Rabenkirchen-Faulück : Stiftung macht sich für Kirche stark

Gemeinsam für den Erhalt der Kirche: Lutz-Uwe Gloeckner, Pastorin Nadja Jöhnk sowie die drei Kirchenbauvereins-Mitglieder Thomas Büthe, Dagmar Fötsch-Middelschulte und Rolf Müller (v.li).
Gemeinsam für den Erhalt der Kirche: Lutz-Uwe Gloeckner, Pastorin Nadja Jöhnk sowie die drei Kirchenbauvereins-Mitglieder Thomas Büthe, Dagmar Fötsch-Middelschulte und Rolf Müller (v.li).

20.000 Euro fließen in die Sanierung der Marienkirche. Der Startschuss zu den Arbeiten soll im Juli fallen.

shz.de von
30. Mai 2018, 12:00 Uhr

Die Gotteshäuser in Arnis und Rabenkirchen-Faulück haben bereits 122 Fürsprecher gefunden. So viele Menschen gehören inzwischen zum vor einem knappen Jahr gegründeten Kirchenbauverein Arnis-Rabenkirchen, dessen einziges Ziel es ist, beide Kirchen langfristig zu erhalten. Jetzt ist ein weiterer Unterstützer hinzugekommen: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz überreichte der Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen jetzt einen Scheck in Höhe von 20.000 Euro. Das Geld ist für die Marienkirche in Rabenkirchen-Faulück gedacht, deren Dach langsam aber sicher verfault.

Was ist das Problem?


Architekt Filip Fröhler hat die Sache bereits bestens im Blick. Fröhler steht mitten auf dem langen Fußweg, der über den Friedhof zur Marienkirche führt und deutet Richtung Turm. „Damit fangen wir an“, sagt er. Im Turm stehen Holzarbeiten an, es müssen rissige Verfugungen rausgeschnitten und mit einem besonderen Mörtel neu geschlossen werden. Fröhler klopft mit einem mittelgroßen Stein gegen eine Fuge – dahinter klingt es hohl. Das grundlegende Problem: Wasser, das nicht richtig abläuft, nicht komplett über Rohre und Leitungen abgeführt wird. Die Folge: Die Feuchtigkeit landet im Mauerwerk und verursacht mächtigen Schaden.

Am deutlichsten wird das im Dach des Kirchenschiffs. Filip Fröhler spricht von Holzschwellen, die wegfaulen. „Die Schwellen sind richtig pulverisiert“, sagt er. Von laufenden 25 Metern pro Balken könne man mit Glück vielleicht zwei Meter erhalten, der Rest sei zerstört. Und: Das durch die Feuchtigkeit aufgeweichte Holz sei zu einer Wohnstätte für den Bunten Nagekäfer geworden. Trockenes, hartes Holz biete dem Käfer dagegen Widerstand.


Was kostet das?


Die Kirchengemeinde hat das Projekt Marienkirche in zwei Bauabschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt umfasst die eigentliche Sanierung des Kirchengebäudes, der zweite die Sanierung der Orgel, deren Pfeifen ebenfalls spürbar unter der Feuchtigkeit gelitten haben und die seit über eineinhalb Jahren schweigt, sowie die Schaffung eines gemeindlichen Raums – eventuell als Anbau an die alte Leichenhalle inklusive Küche und Sanitärbereich. Insgesamt kalkuliert die Gemeinde dafür mit 807.000 Euro.

Wer soll das bezahlen?


An dieser Stelle kommt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ins Spiel. Die Kirchengemeinde hatte finanzielle Unterstützung beantragt – und bekommen. Lutz-Uwe Gloeckner, Ortskurator der Stiftung für den Bereich Schleswig und Umgebung, hat 20.000 Euro für das Projekt mitgebracht. „Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Verfall von Denkmälern entgegen zu wirken“, erklärt Gloeckner. „Und gleichzeitig möchten wir ein Bewusstsein für ihren Erhalt in die Bevölkerung tragen.“ Dabei profitiert die Stiftung von Spenden und Mitteln der Glücksspirale, die sie seit ihrem Bestehen, also seit 1985, an 190 Objekte in Schleswig-Holstein ausgeschüttet hat. So haben etwa das Gut Gelting (1993), das Glücksburger Wasserschloss (2005 und 2012), die St. Wilhadikirche in Ulsnis (2002), und der Salondampfer „Alexandra“ in Flensburg (2015) Stiftungsgelder erhalten. Nach den Worten Gloeckners sind es Architekten, die nach einem Ortsbesuch entscheiden, ob sie ein Objekt für „förderungswürdig“ halten und: „In Fällen wie hier ist es eine Voraussetzung, dass auch die Kirche selber Mittel bereitstellt, bevor die Stiftung tätig wird.“ Und Pastorin Nadja Jöhnk erklärt, dass bereits Eigenmittel der Kirchengemeinde sowie Gelder vom Kirchenkreis und der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland geflossen seien. Und über den Zuschuss der Deutsche Stiftung Denkmalschutz sagt die Pastorin: „Wir freuen uns riesig.“

Wie geht es weiter?


Anfang Juli will Architekt Filip Fröhler den Kirchturm einrüsten und loslegen. Läuft alles nach Plan, will er spätestens Mitte August die Dachflächen des Kirchenschiffs öffnen und mit den Arbeiten beginnen. Voraussetzung dafür ist das grüne Licht des Artenschützers, der ein Auge auf die Fledermäuse hat, die derzeit im Dachstuhl ihre Jungen aufziehen. Fröhler verspricht: „Der laufende Gottesdienst-Betrieb wird nicht gestört.“

Gibt es Alternativen?


Nein. Kirchengemeinde und Kirchenbauverein setzen alles daran, die Marienkirche zu erhalten. Nadja Jöhnk sagt: „Vor einem Jahr standen wir am Scheideweg. Uns war klar, dass das Gemeindeleben stirbt, wenn wir die Kirche aufgeben. Also haben wir uns entschieden, die Sache ganz neu aufzubauen.“ Das war der Startschuss für den Kirchenbauverein. „Außerdem“, sagt Jöhnk, „was wäre es für ein Zeichen, ein Denkmal einfach verrotten zu lassen?“ Eines, das die Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen auf keinen Fall setzen wollte.
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