Kappeln : Talentförderverein löst sich auf

Bedauern die Auflösung, schauen aber auf viele Entdeckungen und eine gute Zeit zurück: Gründungsmitglied Werner Barz (li.) mit dem aktuellen Vorsitzenden Ingo Gulbins und Stellvertreterin Renate van Schöll.
Bedauern die Auflösung, schauen aber auf viele Entdeckungen und eine gute Zeit zurück: Gründungsmitglied Werner Barz (li.) mit dem aktuellen Vorsitzenden Ingo Gulbins und Stellvertreterin Renate van Schöll.

Keine Mitarbeiter mehr: Nach 15 Jahren Unterstützung für Musiker, Sportler und Schüler ist Schluss.

shz.de von
21. Juni 2018, 07:00 Uhr

Es ging um Musik, Sport, Kunst, um begabte Schüler, Studenten und Auszubildende – der Verein „Kappelner Talentförderung“ hat so manchem den Weg zum Erfolg geebnet. Nun wird er zum Ende des Jahres aufgelöst. „Letztendlich ist es schade“, sagt Renate van Schöll, stellvertretende Vorsitzende, und berichtet gemeinsam mit ihrem Vorsitzenden Ingo Gulbins und Gründungsmitglied Werner Barz, wie es dazu gekommen ist und von den vergangenen 15 Jahren.

Die Kappelner Band „De Tampen“ feierte im Frühjahr 2002 ihr 40-jähriges Bestehen und spielte dabei 2000 Euro in die Kasse. Das Geld sollte dem damaligen Bürgermeister Roman Feodoria übergeben werden – für die Förderung musikalischer Talente in Kappeln. Feodoria schlug vor, das Geld als Grundstock für die Gründung eines Fördervereins zu nutzen. Und das geschah etwa ein Jahr später: 13 Gründungsmitglieder riefen am 24. April 2003 den Verein „Kappelner Talentförderung“ ins Leben – mit Werner Barz als Vorsitzendem, Dagmar Ungethüm-Ancker als Stellvertreterin, Michael Hegler als Schriftwart sowie Klaus Blöcker als Kassenwart. Seither haben sich die Beiräte des Vereins, die „Scouts“, in Kappeln und Umgebung umgesehen und Augen und Ohren offen gehalten.

Viele Geförderte kommen aus dem Bereich der Musik, wo Ulf Schirmer und später Arno Panske, Bezirksleiter der Kreismusikschule, als Scouts unterwegs waren. Unterstützt wurden zum Beispiel der Pianist Peter Ludwig Beierlein, dem ein Klavier zur Verfügung gestellt wurde, das er anschließend durch seine Auftritte refinanzieren konnte, der Marimba-Musiker Jan Tobias Ehlers oder der Blechbläser Felix Tybussek. Im Bereich Sport zählen Ruderin Laura Schwensen, die Steuerfrau im Deutschland-Achter bei den Olympischen Spielen in London 2012 zu den Profiteuren, ebenso wie die Ruderin Judith Sievers, Olympiasiegerin der Jugend-Sommerspiele 2010 in Singapur. Aber auch Judoka Philipp Helmchen oder Tischtennis-Spieler Stefan Gutt wurden vom Verein gefördert, um nur einige zu nennen.

Insgesamt 45.000 Euro hat der Verein gesammelt und in die jungen Talente gesteckt. Das Geld kam durch Mitgliedsbeiträge, mehr aber noch durch großzügige Sponsorengelder zusammen. Bei Firmenfeiern gab es Auftritte, das sei eine Win-Win-Situation gewesen – die Veranstaltung wurde aufgewertet, die Firmen haben den Verein finanziell unterstützt, und die Talente bekamen gleichzeitig eine Plattform, um sich zu präsentieren. Auch die regelmäßigen Konzerte, anfangs unter dem Titel „Talents in Concert“, später als Konzertabend junger Künstler angekündigt, erfreuten sich großer Beliebtheit.

„Viele bekamen so die Möglichkeit, sich schrittweise zu entwickeln – ganz egal, in welchem Bereich“ sagt Gulbins. Er übernahm das Amt des Vorsitzenden 2012. „Der Vorstand ist mit viel Enthusiasmus an die Aufgaben heran gegangen“, berichtet Gulbins. Man sei mit der Wirtschaft in Kontakt geblieben, der Verein habe einen guten Ruf, habe Rücklagen gebildet und man sei nie ins Minus geraten. Er sieht die Auflösung als Folge des gesellschaftlichen Wandels. Es sei nicht nur schwieriger geworden, Gelder zu generieren, auch die Bereitschaft der Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren, habe abgenommen. „Die Arbeit lastete auf zu wenigen Schultern. Wir haben es kaum noch geschafft, den Vorstand zu besetzen. Das war frustrierend“, sagt die stellvertretende Vorsitzende, die am Ende vor allem die Gemeinschaft, das Miteinander vermisste.

Lange habe man über die Zukunft des Vereins diskutiert. Auf der Jahresversammlung im vergangenen Monat habe der Vorstand beschlossen, den Verein zum Jahresende aufzulösen. „Es war zum Teil eine sehr befriedigende Zeit“, sagt Gulbins und dankt allen Sponsoren für die Unterstützung.

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