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Schlei-Bote

20. Oktober 2017 | 10:00 Uhr

Seifen-Tiramisu im Langnasen-Design

vom

Verena Füllgraf aus Hasselberg rührt aus Ölen, Parfüm, Fetten und Farbstoffen Kunstwerke an, mit denen man sich waschen kann

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Hasselberg | "Geöffnet" lockt ein Schild an der Straße in Wormshöft unweit des gleichnamigen Noores in ein aus der Mitte des 19. Jahrhundert stammendes Reetdachhaus und den es umgebenden Garten. Gleich am Eingang steht ein Tisch und darauf ein Tablett mit Tiramisu. Das macht Appetit. Und dann erscheint mit einem Messer in der Hand Verena Füllgraf, beginnt den vermeintlichen Gaumenschmaus zu zerschneiden, lacht und räumt mit dem Irrtum auf: "Nein, das ist kein Tiramisu, das ist Seife."

Seit Kurzem lebt und arbeitet die aus Kiel stammende 55-Jährige in besagtem Haus, hat im "Tantchen" eine Seifenmanufaktur eingerichtet - neues Leben in einem alten Haus. Mit ihrem "One-Woman"-Betrieb hat die einstige Zahnarzttechnikerin das realisiert, was sie allen, die inzwischen zu ihr als Coach kommen, um Leistungsblockaden aufzulösen, rät: "Das machen, woran das Herz hängt."

Die Idee mit der Herstellung von Seife entstand bereits vor geraumer Zeit, als Verena Füllgraf die Fernsehsendung "Hobbythek" mit Jean Pütz regelmäßig sah. Da ging es um Wissenschaft im Alltag und "Do it yourself" - unter anderem um Cremes: "Ich habe gerührt und gerührt und in Töpfchen gefüllt." Doch irgendwann wurde es ihr zu langweilig, denn als Frau mit viel Kreativität wollte sie mehr, wollte alles in hübsche Formen bringen und da lag es für sie nahe, das Rühren auf die Herstellung von Seife zu verlagern.

Im "Tantchen"-Haus - so benannt nach "Tante Margot", Verena Füllgrafs Hund, ein mittlerweile 15 Jahre alter "lieber Mischling" und "Tantchen" gerufen - steht die "Küche" der Seifenmanufaktur im Mittelpunkt. Hier schaltet und waltet sie nun nach Herzenslust und sagt, dass die Herstellung von Seife eigentlich ganz simpel sei: Man nehme wertvolle Öle und Seifenlauge, verrühre sie zum Zwecke der Verseifung miteinander - im Kaltverfahren. Das alles erfordere, sagt Verena Füllgraf, Geduld, Gespür, Wissen und Kreativität, um dann die Seife in Form zu bringen, sig niert mit "Langnase"-Design - eine Anspielung auf "Tante Margot".

Zu den Fetten, die sie für ihre Naturseifen verwendet, gehören Kakao-, Shea- und Kokosnussbutter ebenso wie Palmöl. Sie werden mit flüssigen Ölen von Raps, Oliven oder Sonnenblumen auf Handtemperatur, also 35 Grad Celsius, erwärmt und vermengt. Dann kommt Natronlauge mit gleicher Temperatur hinzu und daraus entsteht nach dem Rühren Seifenleim. Weitere Zutaten sind Parfümöle wie beispielsweise Seerose oder Sandelholz und natürliche Farbstoffe, sprich Indigo und auch Goldpulver. Und wieder wird gerührt. Dann beginnt das Hacken, Pudern, Mischen und Schichten.

Durch das Zusammenfügen unterschiedlicher Leime entsteht in Handarbeit das anfangs genannte "Tiramisu". Das alles wird dann an der Luft getrocknet. Für die "Tantchen"-Seife gilt, dass sie, eingewickelt in Wolldecken für 24 Stunden "zu Bett gebracht wird" - vergleichbar mit jener Prozedur, wie man sie von der Großmutter, wenn diese den Topf mit Milchreis zum Ausquellen ins Bett stellte, her kennt. Was die Seife betrifft, vollzieht sich während dieser 24 Stunden ein chemischer Prozess - Verena Füllgraf spricht von Verseifung. Nach vier Wochen hat die Seife dann die notwendige Milde und Festigkeit erreicht.

Zum maritimen Design gehören Muschel-, Fisch- und Schnecken-Formen. Längst ist die "Tantchen"-Seife bei Urlaubern zu einem Mitbringsel für die Lieben daheim geworden. Zu einem Renner hat sich dabei die "Bernstein"-Seife gemausert. Geschichtet aus verschiedenen Seifenleimen in Verbindung mit Goldpulver beginnt die Seife bei Berührung mit Wasser zu leuchten - wie Bernstein.

Jedes Stück, weil in kleinen Mengen gefertigt und immer wieder anders verleimt, ist ein Unikat. Das gilt auch für die Kachelreliefs. Wie man sich mit einer solchen Kachel wäscht ? Ganz einfach: Man schneidet sich Stücke ab.

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