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Kappeln : Streifzug durch die Kommunalpolitik

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Bei der Einwohnerversammlung ging es von Großprojekten bis zu Fahrradwegen. Haushalt lässt wenig Spielraum für Investitionen.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2014 | 08:30 Uhr

Es war ein abendfüllendes Programm, das sich Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker und Bürgermeister Heiko Traulsen für die Einwohnerversammlung vorgenommen hatten. Fast eineinhalb Jahre nach der letzten Veranstaltung dieser Art gab es am Donnerstagabend kaum einen Bereich der Kommunalpolitik, der nicht zur Sprache kam. Traulsen versprach denn auch gleich bei der Begrüßung der knapp 100 Besucher: „Das wird spannend bei der bunten Themenvielfalt.“ Und Ungethüm-Ancker erläuterte, warum man die Einwohnerversammlung mache. „Uns ist es wichtig, sie zu informieren und was sie von uns wissen wollen“, so die Bürgervorsteherin.

Los ging es mit den Großprojekten. Zunächst informierte der Bürgermeister über das Ostsee Resort Olpenitz, ehemals Port Olpenitz. Dort stehen laut Traulsen von 184 Grundstücken keine 30 mehr zum Verkauf. Für den zweiten Bauabschnitt gebe es einen Kaufinteressenten, wenn dieser abspringe, würde die Helma Ferienimmobilien GmbH dort gerne zum Zuge kommen. Dem Unternehmen gehören bereits die Flächen zu den Bauabschnitten drei bis neun. Beim geplanten Prädatorenzaun am Nordhaken zum Schutz der Vogelbrut - beispielsweise vor Füchsen - hatten sich der Verein Jordsand, das Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, das Landesamt für Landwirtschaft und ländliche Räume, die Stadt sowie der Insolvenzverwalter als Rechtsnachfolger der Port Olpenitz GmbH auf einen elektrischen Zaun als Provisorium bis zum 31. März 2015 geeinigt. Dieter Rackow, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Umweltschutz Kappeln und Umgebung (IGU) begrüßte dies. „Ich freue mich zu hören, dass wir ein Datum haben.“ Rackow betonte, dass der Prädatorenzaun wesentlicher Teil der Naturplanung in diesem Bereich sei. „Das muss erfüllt werden.“ Der Bürgermeister stimmte zu, dass diese Maßnahme Teil der Planung sei. Doch wolle er sich nun nicht auf Monate festlegen, um nicht unnötig Spannung hereinzubringen. Traulsen stellt eine endgültige Lösung im ersten Halbjahr 2015 in Aussicht.

Vom Projektleiter des Schlei-Terrassen-Mutterkonzerns, Norddeutsche Grundvermögen, Jan Christopher Kortüm, wollte ein Einwohner wissen, wer dort wohnen soll. Kortüm antwortete dass das Projekt 220 Einheiten umfasse und zur Wohnnutzung für Leute aus der Region gedacht sei. Auf die Zusatzfrage, ob es denn dafür Interesse gebe, antwortete der Projektleiter: „Die Nachfrage müssen wir erst schaffen, doch solch ein Angebot gibt es noch nicht an der Schlei.“ Dass man die Nachfrage erzeuge, davon war Kortüm überzeugt: „Das schaffen wir.“ Dagmar Ungethüm-Ancker begrüßte das Projekt auch in Hinsicht auf die Ergebnisse des jüngsten Zensus: „So kriegen wir die Einwohnerzahlen wieder nach oben. Das ist nur gut für uns.“

„Das schönste Thema des heutigen Abends habe ich“, stellte Hauptausschussvorsitzender Matthias Mau die städtischen Finanzen augenzwinkernd vor. Seit dem Jahr 2010 (-1,4 Millionen Euro) habe die Stadt nur defizitäre Haushalte gehabt. Auch für das derzeitige Jahr gehe man von einem Minus in Höhe von 760.000 Euro aus. „Das Eigenkapital schmilzt. Im Jahr 2010 hatten wir noch 6,25 Millionen Euro Eigenkapital, wenn das so weiter geht haben wir im Jahr 2017 gerade noch eine Million Euro.“ Daher sei es wichtig, dass alle Fraktionen sich über ein Konsolidierungskonzept von 2015 bis 2020 einig sind.

Beim Tourismus standen mit dem Vorsitzenden des Touristikverein, Ingwer Hansen, dem Geschäftsführer der Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS), Max Triphaus, und dem Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln (WTK), Jürgen van Schöll, die drei Hauptakteure für Kappeln auf der Bühne. Die OFS wird künftig auf Entschleunigung setzen, erklärte Triphaus. Hierbei gehe es um die Themen Radfahren, Wandern, Wasser und Kultur. Hansen meinte: „Während die Einheimischen häufig darüber klagen, dass hier nichts los sei, wünschen sich die meisten Gäste diese Ruhe.“

Nur der für den Tagestourismus Verantwortliche van Schöll machte klar: „Ich stehe für das Gegenteil von Entschleunigung, ich versuche Wirbel in der Stadt zu erzeugen.“ Alle drei bestätigten, dass man das Gespräch miteinander suche. Dazu Hansen: „Wir haben das gleiche Ziel, nämlich möglichst viele Gäste nach Kappeln zu locken.“ Dabei warb Hansen nochmals für seine Idee, Kappeln zur fahrradfreundlichsten Stadt an der Ostsee zu machen.

Doch schon zuvor hatte Mau erläutert, dass die Stadt zurzeit kein Geld dafür habe, auch wenn er das IGU-Fahrradkonzept klasse fände. Traulsen hatte Mängel in der Verkehrsinfrastruktur eingeräumt. „Es wird uns nicht gelingen, das gesamte Straßen-, Rad- und Fußwegenetz in einem Rutsch zu sanieren.“ Die Kosten bezifferte er auf eine dreiviertel Million Euro.

Ansonsten bemängelten die Einwohner das Erscheinungsbild der Stadt, speziell des Südhafens mit der ehemaligen Speicher der Getreide AG. Bauamtsleiter Erich Reuter, sagte, dass es hier Verkaufsabsichten gebe und ein Ende dieses Zustands noch nicht in Sicht wäre. Als Kritik am Unrat in den Straßen aufkam, schlug Frauke Siemen vor, an einem Tag gemeinsam Müll zu sammeln. Ihren Beitrag beendete sie mit den Worten: „Ich finde diese Veranstaltung übrigens obertoll.“ Nach zwei Stunden endete die Versammlung mit viel Applaus.

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