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Schlei-Bote

22. September 2017 | 12:04 Uhr

Steinberg : Strand-Klumpen: Kritik am Land

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Bürgermeister von Steinberg und Hasselberg kritisieren die Landesregierung, aber auch einzelne Naturschutzverbände.

Auf dem Sitzungstisch standen Plastikbecher mit Löffeln. Gibt der Bürgermeister eine Runde Eis aus? So fragten sich die Zuhörer. Weit gefehlt! In den Bechern waren jene „Klumpen”, mit denen seit zwei Wochen der Ostseestrand von Glücksburg über Steinberg bis hin nach Hasselberg verunreinigt war und zum Teil noch ist. Mit diesen Corpora delicti vor Augen, gab Bürgermeister Gerhard Geißler einen Sachstandsbericht in dieser leidigen Angelegenheit, die die Bürger seit nunmehr zwei Wochen in Atem hält.

Einberufen hatte Geißler eine Eilsitzung, und dazu waren nicht nur etliche Bürger gekommen, die endlich wissen wollten, wobei es sich bei den Klumpen handelt, sondern auch dessen Bürgermeister-Kollege Hans-Heinrich Franke aus Hasselberg, zugleich Vorsitzender des Touristikausschusses des Amtes Geltinger Bucht, dessen Gemeinde das „Klumpen-Schicksal“ ebenfalls – wenige Tage zuvor – ereilt hatte.

Die beiden Bürgermeister berichteten über den Stand der Dinge und das Ergebnis der Labor-Analyse, wie in unserer Sonnabend-Ausgabe berichtet. Dabei versäumte es Gerhard Geißler nicht, allen, die bisher beim Klumpen-Sammeln per Hand halfen, Dank zu sagen. Dazu gehörten nicht nur Bürger der Gemeinde Steinberg, sondern auch Mitglieder der Jugendfeuerwehr Steinbergkirche und sogar Helfer aus Kappeln und Winderatt.

Vermisst habe er, wie Geißler sagte, allerdings die Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, des Nabu und des BUND. Überhaupt sei alles sehr unbefriedigend. Nicht nur, dass die jetzt vorliegende Labor-Analyse fast zwei Wochen auf sich warten ließ. Jetzt sei von „Siedlungsmüll“ – laut Franke eine schwammige Aussage – die Rede und bei der Nachfrage habe es eine „Hin- und Herschieberei“ von behördlichen Zuständigkeiten gegeben. Es ergaben sich Fragen über Fragen, die nicht wirklich beantwortet wurden. Das bestätigte Hans-Heinrich Franke, der sich einmal mehr „allein gelassen fühlt“ – wie schon 2010, als der Strand von Hasselberg und Kronsgaard schon einmal in ähnlicher Weise verunreinigt war.

Die Bürger warteten nicht, bis es Zeit für die offizielle Einwohnerfragestunde war, sondern mischten sich schon vorher ein. Wieso fühle das Land sich nicht zuständig, warum habe sich das Umweltministerium nicht eingeschaltet ? – wurde gefragt. Hätte es eine Verunreinigung dieses Ausmaßes auf Sylt gegeben, hätte sich dieses unverzüglich eingeschaltet, hätten auch die Labor-Ergebnisse sofort vorgelegen. Hier aber – sprich Steinberg – werde die Gemeinde allein gelassen und müsse sehen, wie sie mit der Situation klar komme.

Erfreulich bei alledem, so die beiden Bürgermeister, sei lediglich, dass der Kreis Schleswig-Flensburg seine Bereitschaft, die Entsorgung des angeschwemmten Siedlungsmülls zu regeln, signalisiert habe. Was die Kosten dafür betrifft, werde man alles daran setzen, dass das Havariekommando in Cuxhaven diese übernimmt. Doch noch laufe die Suche nach einem Verursacher, der in Haftung genommen werden könne. Um für die Zukunft besser gewappnet zu sein, soll es nach den Worten von Gerhard Geißler eine Gesprächsrunde mit Vertretern jener Behörden, die für einem solchen Klumpen-Fall zuständig sind, geben. Auch wenn er sich das wünsche, könne nicht davon ausgegangen werden, dass sich eine solche aus der Ostsee kommende Strandverschmutzung nicht wiederhole. Von der Gesprächsrunde erhofft sich der Bürgermeister von Steinberg, „dass wir für die Zukunft wissen, wie im Fall eines solchen Falles zu verfahren ist“.

Doch zunächst einmal machten sich Bürger der Gemeinde im Anschluss an die Sitzung erneut auf den Weg, um am Strand noch immer liegende Klumpen einzusammeln.

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