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Schlei-Bote

17. Dezember 2017 | 07:40 Uhr

Ulsnis : Sieben Jahre Arbeit bis zum Einzug

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Heidi und Michael Chalupka richteten eine Hofstelle in Hestoft aus dem Jahre 1756 her – und wurden dafür ausgezeichnet.

Heidi und Michael Chalupka wurden vom Landesamt für Denkmalpflege mit der Denkmalplakette des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet. „Sie erhalten diese Plakette in Anerkennung ihrer Leistungen für den Denkmalschutz und die Bewahrung des kulturellen Erbes in Schleswig Holstein“, verlas Ingenieur Nils Meyer den Text der zugehörigen Urkunde, die vom Landeskonservator unterzeichnet ist. Das Fachhallenhaus in Hestoft sei nach dem Schloss Glücksburg das zweite Gebäude im Kreis Schleswig-Flensburg, das diese Auszeichnung erhalte. „Ich freue mich, dass es ein kleines, ländliches Gebäude ist, das mit viel Herzblut restauriert und unterhalten wird“, erklärte Meyer. Das Ehepaar Chalupka hatte das 1756 gebaute Haus 1993 gekauft. Seit 2000 wohnt es darin. Zusätzlich hat das Paar die Loh des ehemaligen Rauchhauses (weil ursprünglich ohne Kamin) zum Museum umgebaut.

„Wir haben dieses Haus auf einer Fahrradtour entdeckt“, erzählt Heidi Chalupka. Sie hätten damals noch im Bergischen Land gewohnt, seien aber bereits auf der Suche nach einem derartigen Objekt gewesen und dafür in jedes Dörfchen und in jede Stichstraße gefahren. Doch als sie dieses Haus gesehen hätten, das total vergammelt aussah, von meterhohen Brennnesseln umgeben und total zugewucher, hätten sie gewusst: „Das ist es!“ Der Kauf war nicht einfach. Erst musste ein Mitbewerber zahlungsunfähig werden, bis das Ehepaar Chalupka zum Zuge kam. Damals stand das Haus noch nicht unter Denkmalschutz.

Sieben Jahre lang renovierten sie das Gebäude, jeder Urlaub und viele Wochenenden wurden dafür investiert. Architekt Michael Chalupka ging das Ganze systematisch an. „Als Erstes sicherten wir die Statik, ergänzten oder wechselten das Fachwerkgefüge aus, um die Standfestigkeit des Gebäudes herzustellen“, erklärte er. Dann habe man das Dach mit Reet neu gedeckt, da die vorhandene Reetdecke so dünn war, dass das Wasser in Zinkwannen aufgefangen werden musste. Außerdem mussten die Fenster neu gekittet werden. „Dann haben wir eine Dränage um das Haus gelegt, um es trocken zu legen“, erinnert er sich. Zusätzlich habe man eine gasgespeiste Fußleisten-Heizung eingebaut – auch wenn Ofen und offene Herdstelle vorhanden sind. Daraufhin starben Hunderttausende Kellerasseln, denen ihre feuchte Lebensgrundlage entzogen wurde. Sie mussten mit dem Besen von den Wänden gekehrt werden. Danach ging es Schritt für Schritt weiter: Lehm ersetzte Beton, es fanden sich Elemente für den Innenausbau. „Wir haben grundsätzlich nur mit Originalbauteilen oder mit Bauteilen aus der Errichterzeit gearbeitet“, sagt der Hausherr. Zusätzlich wurde die Loh mit Exponaten ausgestattet, die sie aus ihrer alten Heimat mitbrachten. In dieser Halle erhält man Einblick in das Leben und Wirtschaften auf einer kleinbäuerlichen Hofstelle.

Bekannt wurde das Grundstück Hestoft 24 aber nicht durch das Haus, sondern durch seinen Garten. Der in Barockform angelegte Bauerngarten ist ein Liebling der Gartenzeitschriften und Fernsehsender. 2004 holte er den zweiten Preis im Wettbewerb „Deutschlands schönste Gärten“ und wird auch heute noch von Besuchern aus ganz Europa frequentiert. Es ist kein typischer Bauerngarten. Dazu müssten mehr Nutzpflanzen darin sein. Aber man findet auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück alte Obstsorten, ein Bienenhaus, einen Ziehbrunnen, einen Lehmbackofen und den Nachbau einer Bleicherhütte, in der heute Hühner leben.

„Der Sinn unserer Arbeit liegt für mich in der Erhaltung alter Baustrukturen“, erklärt sich Michael Chalupka. Es sollte ein Anreiz für junge Leute sein, in den Dörfern wieder etwas aufzubauen. Die Gartenanlage sei ein Kontrapunkt zu den umgebenden Monokulturen der Landwirtschaft. Und er sehe bereits Nachahmer, die alte Obstbäume pflanzten und ihre Wiesen nicht blank mähten.

Garten und Loh des Hauses Hestoft 24 können gegen eine Spende besichtigt werden, wenn das Tor geöffnet ist. Der Privatbereich darf nicht betreten werden. Führungen können unter Tel.  0  46  22/18  00  10 angemeldet werden.

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