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Investitionen am Fischereihafen : Stadt bekennt sich zur Fischerei

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Hauptausschuss stimmt für den Erhalt der Hafenanlagen, deren dringende Sanierung auf 600.000 Euro geschätzt wird.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2014 | 07:30 Uhr

„Eigentum verpflichtet, auch städtisches“, sagte Matthias Mau (CDU) zur Einstimmung des Hauptausschusses. Damit war klar, dass irgendetwas Außergewöhnliches bevorstand, denn dass sich der Hauptausschussvorsitzende in die Pflicht nehmen lässt, um dafür womöglich den städtischen Sparkurs zu verlassen, kommt nun wahrlich nicht allzu häufig vor.

Dieses Mal ging es um den Fischereihafen, altes Eigentum, denn die Kaianlagen stammen aus den Jahren 1966/67. Vor einem Jahr untersuchten Taucher einer Firma für Unterwasserarbeiten diese Kais. Das Ergebnis war ebenso ernüchternd, wie der Satz vom Eigentum, das verpflichtet. Auf rund 600.000 Euro hat das Ingenieurbüro Mohn aus Husum die Gesamtkosten für eine Sanierung von Fischanlandekai und Kutterliegeplatz geschätzt. Dennoch lehnte die Stadtvertretung im Juli eine Lösung noch in diesem Jahr aus zeitlichen wie auch wohl finanziellen Gründen ab. Die Stadtvertretung verschob das Thema aufs nächste Jahr und verzichtete damit auch auf sichere Fördergelder.

Dr. Daniel Schade vom Ingenieurbüro Mohn sagte jetzt zum Zustand der Anlage: „So eine Spundwand hält rund 40 Jahre, dann setzt die Durchrostung ein.“ Nach fast 50 Jahren hat der Patient das Stadium der Durchrostung also locker erreicht. Dabei sind besonders die Schäden beim Fischanladeplatz beträchtlich. Die überbaute Pierplatte steht auf 18 Stahlpfählen, die laut Schade zur Wasserseite hin teilweise schon 15 mal 15 Zentimeter große Durchrostungen aufweisen. Zur Sanierung der Anlage schlug Schade eine Stahlummantelung vor, welche die Pfähle in einem Abstand von zehn Zentimetern umschließt. Die Zwischenräume werden dann mit Beton aufgefüllt. „Pro Pfahl kostet das rund 4000 Euro, das ist noch nicht so viel“, meinte der Ingenieur. Bürgermeister Heiko Traulsen sah das anders: „Also, das kommt ganz auf die Perspektive an.“ Doch eine Alternative erkannte Schade nicht. Da auch die Verbindungsstücke zwischen den Pfahlhälften, die sogenannten Stege, in der vordersten Pfahlreihe vollkommen durchgerostet sind, ist die ursprüngliche Tragfähigkeit laut dem Untersuchungsbericht der Unterwasserfirma nicht mehr gegeben. Viel mehr gelangt die Expertise bei dem Fischanlandeplatz zu dem Schluss: „Es besteht dringender Handlungsbedarf.“ Zudem empfiehlt der Bericht dort eine Gewichtsbegrenzung. Das war das Ergebnis des vergangenen Jahres. Schade meint, dass die Maßnahmen nunmehr innerhalb eines Jahres erfolgen müssten.

Positiver fällt das Urteil beim Kutterliegeplatz mit seiner bis zum Hafengrund durchgehenden Spundwand. „Der Kutterliegeplatz ist in einem besseren Zustand, als man es nach 50 Jahren vermuten könnte“, meinte Schade. So zeige die Spundwand auch im Bereich des Oberflächenwassers keine Durchrostungen. „Der Pier ist standsicher und wird nicht im nächstem Jahr zusammenfallen“, so Schade. So könne die Instandsetzung mit vergleichsweise geringen Mitteln erfolgen. Da das statische Konzept nach wie vor funktioniere, empfahl Schade eine Vorverplattung. Dazu wird eine Stahlwand in einem Abstand von zehn Zentimetern vor die Spundwand montiert wird. Der Hohlraum wird wiederum mit Beton aufgefüllt. Schade: „Es handelt es sich hierbei um eine reine Konservierungsmaßnahme.“ Damit könne man sich eine neue Spundwand sparen, die sicherlich doppelt so teuer ausfallen dürfte. Allerdings sollen diese Arbeiten ebenfalls innerhalb des nächsten Jahres erfolgen.

Da die Fischerei in Kappeln nach Angaben des Hauptnutzers der Kaianlagen, der Genossenschaft der Küstenfischer Nord, in den nächsten zehn bis 15 Jahren einen hohen Stellenwert behalte, sahen sich die Ausschussmitglieder tatsächlich in der Plicht. Michael Arendt (LWG) meinte: „Das ist eine harte Nuss, die wir zu knacken haben.“ Angesichts der Prognose, dass in Kappeln über einen längeren Zeitraum mit der Fischerei zu rechnen sei, könne man sich nicht davon machen. „Wir müssen uns sofort an die bauliche Planung und die Finanzierung machen“, so Arendt.

Mau betonte, dass der Fischereihafen das Gesicht von Kappeln sei. „Für 15 Jahre Fischerei ist das Geld eine gute Investition, denn da hängen auch Arbeitsplätze dran.“ Obwohl es noch keine Gewissheit über Fördermittel gibt, sprach sich der Hauptausschuss in einem Grundsatzvotum einstimmig für den Erhalt des Fischereihafens aus.

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