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Kappeln : St. Marien: Anzeige wegen Baumfällung

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die katholische Kirchengemeinde entfernt eine alte Weide vor der Kirche – und erntet scharfe Kritik.

Viele Jahre hat die alte Weide ihren Schatten vor die katholische Kirche St. Marien geworfen. Vergangene Woche nun wurde sie gefällt. Der Grund dafür ist ein Beschluss des Kirchengemeinderates. „Wir wollten dadurch die Sichtbarkeit der Kirche gewährleisten und das Fundament der Kirche schützen“, sagt Pfarrer Stefan Krinke. Die Baumwurzeln drohten es aufzubrechen und Stolpersteine entstehen zu lassen.

Doch was gut gemeint war, macht nun Probleme. Denn: Die Kirchengemeinde hat die Fällung nicht genehmigen lassen. „Das ist absolut schiefgelaufen“, erklärt Konrad Maibaum, stellvertretender Kirchengemeinderatsvorsitzender. Vor drei Jahren fällte die Kirchengemeinde bereits eine Birke auf dem Grundstück. Zuvor informierte sich Maibaum bei der Stadt, ob es einer Genehmigung bedürfe. „Dem war damals nicht so.“ Daher nahm er an, dass dies auch für die Weide gelte.

Weil es in Kappeln jedoch keine Baumschutzsatzung gibt, greift das Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG). Demnach sind Baumfällungen bei Bäumen mit einem Stammumfang von mehr als zwei Metern in einem Meter Höhe genehmigungspflichtig. Mit einem Durchmesser von 97 Zentimetern (siehe Foto unten links) misst die Weide einen Stammumfang von rund drei Metern. Das ist auch der Grund, warum der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Schleswig-Flensburg nun zwei Anzeigen vorliegen, wie Bettina Koch von der UNB unserer Zeitung mitteilte.

Eine Anzeige stammt von der Interessengemeinschaft Umweltschutz (IGU). Durch Zufall entdeckte Eva Heimsoth, IGU-Vorsitzende, die Baumarbeiten auf dem Weg zur Arbeit, als sie nach Feierabend wieder nach Hause fuhr, war die Weide weg. „Die alten Bäume werden zu leichtfertig geopfert“, meint Heimsoth. In den vergangenen Jahren seien zu viele Bäume gefällt worden. „Umso fahrlässiger ist es, gesunde Bäume zu fällen.“ Und: „Es ist wichtig, dass öffentliche Institutionen mit gutem Beispiel vorangehen, damit Privatleute ihr Vorgehen nicht nachahmen.“ Die Umweltschützerin warnt vor so einem Automatismus und hat deshalb die UNB informiert. „Es entstehen sonst Missverständnisse, weil die Menschen uninformiert sind.“ Es gehe der IGU deshalb auch um eine bessere Kommunikation. Konrad Maibaum wünscht sich, eher auf den Fehler aufmerksam gemacht worden zu sein. „Als der Baum noch stand, sprachen Passanten die Gärtner darauf an, dass die Fällung Unrecht sei und wollten wissen, wer dafür verantwortlich sei“, erzählt Maibaum. Die Gärtner hätten ihnen seine Telefonnummer gegeben. „Aber niemand hat sich bei mir gemeldet.“ Maibaum hat das Gefühl, man habe ihn auflaufen lassen. „Hätte man mich von meiner Unwissenheit befreit, hätte ich die Fällung sofort gestoppt.“

Nach Angaben von Bettina Koch von der UNB hat die katholische Kirchengemeinde nun zwei Möglichkeiten: Ausgleichspflanzungen von mehreren Bäumen oder eine Ersatzzahlung. Im Falle der Ausgleichspflanzungen bedeutete dies für die Kirchengemeinde fünf Neupflanzungen. Die Ersatzzahlungen beliefen sich auf 361 Euro für eine Neupflanzung, die an die UNB entrichtet werden.

Dass die Kirchengemeinde neue Bäume pflanzen wird, hat Maibaum schon in Aussicht gestellt. „Das hatten wir ohnehin vor.“ Teil des Beschlusses sei auch die Pflanzung von zwei neuen Bäumen gewesen. Jetzt bekräftigt das Kirchengemeinderatsmitglied dieses Vorhaben und macht sich schon Gedanken darüber, wo gepflanzt wird und wie groß die Bäume sein müssen. Wenn es nach ihm ginge, werden die ersten beiden Bäume noch in diesem Jahr gesetzt.

Eva Heimsoth betont, dass es wichtig sei, gefällte Bäume zu kompensieren. „Für die ökologische Vernetzung braucht es Bäume im Stadtgebiet – nicht nur am Stadtrand.“ Schließlich dienten sie auch als CO2-Filter. Die neuen Bäume seien dennoch nur eine halbe Entschädigung. „Ein alter Baum ist wertvoller.“ Es bleibe abzuwarten, wie die Kompensation aussehe. „In einigen Fällen werden diese auch nur formal abgehakt.“ Wie es in diesem Fall nun weitergeht, weiß Bettina Koch von der UNB: „Zunächst wird es eine Anhörung des Veranlassers der Baumfällung geben.“ Die Kirchengemeinde wird dafür einen Brief erhalten und kann sich dann innerhalb von vier Wochen dazu äußern. Zudem sei zu prüfen, ob der Baum schwer krank war. „Dann kann das Verfahren auch mit einem geringeren Ausgleich abgeschlossen werden.“

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erstellt am 21.Dez.2016 | 07:00 Uhr

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