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Kappeln : Spezielle Speisen für Muslime in der Tafel?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Migranten könnten die Kappelner Tafel unterstützen.

„Bedürftigkeit sieht man nicht, denn sie verbirgt sich meist hinter verschlossenen Türen.“ Diese Erkenntnis hat sich die Kappelner Tafel zum Anlass für „gute Taten“ genommen: In der Schleistadt werden derzeit Bewohner mit schmalem Geldbeutel in rund 210 Haushalten versorgt und betreut. „Und die Tendenz ist steigend“, erklärte Vorsitzender Burkhard Rautenberg anlässlich der gut besuchten Jahresversammlung der Hilfsorganisation, eine von 918 Tafeln in Deutschland. Dank einer Vielzahl von ehrenamtlichen Helfern gelinge es bislang, dieser großen Nachfrage gerecht zu werden. Doch die Grenze der Belastbarkeit sei längst erreicht. Die „Tafel-Freuden“ kommen je zur Hälfte einheimischen Bürgern und Flüchtlingen zugute.

Die Eingliederung der Migranten ist auch für die Mitglieder des Kappelner Vereins eine Herzensangelegenheit. „Wir zeigen beispielhaft, dass – entgegen mancher negativer Berichte in den Medien – bei uns alles gut funktioniert“, merkte Rautenberg an. Ein Beleg dafür: Der Vorstand stellte im Laufe der Versammlung den vor vier Monaten aus Syrien geflohenen 22-jährigen Murad Issa vor, der vier Sprachen spricht und sich nun – aus persönlichem Antrieb – vor allem seinen in Kappeln untergebrachten kurdischen Landsleuten als Dolmetscher und Ansprechpartner zur Verfügung stellt. Mit Beifall nahmen ihn im Ellenberger Begegnungszentrum die Tafel-Mitglieder auf. Der Vorsitzende trug eine neue Idee vor: Die Küche der Tafel könnte mit Hilfe der Migranten zusätzlich eine Abteilung mit „speziellen Speisen für Muslime“ einrichten.

Zur finanziellen Sicherstellung der Betreuungsarbeit sucht der Verein weitere Sponsoren. Als kleine Anerkennung erhält jeder Spender, der jährlich ab 500 Euro an die Tafel überweist, einen Ehrenteller. Fakt ist, dass allein pro Monat 1200 Euro benötigt werden, vor allem um die Lagerung und stromfressende Kühlung von Lebensmitteln zu bezahlen.

Eine zusätzliche Arbeit kommt auf die Helfer zu: Sie müssen nach neuen Vorschriften an sechs Tagen pro Woche (bisher nur drei) die nicht mehr verkäuflichen Waren aus den Verbrauchermärkten abholen, damit nichts verdirbt. Auch dies verursacht unter andrem höhere Kosten wegen der häufigeren Fahrten.

Notwendig wird in diesem Jahr die Anschaffung einer begehbaren Kühlzelle, deren Preis mit rund 12.000 Euro veranschlagt werden. Außerdem will der Vorstand eine Rücklage für den 2018 geplanten Kauf eines rund 25.000 Euro teuren Neuwagens bilden.

Bei den turnusmäßigen Wahlen bestätigten die Mitglieder den Vorsitzenden Burkhard Rautenberg für zwei weitere Jahre in seinem Ehrenamt. Seine bisherige Stellvertreterin Heidi Gooßens wollte sich eigentlich aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen zurückziehen, doch behält sie bis auf Weiteres ihr Amt „provisorisch“, damit keine Vakanz entsteht. Nachfolger des nicht mehr amtierenden Kassenwarts Volker Baumann wurde Thomas Tautloff.

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