Kappeln : Solidarität zwischen den Schlei-Ufern

Die „Goldene Reuse“ vergeben die Fischer um Olaf Jensen (li.) und Armin Laß in Maasholm. Melanie Fischer bereitet aus diesem Anlass Kaffee und Kuchen vor.
Die „Goldene Reuse“ vergeben die Fischer um Olaf Jensen (li.) und Armin Laß in Maasholm. Melanie Fischer bereitet aus diesem Anlass Kaffee und Kuchen vor.

Die Schleifischer setzen nächste Woche an mehreren Stellen erneut Baby-Aale aus, um den Bestand zu sichern.

shz.de von
24. Juli 2015, 07:30 Uhr

Nächste Woche machen sie das halbe Dutzend voll. Am Mittwoch,
29. Juli, setzen die Fischer um Olaf Jensen und Armin Laß zum sechsten Mal in Folge klitzekleine Aal-Babys in der Schlei aus – morgens um 8 Uhr starten sie auf dem Schleswiger Holm, gegen 12 Uhr wollen sie im Kappelner Fischereihafen sein, ab 14 Uhr in Maasholm am Netzeschuppen.

Die Aktion ist für die Fischer inzwischen fast zur Selbstverständlichkeit geworden, auch wenn sie Jahr für Jahr jede Menge Geld kostet. In diesem Jahr, rechnet Olaf Jensen vor, werden 46.000 Euro fällig, 60 Prozent davon übernimmt die Europäische Union – „den Rest“, sagt der Kappelner, „müssen wir selber aufbringen“. Ein finanzieller Kraftakt, der allerdings immer mehr Menschen findet, die die Idee nicht nur ideell, sondern eben auch mit einer Spende unterstützen. 18 Restaurants haben sich der Sache mittlerweile verschrieben, indem sie den Fischer nicht nur finanziell unter die Arme greifen, sondern sich zudem für die regionale Fischerei einsetzen.

Eben das nämlich steckt hinter dem jährlichen Aalbesatz: Der Bestand des regionalen Tiers soll sich auf lange Sicht erholen, besser noch anwachsen. Der Aal bleibt der Brotfisch für die Fischer, gleichzeitig gehört er zu den bedrohten Arten – ein Widerspruch, den die Fischer mit ihrem „Aalutsetten“ aufbrechen wollen. Dass sie dazu einen langen Atem benötigen, wissen sie selber am besten – auch wenn Olaf Jensen sagt: „Richtung Schleswig gab es schon richtig gute Fänge dieses Jahr.“

Angekommen ist die Idee auch bei den Anliegergemeinden der Schlei, das demonstrieren Ulrich Brüggemeier, Kreispräsident Schleswig-Flensburg, und Lutz Clefsen, Kreispräsident Rendsburg-Eckernförde, die beiden in diesem Jahr in Maasholm erwartet werden. Jensen sagt: „Diese Solidarität entlang der gesamten Schlei und zwar zu beiden Ufern ist uns wichtig.“ Und um die Verbundenheit noch ein bisschen mehr zu forcieren, vergeben die Fischer seit 2013 anlässlich des Aal-Besatzes ihre „Goldene Reuse“ an jemanden, der sich um die regionale Fischerei besonders verdient gemacht hat. In diesem Jahr, das darf bereits verraten werden, heißt die Preisträgerin Lotti Wiese aus Arnis. Sie erhält die Auszeichnung in Maasholm aus den Händen des Ministerpräsidenten Thorsten Albig. Und als Ehrengast der diesjährigen Aktion wird Albig zudem selber an Bord eines der Fischkutter steigen und Baby-Aale in die Schlei entlassen. Für ein besonders stimmungsvolles Bild könnten schließlich die zehn Dehoga-Köche sorgen, die in Maasholm alle in Arbeitskluft auflaufen sollen – als Beweis einer engen Bande zwischen regionaler Küche und Fischerei.

Übrigens: Interessierte Bürger sind am Maasholmer Netzeschuppen gern gesehen. Zum Ausklang gibt es auch noch Kaffee, Kuchen und Klönschnack.

> „Aalutsetten“ am 29. Juli – der grobe Zeitplan: 8 Uhr, Schleswiger Holm; 12/12.30 Uhr, Fischereihafen Kappeln; 14 Uhr, Netzeschuppen Maasholm.

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