Kappeln : Streit um den Neubau der Wehr

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Die Kappelner Ortswehr soll ein neues Gerätehaus erhalten. Weil die Verwaltung sich dafür externe Hilfe geholt hat, ohne sich bei der Politik rückzuversichern, war die Stimmung im Bauausschuss äußerst gereizt.

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13. Januar 2018, 08:00 Uhr

Ein Tagesordnungspunkt, eineinhalb Stunden. Was auf den ersten Blick unverhältnismäßig klingt, durfte auf den zweiten erwartet werden. Denn: Es ging erstens um die Feuerwehr, zweitens um eine erhebliche Summe Geld und drittens um einen Bürgermeister, der so sehr das Richtige tun will und sich dann doch wieder die – berechtigte – Kritik der Politik einfängt. Problem: Leidtragende sind in diesem Fall jede Menge Ehrenamtler, die sich mit Leib und Seele einer lebensrettenden Aufgabe verschrieben haben.

Das Angenehme vorab: Der Eckernförder Architekt Matthias Wohlenberg, der bereits das Gerätehaus in Olpenitz geplant hatte, stellte dem Bauausschuss seinen Entwurf für den Bau der Ortswehr Kappeln vor. Das Gebäude in der Gerichtsstraße soll abgerissen und neu errichtet werden, darauf hatte sich die Politik im vergangenen Jahr geeinigt und darf vom Land Fördermittel in Höhe von 315.000 Euro erwarten. Und Wohlenbergs Planung, die in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr entstanden war, stieß auf uneingeschränkte Zustimmung. In Kurzform: „Weil der Platz dort relativ beengt ist, haben wir uns schnell dazu entschieden, zweigeschossig zu bauen“, sagte der Architekt. Die Fahrzeughalle erhält ein Flachdach und wird zurückgesetzt, damit die Fahrzeuge nicht gleich auf der Straße stehen, wenn sie hinausgefahren werden. Neben der Halle entstehen im Erdgeschoss ein Büro, Werkstatt sowie Umkleiden, Duschen und Sanitäranlagen für Herren und Damen. Im Obergeschoss ist Platz für den Schulungsraum samt Küchenzeile sowie Lagerstätte. Insgesamt erhält die Feuerwehr 360 Quadratmeter Nutzfläche. „Die besondere Herausforderung war hier, ein Industriegebäude in eine kleinteilige Altstadt einzubinden“, sagte Wohlenberg. Weil es aber, abgesehen von der Halle, ein giebelständiges Gebäude mit rotem Ziegelmauerwerk werden soll, hielt der Bauausschuss das für gelungen.

675.000 Euro hatten die Stadtvertreter im vergangenen Jahr für Abriss und Neubau beschlossen, Wohlenbergs aktuelle Kostenschätzung belief sich auf 695.000 Euro. Bis Ende Februar läuft die Ausschreibung, bei der Hauptausschusssitzung Anfang März sollen dann die exakten Zahlen auf dem Tisch liegen. Erst dann, das bestätigte auch der Bürgermeister, fällt der Startschuss für den Abriss.

Bis dahin herrschte Einigkeit. Philipp Schmitt (CDU) war dann der erste, der sich über einen Honorarvertrag mit einem Kappelner Ingenieur wunderte, den der Bürgermeister Mitte Dezember abgeschlossen hatte und der diesem Ingenieur unter anderem die Baustellenkontrolle, die Prüfung etlicher Verträge und Unterlagen sowie die Freigabe von Rechnungen überträgt. Klassische Aufgaben eines Bauherren und damit in diesem Fall eigentlich des städtischen Bauamtes. „Was soll das?“, wollte Schmitt wissen. Bürgermeister Heiko Traulsen erläuterte, dass das überlastete Bauamt Verstärkung benötige und erinnerte in diesem Zusammenhang an einen Vorschlag von Stadtvertreter Thomas Grohmann (CDU), sich im Notfall externer Hilfe zu bedienen. Traulsen: „Das hier ist nichts anderes.“ Lars Braack (SPD), selber Mitglied der Lenkungsgruppe, die den Neubau begleitet, genügte das nicht. „Das ist eine Entscheidung, die Sie getroffen haben, ohne die Politik zu unterrichten“, sagte er – und stellte die Gretchenfrage: „Was passiert, wenn wir den Ingenieur nicht beauftragen wollen?“ Traulsens Antwort: „Vom Bauamt wird das Projekt nicht begleitet.“ Oder ohne Beamtensprache: Ohne externe Hilfe kein Feuerwehrgerätehaus – einen Umstand, den Matthias Mau (CDU) „angekündigte Arbeitsverweigerung“ nannte. Und Mau sagte auch: „Wir wissen, dass das Bauamt belastet ist, aber wenn man Aufgaben extern vergibt, muss es durch die Politik.“ Da half auch Traulsens Argument nicht, dass der mit immerhin 14.300 Euro dotierte und bereits unterschriebene Honorarvertrag mit dem Ingenieur nur zustande kommt, sollte die Politik dem zustimmen.

Im Bauamt selber sah man die Angelegenheit derweil differenzierter. Die Zustimmung zu Traulsens Entscheidung, fachbezogene, externe Hilfe einzufordern, war dort groß, weil diese Hilfe als nötig erachtet wird. Nach eigenen Worten könnten ohne Unterstützung von außen andere Bauprojekte nur nachrangig oder gar nicht behandelt werden. Gleichzeitig zeigte man Verständnis dafür, dass die Politik auf ihr Recht auf frühzeitige Information pochte.

Sowohl Bau- als auch im Anschluss Hauptausschuss und Stadtvertretung einigten sich schließlich mehrheitlich darauf, Architekt Wohlenberg mit der Submission zu beauftragen und gleichzeitig auf einen externen Ingenieur zu verzichten.

Gestern nun stellte Volker Ramge (CDU) klar, zwar am Beschluss festzuhalten, aber: „Wir akzeptieren, dass die Not im Bauamt da ist. Und wir stellen in Aussicht, die Mittel für externe Hilfe zu bewilligen.“ Allerdings: „Die Mitspieler, mindestens die Lenkungsgruppe, müssen vernünftig eingebunden und organisiert werden. Diese Gruppe entscheidet, ob ein Ingenieur beauftragt wird. Nicht der Bürgermeister.“ Eins ist nämlich klar: Ein neues Gerätehaus will sowohl die Politik als auch die Verwaltung. Nur das „Wie“ ist offen.

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