Kappeln : Stadt will schnelles Internet stärken

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2015 soll der Fokus auf dem Breitband-Ausbau in den Kappelner Randbereichen liegen.

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16. Dezember 2014, 07:30 Uhr

Ulrich Bendlin von der Bauverwaltung begann seinen Vortrag in der letzten Stadtvertretersitzung des Jahres mit einem Zitat, das zwar nicht von ihm selber stammte, dessen Aussage er aber vermutlich sofort unterschreiben würde: „Eine moderne und leistungsfähige Breitbandinfrastruktur ist heute ein wesentlicher Standortfaktor.“ Immerhin, das räumte Bendlin später ein, landen auch auf seinem Schreibtisch vermehrt Anfragen von Gewerbeunternehmen, die eine Verbesserung der derzeit vorhandenen Möglichkeiten, das Internet zu nutzen, für dringend erforderlich halten. Als zeitgemäße Geschwindigkeit der Datenübertragung definierte er zwischen 16 und 50 Mbit (Megabit) pro Sekunde, die zwar bundesweit im städtischen Raum noch gut gegeben sei (78,5 Prozent mit 50 Mbit pro Sekunde), im ländlichen aber schwer nachlasse (13,8 Prozent mit 50 Mbit pro Sekunde).

Für Telekommunikationsunternehmen ist der Anreiz, den ländlichen Bereich datentechnisch aufzuwerten, nach den Worten Bendlins jedoch eher gering, da die geringe Bevölkerungsdichte auf ein überschaubares Kundenpotenzial schließen lasse und durch große Entfernungen hohe Ausbaukosten auf die Unternehmen zukommen könnten. Die ländlichen Kommunen wiederum versprechen sich von schnellem Internet eine höhere Lebensqualität und eine gestärkte Wettbewerbsfähigkeit der örtlichen Unternehmen.

Bendlin stellte dann zwei Techniken vor, von denen die erste Daten mit bis zu 50 Mbit pro Sekunde über Glasfaserkabel bis zum Verteilerzentrum, von dort über Kupferkabel in Haus, die zweite über Glasfaser direkt bis in Haus Daten mit bis zu 100 Mbit pro Sekunde liefert. Aus einer kreisweiten Machbarkeitsstudie geht hervor, dass die zweite Version, wollte man sie im ganzen Kreisgebiet verwirklichen, 368 Millionen Euro verschlingen würde. Bendlin: „Der Kreis favorisiert daher eher die erste Variante, auch weil sie als Übergang zur zweiten dienen kann.“ Derzeit arbeite man nun an einem Business-Plan, der sich mit der möglichen Umsetzung dieser Idee beschäftigt. Weil das Ergebnis aber noch völlig offen sei, könnte man als Kommune auch durchaus selber tätig werden.

Mit Blick auf Kappeln sprach Bendlin davon, dass die innerstädtische Datenübertragungsrate „ganz o.k.“ sei, die in den Randbereichen jedoch nicht mehr zeitgemäß. Olpenitz etwa käme gerade mal auf zwei bis drei Mbit pro Sekunde. Zwar sei die Erschließung mit schnellem Internet immer kostenaufwändig, in Teilen aber auch förderfähig, etwa die Erstellung der Leerrohranlage. Zudem könne man, indem das Netz an einen privaten Betreiber vermietet wird, mit sehr überschaubaren, aber regelmäßigen Mieteinnahmen rechnen.

Die Stadtvertreter nahmen Bendlins Ausführungen aufmerksam zur Kenntnis. Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) resümierte: „Wir müssen uns damit verstärkt beschäftigen. Im nächsten Jahr sollten wir uns mehr Zeit dafür nehmen und einen Fachmann zum Thema hören.“

Entscheidungen mit unmittelbaren Folgen fielen während dieser Sitzung aber auch noch. So mussten die Stadtvertreter die im Januar bewilligten 260.000 Euro für ein neues Löschfahrzeug der Olpenitzer Wehr um 42.000 Euro aufstocken. Nach den Worten des Gemeindewehrführers Dirk Schadewaldt war man im Januar irrtümlich davon ausgegangen, dass die Fördermittel aus der Feuerschutzsteuer noch nicht in die kalkulierte Summe von 260.000 Euro eingerechnet worden waren – das Gegenteil war allerdings der Fall. Das Gremium korrigierte seinen Beschluss und veranschlagt nun 302.000 Euro für das neue Fahrzeug.

Weiteres in Kürze:

> Einstimmig beschlossen die Stadtvertreter, einen B-Plan für das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld aufzustellen. Bislang existiert für diesen Bereich kein B-Plan, sodass zwei geplante Vorhaben derzeit nicht genehmigungsfähig sind. Die Kosten für die B-Plan-Aufstellung trägt der Deutsche Tierschutzbund.

> Der Neugestaltung der touristischen Ortseingangsschilder erteilte das Gremium ebenfalls einstimmig grünes Licht. Damit gehen Zuschüsse der Aktiv-Region und ein Eigenanteil der Stadt von 7000 Euro einher. Die Schilder sollen zur einheitlichen Präsentation der Region beitragen.

> Ohne Diskussion beschloss das Gremium, die Hebesätze ab 2015 zu ändern: Grundsteuer A und Grundsteuer B jeweils 390 Prozent, Gewerbesteuer 370 Prozent.

> Für die Machbarkeitsstudie „Wir machen Dampf zum Erhalt der Dampfeisenbahn“ muss die Stadt – überplanmäßig – 2800 Euro beisteuern. Die Stadtvertreter beschlossen dies einstimmig.

> Mit Blick auf die jüngste Demo für den Neubau einer Schwimmhalle betonte Dagmar Ungethüm-Ancker noch einmal: „Wir können die alte Halle gegenwärtig nicht halten und sehen derzeit keine Finanzierungsmöglichkeit, eine neue zu bauen. Wir sind sehr traurig, diesen Schritt tun zu müssen.“

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