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Kappeln : Südländische Grüße am Gymnasium

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

An der Klaus-Harms-Schule drücken vier Inbounds aus Italien, Mexiko und Ecuador die Schulbank. Für sie alle war Deutschland das Wunschziel.

Wenn sich in der Klaus-Harms-Schule mit dem üblichen „Moin“ gegenseitig ein „guter Tag“ gewünscht wird, und wenn dann das italienische „buon dì“ und das spanische „buenos días“ ertönen, sind die „Inbounds“ nicht mehr weit: die vier Austauschschüler aus Italien, Mexiko und Ecuador. Sie drücken im Kappelner Gymnasium die Schulbank, haben Freundschaften geschlossen und fühlen sich wohl. Die deutsche Sprache bereitet ihnen kaum Probleme, die haben sie im Alltag bei ihren Gastfamilien und ihren neuen Freunden schnell gelernt.

Seit Anfang dieses Jahrtausends boomt der Schüleraustausch – nicht nur mit „Inbounds“, sondern auch mit „Outbounds“. 33 der insgesamt 850 Kappelner Gymnasiasten halten sich derzeit im Ausland auf – einige für ein ganzes Jahr, andere für sechs Monate - in Afrika, Nord- und Südamerika, der Inselwelt Ozeaniens und in europäischen Ländern. Diese Art des Kennenlernens anderer Menschen und ihrer Kulturen – also Völkerverständigung – erfreut sich nach den Worten von Lehrer Rainer Schmidt, zuständig für die Austauschschüler-Arbeitsgemeinschaft, großer und wachsender Beliebtheit.

Auf der italienischen Insel Sardinien ist die 17-jährige Bianca Atzori zuhause. Sie ist Schülerin eines „klassischen“ Gymnasiums in Cagliari und seit dem 2. August in Deutschland. Gleich nach den Sommerferien stieg sie in die elfte Klasse des Kappelner Gymnasiums ein. Für sie stand schon lange fest, dass sie für ein Jahr ins Ausland wollte. Bianca Atzori entschied sich für Deutschland – ein Land, in dem sie eventuell nach der Schule auch studieren will. Welche Fächer weiß sie noch nicht. Auf alle Fälle aber gefällt es ihr in Kappeln gut und die deutsche Sprache hat sie ruckzuck gelernt – so gut, dass sie sich problemlos verständigen kann. Sie wohnt bei Rainer Schmidt und seiner Familie in Süderbrarup, hat dort auch Weihnachten gefeiert – so richtig familiär wie daheim.

Während Bianca Atzori ziemlich im Süden Italiens lebt, kommt Elena Kerschbaumer aus dem Norden dieses Landes, aus einem Dorf unweit der Stadt Trient, nahe der österreichischen Grenze gelegen. Die 18-Jährige besucht daheim ein sprachliches Gymnasium, ist in Kappeln seit Schuljahresbeginn Schülerin der zwölften Klasse „sprachliches Profil“. Sie wohnt bei der Familie von Tierarzt Karsten von Brehm in Niesgrau und tritt jeden Morgen zusammen mit ihrer Gastschwester den Weg nach Kappeln an – die hat sich dem sportlichen Profil zugewandt. Die andere Gastschwester kennt sie eigentlich nur vom Hörensagen, denn die weilt als Outbound in Chile. Lange habe sie, wie Elena Kerschbaumer erzählt, überlegt, wo sie ihr Auslandsjahr verbringen wolle, habe sich schließlich für Deutschland entschieden – nicht zuletzt auch deshalb, weil sie im März vergangenen Jahres eine Woche lang als Austauschschülerin in der Nähe von Berlin war. Das habe ihr gut gefallen, so dass ihr die Entscheidung für ein ganzes Jahr Deutschland nicht schwer gefallen sei. Wenn sie im Sommer heimkehrt, steht noch ein Jahr in der Schule an. Dann will sie studieren. Was weiß auch sie noch nicht, aber möglicherweise auch in Deutschland.

Ebenfalls bis zu den Sommerferien bleibt die 17-jährige Andrea Mignon aus dem mexikanischen San Luis Potosi – von der Größe her vergleichbar mit Hamburg – an der Schlei. Nachdem all ihre Kusinen Austauschschüler in Deutschland waren, war die Freude groß, als ihre Mutter ihr ein Auslandsjahr schenkte – in welchem Land, das war egal. Die Freude war bei der Jugendlichen groß und die Entscheidung für Deutschland schnell getroffen. Seit Juli lebt sie bei Familie Steinmeier in Kiesby. Wenn ihr die spanische Sprache naturgemäß vertrauter ist, so fällt ihr aber die deutsche nicht mehr allzu schwer. Was ihre Zukunft betrifft, peilt sie eine Ausbildung zur Lehrerin an.

Vierter im Bunde der Inbounds ist der 18-jährige Jorge Cedeno aus Ecuador. Daheim in Guayaquil hat er die Schule bereits beendet, hängt in Kappeln ein paar Monate dran – er kam am 6. Januar und wird bereits im Mai heimkehren, um mit einem Wirtschaftsstudium in seiner Heimatstadt beginnen. Er wohnt bei Familie Kückel in Schönhagen. Der spanischen Muttersprache fügt er jetzt Deutsch hinzu und bekennt, dass die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, eine gute Wahl war und ist.

Für alle gilt, wie sie sagen, dass ihnen neben dem Kennenlernen anderer Menschen und Kulturen die Chance, selbstständig zu werden, wichtig ist. Und dazu gehört auch, herauszufinden, wie es um das eigene Ich bestellt ist. Nicht immer einfach, aber wichtig. Ja, und ganz nebenbei wollen sie auch Spaß haben und der kommt nicht zu kurz.

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