter) am Südhafen. Ein guter Ort, um das Thema Traditionsschifffahrt anzuschneiden und die neue Sicherheitsverordnung, von der sich viele Schiffseigner empfindlich beschnitten fühlen. Buchholz gab sich schnell zuversichtlich: „Ich bin guter Hoffnung, dass wir eine richtige Richtung gehen, um die Verordnung so zu verändern, dass sie wesentliche Punkte der Eigner berücksichtigt.“ Und kurz danach verbreitete der Minister sogar selber Hoffnung – und zwar in Sachen Museumsbahn. „Wenn wir Investitionszuschüsse geben, dann lieber einmalig in Infrastruktur als in den laufenden Betrieb“, sagte er mit Blick auf die finanziellen Nöte der Bahn. Eine mögliche Förderkulisse wollte er zumindest nicht von vornherein ausschließen.

Ein paar Schritte weiter am Südspeicher stellte Traulsen die Hotel-Pläne der Dr. Schmidt Grundstücksgesellschaft mbH vor – Buchholz spontaner Kommentar: „Das würde den Standort deutlich aufwerten.“ In der Folge ließ sich der Minister die Besonderheit des Heringszauns erklären, hörte von Max Triphaus die Idee eines Elektro-Schiffes für die Schlei und sprach schließlich mit Henning Mittelmann am PK-Speicher über die Verknüpfung von Gesundheit und Tourismus. Mittelmann nämlich erläuterte, sich in den oberen Etagen seines Speichers einen Wellness-Bereich vorstellen zu können, um Urlaubern auch bei schlechtem Wetter etwas anzubieten.

Zweiter Stopp: Nieby. Im Reetdorf Geltinger Birk hatte sich zu den Gästen noch Landrat Wolfgang Buschmann gesellt, außerdem der Niebyer Bürgermeister Volker Lippert und Nils Kobarg von der Integrierten Station Falshöft. In ihrem Reetdorf, das langsam aber stetig wächst, planen Marion und Norbert Essing insgesamt 41 qualitativ hochwertige Gebäude, drei unterschiedliche Haustypen für abweichende Personenzahlen, alle aber von edler Ausstattung mit Kamin, Terrasse, Fußbodenheizung. Und Norbert Essing ritt mit seinen Zuhörern im Schnelldurchgang durch die nicht immer leichte Projektentwicklung und stellte klar: „Wir betten das Reetdorf in die Natur ein.“ Und nicht nur das: Für das Feriendorf haben die Schleswiger Stadtwerke, wie Mitarbeiter Thorsten Bock erläuterte, ein eigenes Energiekonzept „erfunden“. Ziel: Alle Häuser sollten energetisch verknüpft sein und zwar so ökologisch wie möglich. Leisten sollen das unter anderem eine große Photovoltaikanlage sowie je eine Sole-Wasser-Wärmepumpe pro Gebäude.

Minister Bernd Buchholz zeigte sich beeindruckt. „Sie sind ein sensationelles Beispiel dafür, wie man touristische Interessen und ökologische Verantwortung in Einklang bringt“, sagte er und wurde, je länger er sprach umso emotionaler – bis hin zu: „Mein Herz schlägt höher.“ Für einen Realitätsschub sorgte danach Volker Lippert, der die in seinen Augen zu schleppende Veränderung der Region insgesamt anprangerte. „Wir laufen auf eine Versorgungslücke zu“, sagte er und wünschte sich noch mehr Innovation und Wachstum etwa in der Gastronomie.

Und schließlich packte Bernd Buchholz seine Gummistiefel aus, denn noch ist das Reetdorf mehr Baustelle als Feriendorf. Durch den Baumatsch ging es zum Musterhaus, das – zur Freude des Ministers – sogar mit Hundekorb ausgestattet war. Buchholz war also nicht der einzige, der sich vorbereitet hatte.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen