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Kappelner Museumshafen : Sorgen um die Traditionsschifffahrt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Museumshafen-Verein befürchtet, neue Sicherheitsvorgaben des Verkehrsministeriums nicht erfüllen zu können.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2016 | 07:00 Uhr

Die deutsche Traditionsschifffahrt gerät in schweres Fahrwasser. Grund dafür sind neue, geplante Vorschriften mit enormen Sicherheitsvorgaben an Material und Mannschaft. Damit verbunden wären massive Umbauten, die das Budget vieler Skipper oder Betreibervereine sprengen würden. Die gemeinsame Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW) spricht davon, dass mit diesem Entwurf der „Niedergang des maritim-kulturellen Erbes und touristisch bedeutenden Wirtschaftsfaktors“ eingeleitet werden könne.

Auch im Kappelner Museumshafen ist man besorgt. „Der 146 Seiten starke Entwurf enthält Regelungen, die die Traditionsschiffe mit Kreuzfahrtschiffen auf weltweiter Fahrt nahezu gleichsetzen“, sagt Vereinsvorsitzender Heinz Huchtmann. Matthias Kowalke, Mitglied des erweiterten Vorstands, hält die „starre Zuordnung“ der Traditionsschiffe zur Fahrgastschifffahrt für einen „Irrweg“, zumal auch der überwiegende Teil der Traditionsschiffe, wie Eisbrecher, Schlepper, Heringslogger oder Steinfischer, nie Fahrgastschiff war. „Die Bedingungen sind so verschärft worden, dass nahezu alle Traditionssegler sie nicht mehr erfüllen können“, meint Kowalke. Im Museumshafen sind laut Kowalke fünf Schiffe von der neuen Schiffssicherheitsverordnung betroffen. Nachrüstungen und Umbauten könnten so teuer werden, dass der Betrieb mancher Schiffe zu teuer werde. Dies könnte für Vereinsmitglieder genauso gelten wie für Gastlieger. „Das hat dann auch für den Verein direkte Folgen. Bei weniger Mitgliedern und weniger Gastliegern im Hafen brechen die Einnahmen weg. In dem Fall müssten wir unsere Preise erhöhen, um die Anlage instand halten zu können“, so Kowalke. Das Vereinsmitglied nennt technische Vorgaben, Ausrüstung, Vorschriften für die Besatzung sowie bürokratische Vorgaben als größte Kritikpunkte der neuen Sicherheitsrichtlinien. So kann es dazu kommen, dass aufgrund der neuen Vorschriften die Schottwände in den Schiffen versetzt werden müssen. Ungeachtet der Stabilität und der schlechteren Raumausnutzung schätzen zwei Vereinsmitglieder die Kosten solch einer Maßnahme für ihre Schiffe auf je 25.000 Euro.

Carsten Deinert vom Betreiberverein der in Kappeln liegenden „Fortuna“ befürchtet, das vorhandene Ankergeschirr komplett erneuern zu müssen. Statt zweier Anker von je 186 Kilogramm und Ketten von je 145 Metern Länge soll das 30 Meter lange Segelboot demnach nunmehr zwei Anker zu je 570 Kilogramm und verstärkte Ketten von je 302,5 Metern Länge mitführen. Da die vorhandene Ankerwinde für diese neuen Dimensionen nicht ausgelegt ist, müsste auch hier nachgerüstet werden. In der Summe wären das rund 7200 Kilogramm mehr Gewicht. „Das hat erhebliche nachteilige Auswirkungen auf den Trimm und die Stabilität des Schiffes, zumal alles im Vorschiffbereich unterzubringen ist“, so Deinert in einer schriftlichen Stellungnahme. „Die Kosten für Anschaffung und Umbau sind immens. Das sind absolut überzogene Anforderungen“, findet er.

Noch sind die Regelungen nicht beschlossen. Erst in diesen Tagen hat das Verkehrsministerium mitgeteilt, dass man den Entwurf überarbeitet habe. Mehrfache Anfragen des Schlei Boten an das Ministerium blieben – mit Ausnahme eines Hinweises auf die Homepage des Hauses – unbeantwortet. Aus dieser Internetseite geht hervor, dass die absolute Festlegung der Höhen fürs Süll (Schwellen, die als Schutz der Decksöffnungen vor Wasser dienen) gestrichen wurde. Für denkmalgeschützte Schiffe würden demnach auch Ausnahmen zugelassen, damit ein Schiff durch Umbauten nicht seine Denkmal-Eigenschaft verliert. Vor allem die Brandschutzverordnung ist im überarbeiteten Entwurf für kleinere Schiffe entschärft worden. Zudem wurden auch Übergangsfristen eingeführt, damit die neue erforderlich gewordene Ausrüstung angeschafft beziehungsweise die nötigen Umbauten umgesetzt werden können. Doch an der Neuberechnung des Ankergeschirrs hielt man ebenso fest wie am Führen eines Stabilitätshandbuches mit aktuellen Gewichtsangaben. Auch die Besatzung soll weiterhin zusätzliche Qualifizierungslehrgänge absolvieren, darf jedoch nur unentgeltlich arbeiten, wie überhaupt Entgelte in der Traditionsschifffahrt nur ideellen Zwecken dienen dürfen, was den Unterhalt der Schiffe zusätzlich erschwert.

„Wir wollen die Traditionsschifffahrt erhalten. Da auf Traditionsschiffen häufig Fahrgäste, Schulklassen und Jugendliche befördert werden, ist es unerlässlich, mehr Sicherheit für Besatzung und Passagiere zu schaffen“, begründet Staatssekretär Enak Ferlemann auf der Internetseite des Verkehrsministeriums die hohen Sicherheitsauflagen. Eine erhöhte Anzahl an Unfällen von Traditionsschiffen lässt sich laut GSHW in den vergangenen Jahren jedoch nicht feststellen. Zur jüngsten Überarbeitung des Entwurfs wird Ferlemann auf der selben Internetseite so zitiert: „Wir haben die Stellungnahmen der Länder und Verbände ausgewertet. Die Bedenken, die teilweise geäußert worden sind, nehmen wir sehr ernst und haben daher die Vorschriften angepasst, wo es möglich ist.“

Laut GSHW-Vorstandsmitglied Nikolaus Kern sind die Änderungen allerdings „bei Weitem nicht ausreichend, um die Traditionsschifffahrt im bisherigen Umfang zu erhalten“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Für Matthias Kowalke ist der geänderte Entwurf kein Durchbruch. „Wenn das alles ist, was angepasst wurde, dann wurde eine Nebelkerze gezündet, denn damit sind wir nicht aus dem Schneider. Die Summe der Auflagen ist problematisch“, sagt der Mann vom Museumshafen. Kowalke stemmt sich nicht gegen eine Neufassung der Sicherheitsvorschriften auch für Traditionsschiffe. Doch sie müssen auch realistisch und umsetzbar sein. Er hat die Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung noch nicht aufgegeben. „Das Verkehrsministerium ist nicht unser Gegner“, betont er.

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