Kappeln : SPD-Fraktion mit neuem Chef

Gut vorbereitet: Lars Braack (li.) übernimmt mit Beginn des neuen Jahres den Vorsitz der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung. Bis dahin gehört der Posten noch Rainer Moll.
Gut vorbereitet: Lars Braack (li.) übernimmt mit Beginn des neuen Jahres den Vorsitz der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung. Bis dahin gehört der Posten noch Rainer Moll.

Rainer Moll übergibt seinen Posten nach mehr als 15 Jahren zum Jahreswechsel an seinen bisherigen Stellvertreter Lars Braack.

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16. Dezember 2017, 10:00 Uhr

15 Jahre und vier Monate – Rainer Moll muss nicht lange überlegen, um diese Zahlen zu nennen. 15 Jahre und vier Monate – so lange war er Fraktionsvorsitzender seiner SPD in der Kappelner Stadtvertretung. Zum Jahresende nämlich soll Schluss sein, so hat es die Fraktion in ihrer Sitzung Anfang der Woche beschlossen. Moll räumt seinen Posten auf eigenen Wunsch und macht Platz für einen anderen. Lars Braack, Molls bisheriger Stellvertreter, soll dann an die vorderste Position rücken, Braacks Stellvertreter wird Helmut Schulz.

Dabei war Kappeln weder Molls erste noch bislang längste kommunalpolitische Station. In Gelting war er zuvor zwei Jahrzehnte lang in der Politik aktiv, zehn Jahre davon als Bürgermeister. In Kappeln, so erzählt er es mit einem Lächeln, habe ihn dann Harry Detlefsen „eingefangen“. Und weil er damals schon so viel Erfahrung mitbrachte, dauerte es nicht lange, ehe Moll den Fraktionsvorsitz übernahm. Mitgebracht aus Gelting hatte der frühere Marineoffizier auch sein Herz für die Bundeswehr, eben deshalb sagt er heute noch: „Das einschneidenste Erlebnis für mich als Fraktionsvorsitzender war der Verlust des Marinestützpunktes Olpenitz. Das kann ich heute noch nicht begreifen.“ Rainer Moll nennt es eine „schmerzhafte Erinnerung“, zumal man lange für den Erhalt gekämpft habe. Und auch danach blieb Olpenitz nicht frei von Schwierigkeiten. „Als die Sache damals erst vor Gericht landete und der Investor später Insolvenz anmelden musste – das waren auch herbe Rückschläge“, sagt Moll. Aber das Gestaltenkönnen, das aktive Mitarbeiten, das sind die Möglichkeiten, die ihn all die Jahre gereizt und auch gefordert haben. „Ich habe sicher Entscheidungen getroffen, die nicht richtig waren“, sagt er. „Aber aus lauter Angst gar keine zu treffen, ist auch falsch.“

Und auch wenn ihn all die Themen dieser Stadt weiterhin tief bewegen, war sein ursprünglicher Plan, im Mai nicht mehr zur Wahl anzutreten. „Aber wir mussten erkennen, dass wir Probleme haben, Kandidaten zu finden und die Liste zu füllen“, räumt er ein. Also kandidiert der 72-Jährige erneut als Direktkandidat in seinem Wahlkreis Ellenberg, und freut sich, sollte er es erneut in die Stadtvertretung schaffen, kündigt aber bereits an: „Ich strebe keinen Posten mehr an.“

Für Lars Braack gilt das Gegenteil. Mit Beginn des neuen Jahres ist er der Fraktions-Chef der SPD und wird als solcher auch die Kommunalwahl bestreiten. „Ich weiß, worauf ich mich einlasse“, sagt der 52-Jährige und lächelt. Ungeachtet dessen, dass er mit der Wahl gleich eine große Aufgabe vor der Brust hat, betont er, eigene Schwerpunkte setzen, dabei aber auch gerne auf den Erfahrungsschatz seines Vorgängers zurückgreifen zu wollen. „In der Stadt steckt gerade viel in der Entwicklung“, sagt Braack. „Und auch wenn Rainer Moll und ich vielleicht nicht immer einer Meinung sind, freue ich mich sehr, dass wir auf seine Kompetenz nicht verzichten müssen.“ Gleichzeitig ist es Lars Braack ein Anliegen, die SPD auch zahlenmäßig besser aufzustellen. „Es wäre schön, wenn es uns gelänge, die Partei ein bisschen zu verjüngen“, sagt er. Dazu soll auch der unmittelbare Kontakt mit Bürgern beitragen, beispielsweise beim Stammtisch, den die Partei vor einer Weile eingerichtet hat. Es sei schon eine Hilfe, wenn sich Bürger zu speziellen Themen, die sie unmittelbar betreffen, zu Wort melden, findet Braack. „Und wenn sie dieses Engagement dann auch auf andere Inhalte erweitern könnten, Lust bekommen, mitzugestalten und einfach mal in die politische Arbeit reinfühlen wollen, freuen wir uns“, sagt er. Sich selber begreift er als Teil eines Teams, das offen diskutiert und das ihn auch dabei unterstützt, in seine neue Aufgabe hineinzuwachsen.

Und von Rainer Moll, der seinen bisherigen ehrenamtlichen Aufwand für die Politik mit mindestens 40 Wochenstunden kalkuliert, kommen wertschätzende Worte für seinen Nachfolger. „Ich bin absolut überzeugt davon, dass Lars Braack als Fraktionsvorsitzender seinen eigenen Stil finden und das gut machen wird.“ Die Frage, ob er auch 15 Jahre durchhält, wollte Braack aber zunächst dann doch offen lassen. Der Wechsel, den Eindruck vermitteln die beiden, scheint jedenfalls schon mal gut vorbereitet zu sein.

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