Stolpersteine für Süderbrarup

Künstler und Initiator der Aktion Gunter Demnig verlegt persönlich die 'Stolpersteine' in Süderbrarup.
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Künstler und Initiator der Aktion Gunter Demnig verlegt persönlich die "Stolpersteine" in Süderbrarup.

Mit in den Bürgersteig eingelassenen Gedenksteinen erinnert Süderbrarup ihrer vier Opfer des NS-Regimes

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12. Oktober 2012, 07:16 Uhr

Süderbrarup | "Bisher gab es in unserem Dorf keine öffentliche Stelle des Gedenkens an die Opfer der Nazi-Herrschaft aus unserer Gemeinde", sagte Bürgermeister Friedrich Bennetreu bei der Verlegung eines so genannten "Stolpersteines" (siehe Infokasten) für Wilhelm Hass in der Raiffeisenstraße vor der Wohnstätte Ulmenhof. Mit ihrem Beschluss vom 19. Dezember 2011 habe die Gemeindevertretung Süderbrarup beschlossen, den in der Öffentlichkeit bis heute nahezu vergessenen Opfern durch "Stolpersteine" zu gedenken. Damit bekenne sich Süderbrarup zu seiner nationalsozialistischen Vergangenheit.

Der 44-jährige Wilhelm Hass hatte sich in einer der Arrestzellen der Gemeinde umgebracht, weil er Angst vor der Verschleppung in ein Konzentrationslager hatte. Er war als ehemaliges SPD-Mitglied von seiner Schwägerin wegen kritischer Äußerungen denunziert und verhaftet worden. Erst 1952 wurde er als "Opfer des Nationalsozialismus" vom Sonderhilfsausschuss des Landes anerkannt, nachdem der Antrag beim Kreis zuvor abgelehnt worden war. Die Türen der Arrestzellen wurden beim Abriss des Gebäudes gerettet und sind heute als Denkmal mit Erläuterungen der damaligen Vorkommnisse in der Schule am Thorsberger Moor ausgestellt.

In der Bismarckstraße verlegte Künstler Gunter Demnig gleich drei Steine für Rolf, Maria und Walter Appel. Die Familie Appel war Mitglied der Glaubensgemeinschaft "Zeugen Jehovas". Das Ehepaar Rolf und Maria wurde 1937 wegen Zugehörigkeit zu einer verbotenen Organisation sowie Verbreitung ihrer Schriften ins Gefängnis gesteckt. 1938 kamen sie per Amnestie wieder frei. 1941 wurde der Ehemann als Kriegsdienstverweigerer erneut verhaftet. Der Druckereibetrieb der Familie wurde geschlossen, für die Kinder Fürsorgeerziehung angeordnet. Rolf Appel wurde zum Tode verurteilt und am 11. Oktober 1941 enthauptet. Sohn Walter, Bibelforscher wie sein Vater, verweigerte als Siebzehnjähriger auch den Wehrdienst und wurde 1944 ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet. Mutter Maria überlebte verarmt, indem sie bei ihrer Mutter Unterschlupf fand.

Die Verlegung der Stolpersteine schließt einen Prozess ab, den 1989 Horst Jordt angestoßen hatte. Jordt hatte festgestellt, dass die damalige Chronik an die Opfer des Dritten Reiches lediglich durch die Beschreibung der Arrestzellen und der Erwähnung des Selbstmords von Hass erinnerte. In einem Brief an den damaligen Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden schlug er vor, eine Straße oder sogar das Schulzentrum nach Wilhelm Hass zu benennen. Auch der Sohn Hermann Hass’ beklagte in einem Brief an den selben Personenkreis, den dürftigen Chronik-Hinweis, wünschte aber, um nicht erneut schmerzliche Erinnerungen aufzuwühlen, keine weitere Diskussion über eine geeignete Form der Erinnerung.

Doch führt dieser Schriftwechsel dazu, dass in der neuen Chronik der Gemeinde ein eigenes Kapitel für die Nazi-Opfer eingefügt wurde. Auch wurde daraufhin das erwähnte Denkmal in der "Schule am Thorsberger Moor" eingerichtet.

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