Kappeln : Südhafen: Jetzt ist die Stadt wieder am Zug

Politiker verabschieden eigenen B-Plan für Areal um früheres Silo

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11. Juli 2012, 08:10 Uhr

Kappeln | Gute vier Wochen ist es her, dass das vorläufige Aus für das Hotelprojekt am Südhafen öffentlich wurde. Der Eigentümer des Areals, die Agrar-Terminal Peter Rothe GmbH und Co. KG, führte damals steuerliche Gründe und eine verzögerte Baugenehmigung als Auslöser für die Entscheidung ins Feld. Bei der Stadt löste die neue Situation gleichzeitig Bedauern und Ärger aus - zwei Triebfedern für den aktuellen Beschluss der Stadtvertretung, jetzt selber den Finger auf das Gelände zu legen - in Form eines eigenen Bebauungsplans. Zuvor hatte auch der Bauausschuss Einverständnis signalisiert.

Bauamtsleiter Erich Reuter begründete das Vorgehen. Demnach sei der zurückgezogene Bauantrag der Rothe GmbH (wir berichteten) "für uns sehr ärgerlich gewesen". Immerhin hätten etliche weitere Verfahren damit in Zusammenhang gestanden, darunter grundlegende Abstimmungsprozesse mit der Koslowski-Halle. "Das Aus für das Hotelprojekt soll nur vorübergehend sein", sagte Reuter. "Das hoffen wir auch sehr." Der Bauamtsleiter nannte den derzeitigen Zustand "keine Augenweide", eine Verbesserung sei aber nun in diesem Anlauf nicht geglückt. "Um auf die künftige Nutzung mehr Einfluss zu nehmen, haben wir uns jetzt entschlossen, das Gelände in einen eigenen B-Plan zu überführen", resümierte Reuter. Auf diese Weise wolle man eine Vorkehr treffen, um die Stadt vor einer "ihr nicht zuträglichen Entwicklung" zu schützen.

In den Augen von Michael Arendt ging dieser Schritt zu weit. "Laufen wir nicht Gefahr, uns Entschädigungsansprüchen auszusetzen, wenn sich der Eigentümer durch den neuen B-Plan in seiner Nutzung eingeschränkt fühlt ?", wollte er wissen. Der LWG-Fraktionsvorsitzende äußerte dies mit Blick auf die Angaben Rothes, man wolle dort ein Lager mit Büroräumen einrichten. Arendts Vorschlag: Man solle sich vorher versichern, dass der Eigentümer mit der im B-Plan festgeschriebenen Nutzung einverstanden sei. Bürgermeister Heiko Traulsen betonte derweil, dass ein Lager mit dem neuen B-Plan durchaus vereinbar sei. "Störend sind Nutzungen, die Lärm oder Schmutz verursachen", sagte Traul sen. Auch Philipp Schmitt (CDU) erkannte im B-Plan keinen Nachteil für den Eigentümer. "Es geht doch darum, im Fall, dass Rothe aufgibt, dafür zu sorgen, dass dort nichts entstehen kann, was wir nicht wollen", erklärte Schmitt. Und Erich Reuter betonte ebenfalls, dem Eigentümer mit dem B-Plan "keine Daumenschrauben" anlegen zu wollen, sondern der Stadt lediglich ein Mitspracherecht zu sichern. Bürgervorsteher Jürgen Seemann fasste seine Ansicht in einem einzigen Satz zusammen: "Das nenne ich Stadtplanung."

Und während der Bauausschuss eine einstimmige Empfehlung für jenen B-Plan Nr. 73 aussprach, votierte die Stadtvertretung mit 17 Ja-Stimmen für die entsprechende Vorlage. Zwei Stadtvertreter stimmten dagegen, ein Mitglied enthielt sich der Stimme.

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