Wachdienst gefährdet : Sorge um die Sicherheit am Strand

Robert Niciejewski (links) aus Polen übt beim Ferienschwimmen mit den Kindern erst „trocken“ am Strand, bevor es dann in die Ostsee geht.
Robert Niciejewski (links) aus Polen übt beim Ferienschwimmen mit den Kindern erst „trocken“ am Strand, bevor es dann in die Ostsee geht.

Die DLRG Norgaardholz blickt der Badesaison skeptisch entgegen. Weil zu wenig Personal vorhanden ist, kann kein permanenter Wachdienst gewährleistet werden.

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18. Juli 2014, 07:30 Uhr

Auch wenn es momentan anders aussieht: Die Ortsgruppe Norgaardholz der Deutschen Lebens–Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat personelle Sorgen. Zurzeit bewachen zwar sieben statt der erforderlichen fünf Rettungsschwimmer den 320 Meter langen Strand – doch der stellvertretende Vereinsvorsitzende Klaus Ossipow weiß schon jetzt genau, dass sich die Situation im Laufe der Sommerferien drastisch ändern wird. Er ahnt: Die eigene Personaldecke ist derart dünn, dass in den letzten beiden Ferienwochen nur noch ein eingeschränkter Wachdienst möglich sein wird.

Der 53-jährige Ossipow, von Beruf Klärwerker, hat von seinem Urlaub eine Woche abgezweigt, um in der Seebadeanstalt den Wachdienst mit zu übernehmen – noch bis zum Wochenende. Der Rettungsschwimmer und Ausbilder betont ausdrücklich, dass am Strand Freiwillige für die Sicherheit der Badegäste sorgen. Dies, sagt er, sei vielen Menschen gar nicht bewusst. Viele gehen davon aus, dass die Wachen hauptamtlich besetzt sind – ein Irrtum.

Zu den Wachgängern dieser Woche gehört neben Ossipow auch der 29-jährige Ingenieur Christian Boysen, der seinen Urlaub in Norgaardholz verbringt. Hinzu kommen die
17-jährige Schülerin Jane Bendixen, die ein Jahr jüngere Hannah Schützler sowie als „Azubis“ der zwölfjährige Gerrit Bendixen und die gleichaltrige Merrit Stender. Sie alle kommen aus Steinbergkirche.

Und dann ist da noch der 33-jährige Robert Niciejewski aus dem polnischen Koszelin. Der Sportlehrer bleibt sechs Wochen in Norgaardholz, dann geht es wieder nach Hause. „Wenn wir ihn nicht hätten, wäre alles noch viel schwieriger“, sagt Ossipow. Die DLRG hat Niciejewski in einer Ferienwohnung untergebracht, denn um den Zustand des Wachgebäudes ist es nicht zum Besten bestellt.

Angesichts der Badeunfälle in jüngster Zeit warnt Klaus Ossipow: „Die Ostsee ist keine Badewanne, sondern kann sehr tückisch werden.“ Er verhehlt nicht, dass er der Badesaison angesichts der Unfälle mit einem mulmigen Gefühl entgegen sieht. Es gelte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. „Das ist leichter gesagt als getan“, so Ossipow.

Was den stellvertretenden Vorsitzenden immer wieder verwundert, ist die Tatsache, dass selbst so mancher Freizeitskipper nicht die Bedeutung der weiß-gelben Tonnen kennt, die den Badebereich markieren. Einige Schiffseigner steuern nicht nur ungeniert in den Bereich hinein, sondern versuchen sogar, am Badesteg festzumachen.

Was die Badesaison betrifft, sieht Ossipow nicht besonders optimistisch in die Zukunft: „Uns fehlen Wachgänger, um die Station kontinuierlich optimal zu besetzen und den Strand im Auge zu haben.“ Wäre das anders, könnte man die Wachzeit über die Sommerferien hinaus verlängern. „Das wäre eigentlich sehr wünschenswert.“

Den Ende Mai durch einen Nordost-Sturm zertrümmerten Badesteg haben die DLRG-ler übrigens mit den aus dem Meer gefischten Teilen einigermaßen wieder hergerichtet. Ob es irgendwann eine feste Brücke, die nicht wie seit Jahren im Frühjahr auf- und im Herbst wieder abgebaut werden muss, geben wird, steht laut Ossipow in den Sternen. Für die DLRG wäre das schön. Mittlerweile erwägt man beim Amt Geltinger Bucht, eine feste Brücke als Projekt bei der Aktiv-Region Schlei-Ostsee anzumelden.

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