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Holzdorf : Steinige Mitbringsel aus der Eiszeit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Landwirt Hilmar Kellinghusen sammelt jährlich bis zu 40 Tonnen Steine von seinen Ackerflächen.

von
erstellt am 14.Jan.2016 | 12:30 Uhr

30 bis 40 Tonnen Steine „erntet“ Landwirt Hilmar Kellinghusen jedes Jahr auf seinen Äckern. „Und es wird nicht weniger“, sagt der Holzdorfer, der in der dritten Generation das Gut Maasleben bewirtschaftet. Feldsteinmauern, Fundamente und gepflasterte Wege auf seiner Hofanlage zeugen davon, dass schon immer ausreichend viele und große Feldsteine von den rund 250 Hektar Land zusammen getragen wurden.

Besonders jetzt im Winter sieht man in Schwansen große und kleine Steine auf den Äckern liegen. „Die wachsen quasi auf dem Boden“, erklärt Kellinghusen – ohne dass er sie ausgesät habe, ergänzt er lächelnd.

Für dieses Phänomen gibt es verschiedene Erklärungen. Vor allem die Bearbeitung des Bodens sorgt für Bewegungen. Auch wenn diese in nur sehr langen Zeiträumen ablaufen, so führen sie doch dazu, dass Steine nahezu aller Größe nach oben „wandern“. Die Bewegungen im Boden verursache vor allem der Pflug, sagt Kellinghusen. Bis 1970 pflügte man bis zu 20 Zentimeter Tiefe. Bis etwa 1990 drangen die Pflugscharen bis auf 25 Zentimeter in die Tiefe vor. Inzwischen erreichten Pflüge schon 30 Zentimeter Tiefe, je nachdem wie mächtig der Mutterbodenhorizont ist. Setzt man zudem noch Tiefenmeißel ein, um damit beispielsweise verdichtete Fahrspuren auf dem Acker aufzulockern, erreicht man damit schon 40 Zentimeter Tiefe. Kellinghusen: „Im Boden befindliche Steine werden dadurch natürlich angestoßen und über Jahre nach oben wandern.“ Feines Material rutscht nach. Hinzu kommt im Winter der Frost. Wasser im Boden dehnt sich beim Gefrieren aus und drückt die Steine so nach oben. Taut es wieder, können sich die Hohlräume unter dem Stein mit Bodenmaterial verfüllen, und der Stein sackt nicht mehr so tief ab wie er zuvor lag.

Damit der Pflug nicht durch Steine beschädigt wird, sind die Scharen so justiert, dass sie bei zu viel Widerstand wegklappen, erklärt der Landwirt. Die Stelle wird dann auf dem Acker mit einer Flagge markiert. Oft hat Kellinghusen schon erlebt, dass man anfängt, mit dem Spaten den Stein auszugraben. Dieser wurde dann aber immer größer, dass schließlich selbst der Traktor nicht mehr reichte und ein Bagger zum Einsatz kam. Mehrere dicke Brocken mit mehreren Hundert Kilogramm Gewicht hat Kellinghusen an seinem Feldweg schon gesammelt.

Dass der Landwirt und seine Kollegen in Schwansen aber auch im Östlichen Hügelland beständig Steine auf ihren Äckern finden, liegt an der letzten Eiszeit. Während der Weichselvereisung vor rund 10.000 Jahren wurde das Material aus Skandinavien mit den Gletschern dorthin verbracht. Als das Eis taute, blieb das Material als End- und Grundmoräne liegen und bildet die kuppige Landschaft. Weit verbreitet ist in dieser Region der Geschiebemergel: eine Mischung aus vielen Bestandteilen, vom feinen Ton über Schluff, Sand, Kies bis hin zu den dicken Brocken.

Damit die Steine die empfindlichen landwirtschaftlichen Maschinen nicht beschädigen, werden die Fläche jährlich abgesucht und die Steine abgesammelt. In der Regel marschiert Hilmar Kellinghusen vor der Aussaat seine Flächen ab. „Entspannt ist es, wenn einer im Trecker fährt und zwei rechts und links die Steine sammeln und in die Treckerschaufel werfen“, sagt der Bauer. Jede Fläche ist allerdings verschieden. Manchmal findet er in der Regel wenig, in anderen Bereichen dauert es drei bis vier Tage. „Und diese Mühe lohnt sich“, sagt Kellinghusen. Ein vielleicht 15 bis 20 Zentimeter großer Stein könne leicht Schäden von 5000 bis 10.000 Euro an Mähdreschern verursachen. Herrenlos sind die Steinhaufen an den Feldrändern oder Sammelpunkten allerdings nicht. Sie sind Eigentum des Landwirts, der sie veräußern oder damit Mauern errichten und Plätze pflastern kann.

Neben den Steinen finden die Helfer ganz selten historische Steinbeile oder versteinerte See-Igel. Kellinghusen entdeckte schon mal einen alten Mühlstein und eine alte Mühlplatte. Häufiger und vor allem in nassen Böden trifft er schon mal auf Mooreichenholz. Einen Goldschatz fand er bislang nicht. „Steinreich“, sagt er, „bin ich aber dennoch“.


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