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Schlei-Bote

18. Oktober 2017 | 13:59 Uhr

Kappeln : Stadtmarketing in der Schwebe

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Politik ist uneins über die Zukunft der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH – ein Überblick über die Positionen.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2015 | 20:12 Uhr

Gut zwei Wochen ist die Versammlung des Wirtschaftskreises „Pro Kappeln“ (WPK) her. Damals ließ der Verein deutlich verlauten, wie er sich die Zukunft der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK) nach dem 31. März 2016 vorstellt – zu diesem Zeitpunkt tritt der bisherige WTK-Geschäftsführer Jürgen van Schöll in den Ruhestand. Der WPK-Vorstand hatte sich für die Variante ausgesprochen, wonach der Geschäftsführer der Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS), Max Triphaus, die Geschäftsführung der WTK übernimmt, ein Stadtmanager bei der WTK angestellt wird, der eine Hilfskraft erhält. Mit dieser Entscheidung stellte sich der WPK gegen den Vorschlag des Bürgermeisters Heiko Traulsen, der die WTK-Geschäftsführung im Rathaus ansiedeln will, zusätzlich soll ein Stadtmanager beschäftigt werden. Ausgeschlossen hat der WPK auch die Idee van Schölls, über den 31. März hinaus seine Position mit reduzierter Stundenzahl und Hilfskräften fortzuführen. Die Stadtvertretung, die den Mehrheitsgesellschafter der WTK repräsentiert, hat noch kein Votum abgegeben, wird das wohl auch nicht mehr in diesem Jahr tun. Trotzdem: Alle Fraktionen haben die Zeit nach der WPK-Sitzung genutzt, um sich intensiv mit der WTK zu befassen. Hier ein Überblick über die einzelnen Positionen:

CDU: Fraktionsvorsitzender Matthias Mau formuliert deutlich: „Die CDU steht sehr klar hinter dem Vorschlag der OFS.“ Die Lokale Tourismusorganisation (LTO) habe bereits bewiesen, dass sie eine Marke entwickeln könne und könne stark und innovativ auftreten. Zudem sei mit der OFS das „Dauerrisiko“ abgesichert, dass durch den Ausfall einer Person gleich das ganze Konstrukt ins Wanken gerate. Mau betont, der Wirtschaft genau zuhören zu wollen. „Das nicht zu tun, wäre fast überheblich“, sagt der CDU-Fraktionschef. „Immerhin muss sich der WPK täglich mit Marketing auseinandersetzen.“ Gründe, die gegen die Ansicht des WPK sprächen, müssten daher schon „wahnsinnig gut“ sein. An die OFS knüpft Mau derweil auch einen Anspruch. „Wir sind dabei, das Profil dieser Stadt zu stärken“, sagt er. „Dazu brauchen wir ein Know-how, wie es von der OFS gewährleistet werden könnte.“

SPD: Nach den Worten von Fraktionschef Rainer Moll präferiert die SPD den Vorschlag der OFS – „und zwar einstimmig“. Der Grund liegt für Moll dabei auf der Hand: „Die OFS wird von Profis gemacht, dieses Können wollen wir gerne für uns nutzen. Wir halten das für absolut sinnvoll.“ Als weiteren Pluspunkt führt der Fraktionsvorsitzende potenzielle Synergieeffekte zwischen WTK und OFS an. „Man läuft nicht Gefahr, aneinander vorbei zu arbeiten“, sagt Moll. Die Strukturen könnten besser ineinander greifen und als Einheit nützlicher agieren. Als falsch erachtet die SPD nach Molls Ausführungen indes den Ansatz, „die Stadt mit der eigenen Dienstleistung zu beauftragen“.

LWG: Fraktionsvorsitzender Peter Koch betont, dass innerhalb seiner Fraktion noch keine Entscheidung über einen der genannten Vorschläge gefallen sei. Klar ist nur: „Wir können uns mit keiner der Alternativen so richtig anfreunden“, sagt Koch, auch weil in der Fraktion der Eindruck entstanden sei, „dass manches nicht zu Ende gedacht wurde“. Deshalb kündigt er an, „eventuell einen eigenen Vorschlag“ vorlegen zu wollen. Gerade mit Blick auf die OFS-Idee überwiegen für die LWG die Nachteile. Koch: „Wenn wir diesen Weg gehen, verkaufen wir uns.“ Gleichwohl möchte die LWG laut Koch zumindest noch eine Weile festhalten an Jürgen van Schöll, denn: „Wenn wir ihn komplett außen vor lassen, verlieren wir sehr viel Erfahrung.“

SSW: Für Christian Andresen und seine Fraktion steht die Unabhängigkeit der WTK an erster Stelle. „Wir brauchen einen Stadtmanager, einen Geschäftsführer, eine Hilfskraft, und alle sollten bei der WTK angestellt sein“, sagt Andresen. Das Angebot der OFS lehne seine Fraktion aus Angst vor einem Interessenskonflikt „vollkommen ab“, betrachtet aber auch die Ansiedlung der WTK bei der Stadt als „wenig zielführend“, da die Neutralität nicht gewährleistet sei. Und dann macht Andresen eine Rechnung auf: „Die Stadt zahlt der WTK 38  000 Euro im Jahr. Wenn sich entsprechend ihrer Anteile auch die anderen Gesellschafter WPK und Touristikverein beteiligen, verfügt die WTK jährlich über fast 80  000 Euro. Damit wäre sie in einer ganz anderen Handlungsposition.“ Zudem sieht er sich nicht unter Zugzwang, dem Entschluss des WPK zu folgen. Andresen: „Der WPK hat seine Interessen, die Stadt hat ihre.“

Grüne: „Praktisch nicht durchführbar“ nennt Michael Schattka die OFS-Idee – vor allem deshalb, weil die Aufgaben der OFS als LTO alle fünf Jahre neu ausgeschrieben werden müssen. „Sollte die OFS als LTO ausscheiden, haben wir trotzdem ein verbindliches Engagement mit ihr über die WTK“, sagt der Fraktionsvorsitzende. „Wie das dann laufen soll, ist uns schleierhaft.“ Ohnehin sei seine Fraktion von keinem der Vorschläge richtig überzeugt – „wir halten das eher für Notgeburten“. Lieber sei ihr, einzelne Aufgaben der WTK, etwa die Wirtschaftsentwicklung, in die Hoheit der Stadt zurückzuholen, andere Aufgaben, etwa die Veranstaltungsdurchführung, auszulagern. Schattka: „Das könnte die OFS übernehmen. Dann könnte man die WTK auflösen.“

Für kommenden Dienstag hat Matthias Mau zu einer interfraktionellen Sitzung geladen, einziges Thema: WTK. Erwartet werden dann auch die Vertreter der drei Ideen, um diese noch einmal vorzustellen.

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