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Kappeln : Skatepark: Drei Jungs lassen nicht locker

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Finn Regener, Jacob Wiese und Hanno Dall haben sich bereits als Teenager für das Projekt eingesetzt – inzwischen bauen sie solche Anlagen selber.

Ihr erster Anlauf ist mittlerweile acht Jahre her. Hanno Dall war damals 17 Jahre alt, stand vor dem Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Schulen und wünschte sich eine neue Anlage zum Skaten. Passiert ist seitdem nichts. Zumindest nichts in der Stadt. Hanno Dall aber und seine Freunde Finn Regener und Jacob Wiese waren alles andere als untätig. Alle drei beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit Planung, Bau und Design von Skateparks. Und Finn Regener sagt heute: „Damals wollten wir einen Skatepark für uns selber. Inzwischen wohnen wir gar nicht mehr in Kappeln, aber wir finden, dass so ein Projekt eine echte Bereicherung für die Stadt und die Region sein kann.“ Unter der Überschrift „Kappeln braucht einen Skatepark“ haben die drei eine Online-Petition gestartet und inzwischen mehr als 520 Unterstützer gefunden. Es ist so etwas wie ihre kleine Mission.

„Vor acht Jahren haben wir viele Gespräche geführt“, sagt Finn Regener. „Trotzdem ist es ins Leere gelaufen.“ Die Ursache dafür sucht der 23-Jährige derweil nicht ausschließlich bei den Stadt-Verantwortlichen. „Es war eine gute Idee, aber vielleicht sind wir auch einfach zu unbedarft rangegangen“, sagt er selbstkritisch. Heute ist von dieser Unbedarftheit nicht mehr viel zu spüren. Finn Regener und Jacob Wiese haben seit ihrem Abitur viel Zeit im Ausland verbracht, haben in Indien und in Äthiopien Skateparks gebaut, in diesem Monat fliegt der 24-jährige Wiese nach Nepal für das nächste Projekt. Die beiden tun das überwiegend ehrenamtlich und auch nicht alleine, und sie erfahren viel positives Feedback. Jacob Wiese lächelt als er sagt: „Es ist einfach schön zu sehen, wie aus einem Skatepark ein Sammelplatz für das ganze Dorf wird.“

Leisten soll genau das auch in Kappeln ein Skatepark aus Beton. Viel pflegeleichter, lange haltbar, glatte Oberflächen und daher weniger lärmintensiv als Skateanlagen aus Holz oder Metall – so erläutern es die beiden Experten. Und am liebsten so zentral wie möglich in der Stadt. Finn Regener sagt: „Je präsenter und einsehbarer desto besser.“ Beispielsweise am Südhafen, hinter der Cremilk oder neben Ford Hansen. „Wenn man versucht, Skater zu verstecken, entwickelt sich genau das Bild, das eine Stadt nicht haben will“, sagt der 23-Jährige. Ein Ort zum Abhängen, zum Alkoholtrinken, zum Drogenumschlag. „Aber wenn man Skater ins Stadtbild integriert und die Anlage zugänglich macht für alle, kann es ein lebendiger Treffpunkt werden.“ Jacob Wiese berichtet von einer Anlage in Hamburg, die nahe eines Seniorenheims errichtet wurde. „Dort stehen ringsrum Bänke, die Menschen sehen zu und applaudieren den Skatern“, sagt er.

Kostenlos ist so ein Skatepark natürlich nicht zu haben. Die beiden Studenten kalkulieren für einen 500 Quadratmeter großen Park mindestens 50.000 Euro, die Grenze nach oben ist offen. In Indien oder Äthiopien konnten die Anlagen dank Spenden entstehen, an anderen Stellen haben sich Unternehmen, die als Sponsor aufgetreten sind, mit einer Plakette auf dem Gelände verewigt. Finn Regener findet: „Meiner Meinung nach ist die Stadt inzwischen ein wenig unter Zugzwang. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt, die Jugend wird komplett vernachlässigt. Es ist an der Zeit, etwas für junge Leute zu tun.“

Die beiden Skate-Experten sind fest davon überzeugt, dass sie mit ihrer Idee punkten können. Als Beleg dienen auch etliche der Kommentare, die unter ihrer Online-Petition erschienen sind – beispielsweise: „Mit einem Skatepark für die Jugendlichen kann die Stadt ein Zeichen für die Jugendarbeit setzen.“ Oder: „Grandiose Idee! Kappelns Kinder und vor allem Jugendliche stehen weit hinten in der Rangliste der Aufmerksamkeit.“ Oder: „Auch wenn ich selber nie Skateboard gefahren bin, habe ich fantastische Erinnerungen an Abende mit Freunden am Büdelsdorfer Skateplatz.“ Das ist es auch, was sich Finn Regener wünscht. „Ein Skatepark kann eine Grundlage schaffen, um Jugendkultur entstehen zu lassen“, sagt der 23-Jährige. „Es ist ein Ort, an dem jeder er selbst sein kann, ohne dass man tatsächlich skaten können muss. So ein Ort hat uns damals gefehlt.“ Und Jacob Wiese betont nebenbei noch einen zweiten Aspekt: „Das Ganze hat auch touristische Beweggründe.“ Ein gut geplanter Skatepark könnte Familien mit Kindern ein Anreiz sein, in der Stadt Urlaub zu machen. Und außerdem: „Wenn der Park erst einmal da ist, für Veranstaltungen genutzt wird und sich in der Stadt etabliert hat, entsteht der Bedarf von ganz alleine.“

Ein paar mehr Unterschriften sollen nun noch zusammenkommen. Dann wollen Jacob Wiese, Finn Regener und Hanno Dall ihre Petition der Verwaltung und der Politik übergeben. Und sie bieten auch ihr Wissen und ihre Erfahrung im Skatepark-Bau an. Gleichzeitig allerdings haben die drei die Erwartungshaltung, dass irgendetwas geschieht. Auf jeden Fall mehr als vor acht Jahren.

> www.change.org/p/kappeln-braucht-einen-skatepark

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erstellt am 01.Apr.2017 | 07:30 Uhr

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