Stillstand beim Thema Stadtentwicklung

Wirtschaftskreis "Pro Kappeln" stoppt vorerst Ausarbeitung eines Gutachtens / PACT-Gesetz als möglicher Ausweg

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06. Mai 2013, 03:59 Uhr

Kappeln | Das Thema Stadtentwicklung beschäftigt den Wirtschaftskreis "Pro Kappeln" (WPK) bereits seit geraumer Zeit. Für ein externes Gutachten, das auf eventuelle Mängel in der Innenstadt hinweisen, auf mögliche, bislang vielleicht kaum beachtete Ansatzpunkte aufmerksam machen und potenzielle Veränderungschancen betrachten sollte, war man bereit, viel Geld auszugeben. Genauer: bis zu 14 000 Euro. Die Ergebnisse dieser Studie sollten die Grundlage eines umfangreichen Konzeptes sein, auf das im Idealfall eine spürbare Umstrukturierung der Innenstadt gefolgt wäre.

Jetzt, ein gutes Jahr später, ist die Hälfte des Geldes ausbezahlt, und der WPK hat die Arbeit des Flensburger Städteplaners vorerst gestoppt. Grund: Die erhofften Resultate sind bislang ausgeblieben. Schon bei der Bereitstellung des Geldes hatte der WPK seinen Mitgliedern versprochen, eben diese Reißleine im Fall der Fälle zu ziehen. Ungeachtet dessen will der Wirtschaftskreis in diese Richtung weitermarschieren und die Stadtentwicklung weiter im Fokus behalten - wenn auch unter etwas geänderten Bedingungen. "Ich hatte auch gehofft, dass wir das schneller zustande kriegen", eröffnete WPK-Vorsitzender Stefan Lenz seinen anwesenden Mitgliedern. "Aber es ist eben nicht einfach, sich über Visionen Gedanken zu machen, ohne klare Vorgaben zu haben." Bereits nach der dritten Sitzung habe man gespürt, dass "die Luft langsam raus war", jedoch ohne die erwünschten Ziele erreicht zu haben.

Jetzt soll die zuständige Flensburger Firma erst dann wieder beauftragt werden, wenn konkrete Gedanken feststehen, die dann von Experten weiterentwickelt werden. Das war die Stelle, an der das schon häufiger genannte Zauberwort PACT fiel. In Kurzform verbirgt sich dahinter ein im Jahre 2006 vom schleswig-holsteinischen Landtag verabschiedetes Gesetz ("PACT-Gesetz"), das Möglichkeiten zur qualitativen Verbesserung von City-, Dienstleistungs- und Tourismusbereichen schaffen soll. Das Gesetz will in erster Linie private Initiativen unterstützen, die sich um Attraktivität ihrer Stadt beziehungsweise eines Teilbereiches ihrer Stadt bemühen. Es regelt auch die Finanzierung, die eine Abgabe der Grundstückeigentümer des festgelegten Teilbereiches gewährleisten soll.

Vom PACT-Gesetz haben in der Vergangenheit bereits die Flensburger Fußgängerzone (die dafür sogar eine Auszeichnung der Industrie- und Handelskammer erhalten hat) sowie die Elmshorner Innenstadt, außerdem Teilbereiche in Pinneberg, Rendsburg und Norderstedt profitiert. Kostenlos ist PACT allerdings, wie erwähnt, nicht zu haben, das betonte auch Stefan Lenz. "Wir brauchen eine Kriegskasse, um das überhaupt angehen zu können", sagte der WPK-Vorsitzende.

Gleichzeitig stellte er heraus, dass er PACT auch als Aufgabe der Stadt betrachte, die die Finanzierung solch eines sicher längerfristigen Projekts etwa über Städtebaumittel in Teilen mittragen könne. Parallel dazu könnten weitreichendere Bausteine, beispielsweise die Breitbandversorgung oder das Einzelhandelsgutachten, mit berücksichtigt werden. Lenz: "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Das ist es besser, etwas Geld in petto zu haben."

Als ebenfalls nicht ausreichend im Bilde in Sachen Stadtentwicklung empfand sich derweil WPK-Mitglied Walter Wichmann. Wichmann nannte den Informationsfluss zu diesem Thema "null" und wünschte sich eine Verbesserung.

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