Kappeln : Tierschutzzentrum wird exotisch

Sichtbare Spuren des schweren Gewitters vor wenigen Wochen: Im Tierschutzzentrum knickten etliche Bäume um, die Schäden sind noch nicht gänzlich aufgeräumt.
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Sichtbare Spuren des schweren Gewitters vor wenigen Wochen: Im Tierschutzzentrum knickten etliche Bäume um, die Schäden sind noch nicht gänzlich aufgeräumt.

Der Spatenstich zum Neubau für Echsen und Spinnen ist noch in diesem Jahr geplant.

shz.de von
20. Juli 2015, 12:30 Uhr

Bis zum frühen Nachmittag war die Zahl der Besucher an die der Vorjahre nicht herangereicht. Schuld war das unbeständige Wetter, nicht kalt, aber regnerisch, von Sonne keine Spur. Dabei hatten sich das Tier-, Natur- und Jugendzentrum und das Tierheim, Nachbarn im Weidefelder Weg, anlässlich ihres Sommerfestes bestens vorbereitet. Das Gute: Die Tiere störten sich kein bisschen an den nassen Tropfen, und die Laune der Menschen, die gekommen waren, hätte wohl auch nicht besser sein können.

Das Tierschutztentrum wartete zudem mit einer bemerkenswerten Ankündigung auf: Noch in diesem Jahr soll der Spatenstich für ein neues Exotenzentrum auf dem weitläufigen Gelände erfolgen, in etwa fünf Wochen rechnet Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, Träger der Weidefelder Einrichtung, mit der Baugenehmigung. Dann soll auf rund 650 Quadratmetern eine Auffangstation für Leguane, Spinnen, Bartagamen, Schildkröten entstehen – ein Projekt von bundesweiter Bedeutung. „Es gibt eigentlich kein anderes Beispiel in Deutschland, das so etwas vorhält“, sagte Apel gestern. Bei einem Rundgang erläuterte er gemeinsam mit Architekt Jürgen Köster die Pläne, für die er, so Apel, „weit mehr als eine Million Euro“ veranschlagt. Mit dem Geld muss allerdings, bevor überhaupt, ein Stein gesetzt werden kann, zunächst das Gelände geebnet werden, zudem werden mehrere Teiche angelegt. Im Exotenhaus selber ist Platz für Terrarien und Aquarien, Volieren und einen tierärztlichen Behandlungsbereich, außerdem Personalräume vorgesehen. Je nach Größe sollen dort dann bis zu 150 Tiere untergebracht werden können. „Viele Menschen sind mit der Haltung von Echsen überfordert“, sagte Apel. „Und die Tiere leiden stumm. Deshalb ist das, was hier entstehen soll, gleichzeitig so etwas wie ein Mahnmal.“ Parallel hat Architekt Köster zudem einen Erweiterungsbau der Papageienstation entworfen mit Platz für Frei- und Innenvolieren, Behandlungsräumen, Quarantänestation und Futterküche.

Der Rundgang offenbarte jedoch auch, dass wichtige Reparaturarbeiten anstehen: Das Gewitter vor wenigen Wochen hat hohe Pappeln umknicken und auf Volieren und Zäune fallen lassen, Apel rechnet mit einem Schaden von 10.000 Euro. Richtig gut geht es derweil den Affen in ihrem eigenen Haus auf dem Areal. Dr. Katrin Umlauf sprach davon, dass sich die Tiere, seit sie in Weidefeld leben, verändert haben. „Sie sind viel zutraulicher geworden und nicht mehr so unruhig“, sagte die Zentrumsleiterin. Und die Waschbären „Tobi“ und „Luca“ freuen sich über ihr neues Außengehege, das bereits am Sonnabend eingeweiht wurde.

Nebenan nutzte das Tierheim den Tag, um seine Sorgenkinder in den Blickpunkt zu rücken, etwa „Anton“, den 14-jährigen Westhighland-Terrier, oder „Flocki“, den zwölfjährigen Kater. „Es geht ja nun mal hauptsächlich um die Tiere“, sagte Tierheimleiterin Sabine Hegemann. Das zeigten auch die Stände, die auf dem Gelände aufgebaut waren und die unter anderem selbst genähte Katzenkissen und fantasievolles Hundefutter, etwa Lachshaut oder Calamaris, im Angebot hatten. Kirsten Villmow und Dörte Jessen von der Rettungshundestaffel Südschleswig planten außerdem die Präsentation der Fähigkeiten ihrer „Mantrailer“-Hunde, die anhand von Gerüchen einen vermissten Menschen aufspüren können.

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