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Kappeln : Tempo-30-Zone in der gesamten Innenstadt?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Gestützt auf ein Verkehrskonzept hat ein solch ein Antrag, laut Verwaltung, beim Kreis reelle Chancen.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 07:15 Uhr

Es ist nicht so, als sei diese Stadt arm an Prioritätenlisten und Konzepten. Dass es indes nicht immer ein komplett neues Ideenpapier sein muss, mit dem gearbeitet werden kann, dafür sorgte Michael-Sven Schattka (Grüne) bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr. Zwar wagte auch er zunächst den Versuch, bei der Verwaltung ein neues Verkehrskonzept „für die nächste Sitzung“ einzufordern. Als dieser, aufgrund des doch verhältnismäßig zeitnahen nächsten Sitzungstermins als forscher Schritt geltende Wunsch spontanes Gelächter erntete, erinnerte sich Schattka an lang Zurückliegendes. „Es gibt noch ein Verkehrskonzept aus der vergangenen Legislatur“, sagte er. „Wie wäre es, wenn wir das aktualisieren?“

Auslöser für die Diskussion war ein Antrag der Grünen-Fraktion zur Einrichtung einer Tempo-30-Zone im Innenstadtbereich plus Dothmark und Ellenberg. Stellvertretend für seine Fraktion begründete Norbert Dick diesen Antrag unter anderem damit, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern, die Lärmbelästigung reduzieren und die Sicherheit erhöhen würde. Als Knackpunkt hatte Dick dabei schnell die Wassermühlenstraße ausgemacht. „Als Gegenargument kommt immer, dass die Wassermühlenstraße eine Durchgangsstraße sei, was Tempo 30 ausschließe“, sagte Dick. „Das ist aber falsch, weil bei einer Durchgangsstraße ja nicht angehalten wird – im Gegensatz zur Wassermühlenstraße.“

Zwar fiel der Antrag bei den anderen Fraktionen auf fruchtbaren Boden, trotzdem glaubte etwa Thorsten Schacht (SPD) nicht an eine Umsetzung – „weil die Wassermühlenstraße beim Kreis nun mal als Durchgangsstraße gemeldet ist“. Gerda Hartmann (LWG) wünschte sich wenigstens „eine kleine Lösung“, die eine Geschwindigkeitsreduzierung vom Friedhof bis zum Küchenstudio beinhalte. „So würden wir den neuralgischen Punkt, wo viele ältere Menschen die Straße überqueren, entschärfen“, sagte Hartmann. Peter Boltz (CDU) zeigte sich derweil überzeugt, dass auf dem Abschnitt aufgrund des Kopfsteinpflasters ohnehin kaum jemand 50 km/h fahre. „Ich finde die Tempo-30-Idee sehr löblich“, sagte Boltz. „Aber es bringt technisch nichts.“

Manfred Wehking von der Stadtverwaltung präsentierte indes eine Ansicht, mit der im Ausschuss so vermutlich die Wenigsten gerechnet hatten. „Der Kreis wartet nur auf einen Tempo-30-Antrag für die Innenstadt“, sagte Wehking. Allerdings: „Alles, was wir bisher in dieser Richtung angefasst haben, ist gescheitert, weil die wichtigste Voraussetzung fehlt: ein Verkehrskonzept.“ Eben daran knüpfe der Kreis seine Entscheidung. Und weil das nach wie vor nicht vorläge, war Wehkings Prognose für die Wassermühlenstraße eindeutig: „Der Kreis wird unter diesen Bedingungen auch diesen Antrag abschmettern.“ Auf Nachfrage räumte Wehking ein, dass das im vergangenen Juli beschlossene Tempolimit auf 30 km/h in der Flensburger Straße, das den Schulweg sicherer machen soll, ebenfalls mangels eines Verkehrskonzeptes vom Kreis noch nicht bewilligt worden sei.

Für Michael-Sven Schattka war der Fall klar. „Wenn ein Konzept nötig ist, sollte eines erstellt werden“, sagte der Ausschussvorsitzende. Nach dem eingangs erwähnten fehlgeschlagenen Versuch schlug er vor, „das alte Konzept aus der Schublade zu holen“. Die bis zur nächsten Sitzung eingeforderte Aktualisierung des Papiers soll es dann ermöglichen, erneut über eine Tempo-30-Zone in der Innenstadt zu diskutieren und sich so reellere Chancen auf eine Umsetzung beim Kreis zu erarbeiten. Manfred Wehking gab sich optimistisch. „Dann halte ich die Aussichten auf Erfolg für relativ gut“, sagte er. Gegen die Stimmen der zwei anwesenden CDU-Mitglieder schloss sich der Ausschuss mehrheitlich Schattkas Idee an.

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