Glücksburg : Sturm zerstört Biotope im Ruheforst

Förster Klaus-Dieter Schmidt hat die zerstörten Biotope an der Förde gesichtet.
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Förster Klaus-Dieter Schmidt hat die zerstörten Biotope an der Förde gesichtet.

Der Ruheforst bei Glücksburg hat enorm unter dem Orkantief „Christian“ gelitten. Noch ist der genaue Schaden unklar. Im November aber bleibt der Forst gesperrt.

shz.de von
11. November 2013, 20:51 Uhr

Mehrere Bäume oder Baumkronen versperren den Weg zum Andachtsplatz im Ruheforst Glücksburg. Gebrochene Stämme liegen kreuz und quer über eine 250 Meter breite Schneise verteilt. Auf einem der Stämme ist die Nummer zu erkennen, die den Stamm als Stätte für verstorbene Menschen ausweist. Orkan „Christian“ hat dem Ruheforst im Waldstück Wille bei Quellental erheblich zugesetzt.

Noch kann Klaus-Dieter Schmidt den offensichtlichen Schaden nicht benennen. Den kenne er selbst erst, wenn beim Aufräumen die zerstörten Biotope erfasst worden seien. „Wir wissen aber bereits, dass keine der Urnen freigelegt worden ist“, sagt Schmidt erleichtert.

Vereinzelt hat der Förster, der vor Ort für den Ruheforst zuständig ist, Anrufe von Hinterbliebenen erhalten, die sicher gehen wollten, dass die Überreste ihres verstorbenen Angehörigen nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Das sei nicht passiert. „Wir werden alle betroffenen Familien anschreiben“, beruhigt Schmidt. Doch das könnten die Mitarbeiter der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, dem Betreiber des Ruheforsts, erst im Anschluss an die Schadensanalyse tun, bittet der Glücksburger mögliche betroffene Hinterbliebene um Verständnis.

Drei bis vier Mitarbeiter räumen derzeit und noch bis Anfang Dezember in dem Ruheforst Flensburger Förde Glücksburg auf. Entgegen der sonst üblichen Verfahrensweise – Totholz höchstens aus dem Baum aber nicht vom Biotop zu entfernen – wird dieses Mal ein Teil der ungewollten Auslese entfernt werden. Wegen der Arbeiten bleibt der Ruheforst im November gesperrt. Beisetzungen werden in den Dezember verschoben. Schmidt: „Das ist bei Urnen durchaus möglich.“ Auch die angebotenen Gruppen- und Einzelführungen finden erst wieder im Dezember statt.

Ist der 180 Jahre alte Mischwald um die Sturmfolgen bereinigt, wird Schmidt eine Baumschule beauftragen: „An jedem Standort soll ein mindestens zwei Meter hoher Baum derselben Sorte gepflanzt werden. So bleibt die Struktur im Ruheforst erhalten.“ Die vorherrschenden Arten sind Eiche, Buche und Ahorn. Von den acht Ruheforsten in Schleswig-Holstein ist nach Aussage Schmidts nur noch der in Ostenfeld bei Husum betroffen – aber eher marginal, wie er sagt.

In dem Waldstück sind 350 Bäume als sogenannte Biotope ausgewiesen. 70 sind bereits vollständig belegt, das heißt verkauft, andere erst zum Teil belegt. Bis zu zwölf Urnen finden um einen Baum herum Platz. Sie sind in einem Abstand von zwei oder 2,5 Metern zum Stamm um den Baum herum angeordnet. Von der Himmelsrichtung Nord ausgehend gibt jede „Stunde“ einen Urnenplatz vor. Im Unterschied zum üblichen Friedhofsgrab wird ein Platz im Ruheforst nur ein einziges Mal verkauft. Schmidt sagt: „Hier gibt es die Ruhe auf Ewigkeit.“ Die hatte nur Orkan „Christian“ merklich gestört.

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