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Kunsthaus Hänisch : Sprache, Landschaft und Skulpturen

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Kunsthaus Hänisch blickt auf ein „gleichbleibend gutes Jahr“ zurück. 2014 halten unter anderem die Norddeutschen Realisten Einzug in die alte Stadtvilla.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Seit etwas mehr als fünf Jahren gehört das Kunsthaus Hänisch fest zur Welt der Kappelner dazu. Mehr noch: Es hat sich in dieser Zeit einen bemerkenswerten Stand innerhalb der schleswig-holsteinischen Kunstszene erarbeitet. Dazu hat auch das nun ausklingende Jahr beigetragen, ein, in den Augen des Vorstandsmitglieds Jens Burkart, gleichbleibend gutes Jahr.

Eine der einschneidenden Erfahrungen des Jahres 2013: „Namen ziehen“, sagt Jens Burkart knapp. Im Frühling Armin Mueller-Stahl oder jetzt im trüben Winter Marc Chagall: Bei bekannten Künstlern spielen Begleitumstände wie unbeständiges Wetter oder touristenarme Zeit so gut wie keine Rolle. Allein zehn Führungen bei Mueller-Stahl und bereits jetzt neun Führungen bei Chagall (bis zum Ausstellungsende am 19. Januar sind schon mindestens sieben weitere fix gebucht) sind für das kleine Haus in der Schmiedestraße äußerst ungewöhnlich. Die künstlerische Leiterin Dr. Christina Kohla sagt – fast selbst ein wenig ungläubig: „So viele hatten wir noch nie.“ Und gerade die Chagall-Schau „Ich träumte die Bibel“ profitiere erheblich von Erläuterungen der Experten. Dabei ist es fast immer ein Mix aus inhaltlichen Ausführungen, Kontexthilfen und Hinweisen zu Maltechniken. Christina Kohlas Erfahrung: „Unter eineinhalb Stunden funktioniert es nicht.“ Und selbst dann sei sie gezwungen, Schwerpunkte zu setzen.

Deutlich schwächer besucht war die Sommerausstellung „Mittsommerlicht“, die Werke von Jan Jensen, Søren J. Søndergaard und Bertil Sjøberg zeigte. Jens Burkart sagt: „Die Hitze hat uns Besucher gekostet, die Zahlen waren nicht zufriedenstellend.“ Hinzu kam, dass die drei Namen eventuell noch in der Region geläufig gewesen seien, darüber hinaus aber eher als unbekannt gegolten hätten. Ein Risiko, so viel ist klar. Aber nach fünf Jahren glaubt Christina Kohla: „Wir können es uns erlauben, zwischendurch auch einmal eine Position zu zeigen, die vielleicht ungewöhnlich ist. Wir müssen nur darauf achten, dass es ausgeglichen bleibt.“

Ebenfalls ungewöhnlich, aber fester Bestandteil eines zweijährigen Turnus: die Schüler-Ausstellungen. „Wege zur Abstraktion“ hieß die Schau, die Kunstschüler der Klaus-Harms-Schule selber konzipiert und organisiert hatten – auch für die Gymnasiasten etwas Besonderes. Und für das Kunsthaus eine Gelegenheit, seine Bodenständigkeit und tiefe Verbindung zu Kappeln zu demonstrieren und das äußert authentisch, keinesfalls aufgesetzt. Vier Abendveranstaltungen und die erste Auktion des Hauses komplettierten das Jahresprogramm 2013.

Bevor der Verein in den Ausstellungsreigen 2014 aufbricht, steht zunächst – als Ausklang zu Marc Chagall – noch im Januar ein besonderer Abendgottesdienst in St. Nikolai an. Das Leitmotiv Traum soll die Besucher durch die meditative Veranstaltung tragen und ihnen mithilfe von Christina Kohla und Pastor Dr. Karsten Petersen einen Zugang zu Chagalls Lithografien eröffnen.

Anfang Februar dann startet das Kunsthaus mit dem Bildhauer Volker Tiemann und dem Schriftsteller Arne Rautenberg in die neue Saison. Christina Kohla verspricht sehr realistische Bildhauerei, die sich in teils humorvollen, teils hintergründigen und geistreichen Skulpturen zeigt. Zweiter inhaltlicher Kern der Ausstellung ist die Sprache, die Arne Rautenberg einbringt, sodass neben Holz- und Bildarbeiten auch das Wort eine Rolle spielt, wie der Titel ohnehin schon verrät: „Objekte und Worte im Raum“.

Im Mai folgen mit „Fotografien der Region in und um Kappeln aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ Eindrücke in Schwarz-Weiß von Theodor Möller. Vor zwei Jahren hatte der Kunsthaus-Verein von der Günther Fielmann AG knapp 100 Fotografien Möllers als Geschenk erhalten, schon damals war eine Ausstellung fest versprochen. Über den Heimatforscher aus Rumohr sagt Kohla: „Er hat die Landschaftsfotografie extrem geprägt. Was den Malern des 19. Jahrhunderts ihr Tuschkasten war, war Theodor Möller seine Kamera.“ Besucher können sich schon jetzt auf viele bekannte Motive aus vielleicht ungewöhnlichem Blickwinkel einstellen.

Im Sommer schließlich findet das ein Ende, das in diesem Jahr seinen Anfang nahm: Lars Möller, Till Warwas und Ulf Petermann sind im Mai und im September mit Leinwand und Pinsel in Kappeln und Umland unterwegs gewesen. Was ihnen gefiel, haben die drei Norddeutschen Realisten gemalt und zeigen sie jetzt in der Flensburger Kunsthandlung Messerschmidt und im Kunsthaus Hänisch. Christina Kohla attestiert dem Trio nicht nur große Qualität und großes Können, sie hält die Herangehensweise der drei in diesem Jahr auch für beispielhaft. „Lars Möller, Till Warwas und Ulf Petermann sind in der Region umhergezogen und haben sich beim Malen über die Schulter blicken lassen. Das macht Kunst anfassbar“, sagt Kohla. „Jeder konnte sehen, dass Kunst vor der eigenen Haustür passiert, dass sie nichts Abgehobenes ist. So wird Kunst zum Teil der Gesellschaft.“ Möglich gemacht hat diese besondere Ausstellung, bei deren Entstehung man praktisch zusehen konnte, übrigens auch die Kulturstiftung der Stadt Kappeln.

Den Schlusspunkt im Kunsthaus-Jahr soll schließlich eine noch titel- und namenlose deutsch-dänische Gemeinschaftsausstellung setzen. Klar ist aber schon jetzt: Erstmals wird das Kunsthaus während des Winters für mehrere Wochen von Anfang Dezember bis voraussichtliche Mitte Januar schließen. Nicht immer kann ein Marc Chagall die kalte Jahreszeit retten – so wie in diesem Jahr. Die Konsequenz hat der Verein nun gezogen und will so auch seine ehrenamtlichen Aufsichtskräfte ein wenig entlasten.

Existenzängste kennt das Kunsthaus derweil nicht. Jens Burkart jedenfalls blickt mit einem Lächeln auf den Lippen in das neue Jahr. „Wir sind Sammler“, sagt er. Dass er damit nicht nur auffallend beachtliche Malerei meint, sondern vielleicht auch den ein oder anderen für ehrenamtlich geführte Vereine im Allgemeinen und die Kunst im Besonderen dringend nötige Sponsoren, sagt er nicht.

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