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Sportliche Vorbereitungen : Stress vor dem Weltrekordversuch

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Pfingsten steht für Boris Guentel mit seinem Handbike das große Rennen an.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2017 | 06:28 Uhr

Kappeln | Der Countdown läuft, Boris Guentel zählt inzwischen die Minuten. Oder genauer: Die Zeit läuft ihm weg. Am Pfingstwochenende tritt der Extremsportler mit seinem Handbike zum Weltrekordversuch an (wir berichteten), aber er wünschte, die Organisation der Großveranstaltung hätte sich einfacher gestaltet und der Trainingsstand – körperlich wie mental – wäre weiter fortgeschritten.

Nur noch ein paar Stunden liegen vor ihm, aber schon ein Jahr und sieben Monate Stress und Anspannung hinter ihm. Im August 2015 fuhr Boris Guentel mit Rollstuhl und Handbike die rund 300 Kilometer von Cloppenburg nach Kappeln und bestätigte damit sein Statement „Es ist so ziemlich alles möglich – auch für Menschen mit Behinderung. Man muss nur seine Grenzen immer wieder ein Stück weiter nach vorne verschieben!“ In der Euphorie hinter der Ziellinie nahm er sich gleich einer neuen Herausforderung an: Er will einen Weltrekord aufstellen. 1000 Kilometer in weniger als 42 Stunden mit einem Handbike – das war die selbst gestellte Aufgabe, und die steht Guentel nun unmittelbar bevor. Aber wer meint, dass der Rollstuhl-Aktivist sich inzwischen nur noch auf sein Training konzentriert, der irrt sich. „Leider nicht“, sagt Guentel, der noch voll in der Kommunikation mit Helfern, Sponsoren, Mitfahrern, Physiotherapeuten, Werbefirmen, Print- und Onlinemedien feststeckt. 780 Emails hat er seit Januar geschrieben und rund 1200 Telefonate geführt. Er hat erfreulich viel Zuspruch und Unterstützung erhalten, aber auch einige Zusagen, die nicht eingehalten wurden. Trotz aller Höhen und Tiefen, die die aufwendige Vorbereitung mit sich gebracht hat, steht für Guentel eines fest: „Das ziehen wir jetzt durch!“

Und die letzten Tage sollten nun endgültig dem Körper und dem Sportgerät gelten. „Selbst Freunde musste ich zum Schluss zurückweisen. Ich wollte nur noch konzentriert an der Kurbel liegen und meine Bahnen ziehen“, sagt der Sportler. Aber sogar das „Bahnen ziehen“ war ursprünglich anders geplant. Guentel wollte viel mehr auf der Straße trainieren, aber das Wetter hat das lange Zeit nicht zugelassen. Am Ende waren nur noch zwei Tage für die Outdoor-Einheiten übrig, ein Begleitfahrzeug hat ihn dabei vom normalen Straßenverkehr abgeschirmt. Gestern war die „Rennmaschine“ für letzte Einstellungen beim Techniker in Bremen, auch die Reifen wurden gegen aktuellstes Material getauscht. Heute werden die Sachen gepackt, alle Restarbeiten am morgigen Mittwoch erledigt. Am Donnerstag macht Guentel sich auf den Weg von seinem Wohnort Cloppenburg nach Kappeln. Der kommende Freitag, an dem das Rennen beginnen wird, ist strikt durchgeplant. „Von 11 bis 16 Uhr muss ich schlafen, danach beginnt die Startvorbereitung“, beschreibt er. Um 19 Uhr wird die Veranstaltung auf dem Marktplatz Ellenberg offiziell eröffnet. Guentel fährt die ersten Aufwärmrunden und gegen 19.15 Uhr in Richtung des Startpunktes. Ein letztes Mal raus aus dem Bike will er gegen 19.30 Uhr, dann wird es ernst. Gegen 19.45 Uhr legt Guentel sich in Position. „Dann werden alle Geräte noch einmal überprüft und das Tuch kommt vors Gesicht“, berichtet er. Zu diesem Zeitpunkt sind die Drohnen für Aufnahmen in der Luft und die „Tracking-Karte“, auf der die Fahrt auch auf seiner Homepage verfolgt werden kann, ist geschaltet. Wenn ACDC’s „Hells Bells“ sich langsam durch die Lautsprecher steigert, fällt der Startschuss. „Die ersten Runden sind zum Eingrooven gedacht“, sagt Guentel. Das seien die Vorgaben seines „Pacemakers“ – ganz ruhig starten, den Kopf leer machen und den Körper ans Fahren gewöhnen. „Danach kann ich mit der Geschwindigkeit hoch gehen – soweit, wie es vertretbar ist.“ Mit ihm werden einige Radsportler, darunter auch ein Velobike, in die Nacht fahren.

Als Gast angesagt hat sich auch Roland Schell mit seinem Team, der fast zeitgleich zu einem Rekordversuch von Süd- nach Norddeutschland antritt. Auf das Treffen mit ihm und dem Team und das anschließende Foto freut Guentel sich schon jetzt.

„Das waren kunterbunte und sehr arbeitsreiche letzte Tage.“ Für das Rennen wünscht Guentel sich „gutes brauchbares trockenes Wetter“ und versteht darunter Temperaturen zwischen 20 und 22 Grad am Tag, sowie 12 bis 14 Grad in der Nacht – und möglichst wenig Wind. „Den Fahrtwind hab ich ja sowieso schon“, sagt er und lacht.

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