Sankelmark : Seltener Einblick in die Zeit des Kalten Krieges

Zahlreiche Besuchergruppen wurden durch die engen und lange Zeit geheimen Katakomben der Akademie geführt. Foto: petersen
Zahlreiche Besuchergruppen wurden durch die engen und lange Zeit geheimen Katakomben der Akademie geführt. Foto: petersen

Als der Hausmeister Geheimnisträger war: Der Atombunker unter der Akademie Sankelmark (Kreis Schleswig-Flensburg) wurde jetzt erstmalig für die Öffentlichkeit geöffnet. Der Andrang war riesig.

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30. August 2011, 08:24 Uhr

Oeversee | Was fast 60 Jahre lang nach dem Bau - auch für die Bewohner der unmittelbaren Nachbarschaft - ein streng gehütetes Geheimnis war, wurde jetzt erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Der strahlungssichere Schutzbunker unter der Akademie in Sankelmark, der einst eventuellen Atomangriffen durch die Ostblockstaaten standhalten sollte. In der Zeit des Kalten Krieges, insbesondere in den 1950er und 60er Jahren wurden kreisweit nicht nur in Sankelmark, sondern auch in Lindewitt und Schafflund sowie in Wimmersbüll in Nordfriesland Bunkeranlagen der gleichen Art gebaut.
Die Führungen fanden im Rahmen des "Sommertages" rund um die Akademie und den Sankelmarker See am Sonnabend statt. Organisiert wurden sie vom Verein "Unter Hamburg", ein ehrenamtlicher Verein zur Erforschung und Dokumentation zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte unterirdischer Bauwerke (www.unter-hamburg.de). In Sankelmark führte Ronald Rossig, Mitglied des Vereins, und der Zeitzeuge und langjährige Hausmeister der Bunkeranlage, Peter Weber aus Jerrishoe, durch die engen Räume und Flure der Anlage. "Meine Frau, die für die Reinigung des Bunkers verantwortlich war und ich waren Geheimnisträger, durften über die Bunkeranlage nicht sprechen und auch nicht in den Ostblock reisen", berichtete Weber.
Telefonanlage mit ausfahrbarem Antennenmast
Die Bunkeranlage sei damals vollkommen autark gewesen, mit eigener Strom- und Wasserversorgung, Klima- und Belüftungsanlage sowie eigener Telefonanlage mit einem ausfahrbaren Sendemast, erläuterten Weber und Rossig. Bei radioaktiver Strahlung hätten die Bunkerbewohner eine eigens dafür vorgesehene Reinigungs- und Duschanlage mit anschließender Schleuse passieren müssen, bevor die Räume betreten werden konnten. Insgesamt erstreckt sich die Bunkeranlage über etwa 1200 Quadratmeter unter dem Bettenhaus der Akademie.
"Bei einem eventuellen Atomschlag sollten Mitglieder der Regierung und Personen, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung verantwortlich waren, im Bunker überleben", sagte Ronald Rossig und fügte kritisch an: "Wenn aber 99 Prozent der Bevölkerung ausgelöscht sind, wer soll dann noch regiert werden?" Immerhin seien die Atombomben der 1960er Jahre bereits 60 bis 70 Mal stärker gewesen als die Hiroshimabombe von 1945.
Vom großen Interesse der Besucher waren die beiden Moderatoren überrascht. Die stündlichen Führungen mit jeweils 25 Personen waren geplant in der Zeit von 14 Uhr bis 17 Uhr, mussten aber wegen des Andrangs bis 19 Uhr ausgedehnt werden.

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