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Kunsthaus Hänisch : „Sehbilder“ zwischen Nebel und Raps

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

„Kappeln und Umgebung“: Ausstellungseröffnung mit Bildern von Michael Arp und Hans-Joachim Billib.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2015 | 07:30 Uhr

In der knapp siebenjährigen Geschichte des Kunsthauses Hänisch gibt es zahlreiche echte Highlights, die sich gerne an den Besucherzahlen zur jeweiligen Vernissage ablesen lassen. Gerda Schmidt-Panknin etwa kam auf gut 90 Eröffnungs-Besucher, Peter Nagel auf geschätzte 120, bei Armin Mueller-Stahl war das Zählen nicht mehr möglich. Gestern Vormittag wollten rund 150 Menschen die Vernissage der aktuellen Schau erleben: „Kappeln und Umgebung“ – Malerei von Michael Arp und Hans-Joachim Billib. Eine eindrucksvolle Zahl, deren Aussage eindeutig ist: Es bahnt sich ein weiteres Highlight an.

Michael Arp und Hans-Joachim Billib haben gleich mehrere Dinge gemeinsam. Beide waren Teil der Künstlervereinigung der „Norddeutschen Realisten“, beide fühlten sich in Landschaftsbildern und Stillleben zu Hause, beide waren Mitglied des Vereins Kunsthaus Hänisch und haben bereits in Kappeln ausgestellt, und – die traurigste Gemeinsamkeit – beide sind im Jahr 2013 verstorben. Dank der Ehefrauen der beiden Künstler, Christin Arp und Margit Billib, kann das Kunsthaus seit gestern rund 120 Werke, ausschließlich Landschaften, der Maler zeigen. Und nicht nur die große Anzahl verspricht, dass es einiges zu entdecken gibt für den, der genau hinsieht.

Auf eben diesen Aspekt nämlich machte Professor Klaus Fußmann, Lehrer Billibs, in seiner teils recht emotionalen Einführung aufmerksam, als er an das Credo der „Norddeutschen Realisten“ erinnerte. „Es geht darum, nur das zu malen, was man sieht“, sagte Fußmann. Um das Unverfälschte, das Naturgetreue, das Original. Oder, und damit zitierte Fußmann mit Nikolaus Störtenbecker einen weiteren „Norddeutschen Realisten“ um das „Sehbild“.

Hans-Joachim Billib gehörte zu Fußmanns Meisterschülern, musste sich jedoch als Berliner die Angelner Region erst erarbeiten. „Er konnte mit unserer Landschaft zunächst nichts anfangen“, sagte Fußmann. Erst der Anblick einer Sternschnuppe, etwas, das Billib in seiner Heimatstadt noch nie gesehen hatte, veränderten seine Wahrnehmung. Fußmann: „Seitdem hat ihn die Faszination für diese Region nicht mehr losgelassen.“ Ein Ansatz, der in seinen Bildern immer wieder zu spüren sei. Tatsächlich scheinen Billibs Bilder quasi zu leuchten, egal ob Rapsfelder, der Leuchtturm Falshöft oder – besonders gelungen – das Haff Kamminke auf der Insel Usedom. Selbst sein „Grauer Tag am Strand“ hat nichts Tristes, Billibs Hingabe schimmert immer durch.

Anders Michael Arp. Seinen Bildern attestierte Klaus Fußmann einen immanenten Theodor-Storm-Nebel, der bemerkenswerte Melancholie ausstrahle. „Michael Arps Bilder sind immer etwas vernebelt“, sagte Fußmann. „Aber das ist seine Ästhetik.“ Immer einen Hauch düsterer, immer von einem grauen Schleier überzogen, als ob der Regen gerade vorüber ist oder gleich beginnt. Bei Arps „Gehöft Pageroe“ etwa sind die Pfützen unübersehbar, bei seiner „Schmiedestraße Vorweihnachtszeit“ laufen die Menschen mit Regenschirm unter den Lichterketten umher. Seine „Kirche Arnis“ verschwindet im Nebel, seine „Telefonzelle Süderbrarup“ hat gerade einmal vier kleine Lichtpunkte. Das Unverfälschte.

Nicht umsonst schrieb Klaus Fußmann beiden Künstlern einen ausgeprägten Hang zur Genauigkeit, mehr noch – „eine fanatische Liebe zum Detail“ zu, die sich bei Michael Arp in einer besonderen Spezialität zeigte. Fußmann: „Er hatte den Ehrgeiz, Zinn, Kupfer und Eisen malen zu können. Und das ist wirklich nicht einfach.“ Hans-Joachim Billib habe die auffällige Detailtreue nach den Worten Fußmanns „emotionslos über das ganze Bild verstreut“.

Die Schlussworte des Kunst-Professors waren dagegen von markanter Emotionalität. Obwohl beide Maler keine neuen Bilder mehr schaffen können, sagte Klaus Fußmann ihnen eine große Zukunft voraus. „Es sieht ganz danach aus“, so Fußmann, „als wäre für diese zwei ein Platz in der Kunstgeschichte der nächsten 100 Jahre vorhanden“. Bis zum 14. Juni haben Arp und Billib nun zunächst ihren Platz im Kunsthaus Hänisch eingenommen. Und der steht ihnen ausgesprochen gut.

> „Kappeln und Umgebung“ – Malerei von Michael Arp und Hans-Joachim Billib, Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, mittwochs bis sonntags, 11 bis 17 Uhr bis zum 14. Juni; Führungen mit Dr. Renate Fechner: Donnerstag, 7. Mai, 17 Uhr, Sonnabend, 16. Mai, 11 Uhr, Sonnabend, 23. Mai, 11 Uhr; weitere Terminabsprachen sind unter Tel. 0  46  42  /  21  05 möglich.

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